Gruselgeschichten
Füllfederhalter des Grauens - Gruselgeschichte - Alekseij Upatov - Mein Berg - Russland - Altai - Grusel - Horror - Grauen - Aberglaube

Buchtipp / eBook-Tipp

Der Füllfederhalter des Grauens Gruselgeschichten

Der Füllfederhalter des Grauens
Gruselgeschichten
Hrsg. Jörg Sprave
Dr. Ronald Henss Verlag
ISBN 978-3-939937-05-0 (Buch)
ISBN 978-3-939937-59-3 (eBook epub)

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Dieser Text ist urheberrechtlich geschützt. Nachdruck und Vervielfältigungen, auch auszugsweise, bedürfen der schriftlichen Zustimmung des Verlags.

Mein Berg

© Alekseij Upatov

Ich habe meinen Vater schon immer gehasst. Vielleicht nicht seit ich denken kann, aber seit ich anfing Fragen zu stellen. Fragen wie "Warum gehst du nicht zur Arbeit?" oder "Warum bist du so böse, wenn du abends nach Hause kommst?".

Immer wieder bekam ich dieselbe Antwort: "Manche Fragen sind schöner als Antworten."

Ich verfluche diesen Satz. Meine gesamte ruinierte Jugend lang hat er mich begleitet. Die Faulheit und Nutzlosigkeit meines Vaters entschuldigend. Aber er hat mich auch geprägt, mich geleitet. Ich habe mich so stur dagegen gewehrt, auch nur einen Funken Wahrheit in ihm zu sehen, dass ich mein Leben dem Gegenbeweis gewidmet habe.

So reise ich schon seit über zehn Jahren durch Russland und schreibe Berichte. Berichte von Orten, die so stark vom Aberglauben durchtränkt sind, dass sich inzwischen niemand mehr fragt, warum sie so unheilvoll sein sollen.

Vieles habe ich auf meinen Reisen gesehen. Mütterchen Russland ist in manchen Gegenden so zurückgeblieben, wie es sich im Westen wohl kaum jemand vorstellen könnte. Wir schossen den ersten Menschen in die Umlaufbahn der Erde und gleichzeitig wurden in einigen Dörfern immer noch Hexen verbrannt. Man glaubt es kaum, aber gerade im Norden sind Scheiterhaufen auch heute noch, im letzten Viertel des zwanzigsten Jahrhunderts, kein seltener Bestandteil eines Dorfes.

Mir wird immer noch schlecht, wenn ich an meine letzte Reise denke. Troetskoe, eine 400-Seelen-Gemeinde, die angeblich Probleme mit sogenannten "Oborotney", Dämonen in Menschengestalt, hatte. Man schrieb mir, dass der letzte Vorfall vor gerade erst drei Wochen stattfand.

Es hatte einige Zeit gedauert, bis ich ein paar Einheimische dazu gebracht hatte, mit mir darüber zu reden. Die Leute waren simpel, simpel und unglaublich dumm. In einer Kneipe hatte ich einige Bauern zu mehreren Runden eingeladen. Als es spät wurde, musste ich das Thema nicht mal selbst ansprechen. Einige waren selbst dabei gewesen und prahlten regelrecht damit. Als ich begriff, was da passiert war, stürzte ich nach draußen und musste mich übergeben.

Bei einer Familienfeier wurde zu später Stunde ein schweinischer Witz erzählt. Ein einjähriges Kind saß mit am Tisch. Die Stimmung war ausgelassen, der Witz kam gut an und alle brachen in Lachen aus. Mitgerissen von der guten Laune fing auch das Kind an zu lachen. Und da kriegten es die betrunkenen Dörfler mit der Angst zu tun. Das Kind konnte ja noch nicht mal richtig reden und von Sex verstand es erst recht nichts. Für sie war die einzige Erklärung für das Lachen, dass das Kind in Wirklichkeit ein Dämon in Menschengestalt war, ein Oborotney. Sie warfen es noch am selben Abend in den Kamin.

Eine widerliche Geschichte das Ganze, aber in einem Land, das auf Aufklärung nicht so viel Wert legt wie auf Schutz vor dem Kapitalismus, nun mal keine Seltenheit. Es ist nicht mal ein Tabu. Der Onkel des getöteten Kindes war auch in der Kneipe und prahlte am lautesten mit dieser "Heldentat".

Ich habe nur einen Teil der Mythen im Norden erforscht, aber das reicht mir für den Moment. Zwei Bücher konnte ich damit bereits füllen und das Geld sollte für einen kleinen Urlaub reichen. Einen Urlaub, den ich längst nötig hätte.

Zuerst hat mich das alles zynisch gemacht. Aber in letzter Zeit fühle ich mich nur noch verbittert. Ich kann diese Idioten nicht mehr sehen. Verkaufen ihre Stromkabel an die Eisenindustrie, sind dann gezwungen ohne Licht zu leben, und plötzlich fällt ihnen ein, dass sie im Dunkeln Angst haben. Aus der Angst wird Aberglaube und aus Aberglaube Dummheit und Verbohrtheit. Im schlimmsten Fall lynchen sie dann am Ende irgendwen, um ihrer Furcht ein Ventil zu geben. Ich habe das alles satt.

Also beschließe ich, wieder in den Süden zu gehen. Viele glauben, in Sibirien sei es immer nur kalt, aber das stimmt nicht. Im Sommer sind es im Süden normalerweise 30 Grad im Schatten und es gibt kaum Wolken. Genau, was ich jetzt brauche. Ferien in der Sonne.

Ich setze mich in den ersten Zug, den ich kriege. Mein Ziel: Der Altai.

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Füllfederhalter des Grauens Gruselgeschichten Der Füllfederhalter des Grauens
Gruselgeschichten
Hrsg. Jörg Sprave
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ISBN 978-3-939937-05-0 (Buch)
ISBN 978-3-939937-59-3 (eBook epub)

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