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eBook Karin Reddemann: Toter Besuch
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Dez
01
Langeweile
© Karin Reddemann

Ich fühle mich gelangweilt, das ist kein befriedigender Zustand. Deshalb habe ich beschlossen, ein paar Leute umzubringen. Es werden keine unschuldigen harmlosen Passanten sein, so krank bin ich nicht, obgleich der eine oder andere, was sage ich, verdammt viele es verdient hätten, grinsend brutal sauber eliminiert zu werden. Diese grenzenlose Blödheit um mich herum macht mich aggressiv.

Kein Thema jetzt, die kommen vielleicht später dran.

Ich habe eine Liste aufgestellt mit Namen von Personen, die mich ärgern. Und überlege, wie genial ich sie um die Ecke bringen könnte.

Es ist eine meiner schlaflosen Nächte, ich kraule meinen Hund, der immer wach ist, wenn ich es auch bin, er glaubt dann, ich würde mit ihm um drei Uhr nachts im luftigen Hemd und barfüßig fröhlich durch den dunklen Wald laufen oder ihm zumindest Schokolade geben. Das mache ich natürlich nicht. Er hat Zahnstein und zugenommen, da muss ich streng sein, zudem habe ich um diese Zeit keine Lust, halbnackt mit ihm zu wandern und zu frieren. Angst hätte ich nicht. Ich bin böse und stark. Vielleicht auch nur bedingt, aber ich brauche Abwechslung und Rache.

Mein Hund glotzt mich doof und misstrauisch an, die Ohren herunter geklappt, kein Schwanzwedeln, weil ich keife: "Ich töte euch. Alle."

Vermutlich denkt er, so schräg, wie er immer denkt, ich hätte es auch auf ihn abgesehen, er ist eine Schissbuxe, beim geringsten Lärm schwant ihm, jetzt gleich und auf der Stelle abgeknallt zu werden. Also reibe ich ihm den Schlaf aus den schwarzen Augen und gebe ihm Lakritz und gefüllte Oliven, ich will ihn beruhigen, er ist nicht mein Opfer. Inkonsequent bin ich, aber er guckt hungrig und traurig. Und ich will morden.

Ich sitze hier, rauche, trinke Rotwein, bin wütend und trotzdem recht erheitert, es ist verflucht spät, und meine Liste steht.

Namen verrate ich nicht.

Da ist eine ehemalige Freundin, die mir den Spaß an Gemeinsamkeit versaut hat, die ist dran. Ich werde ihr die fetten Brüste abschneiden, das tut mit Sicherheit weh, und dann die freche laute Zunge herausreißen, bevor ich ihr gnädig die Kehle durchtrenne.

Das mache ich.

Der Ex meiner Schwester wird definitiv einige Schmerzen haben. Ich pack mir seine Eier, die halte ich kurz in meinen Händen, dann rupfe ich sie ihm ab, ich habe Kraft, und werfe sie in sein bescheuertes Aquarium. Die Fische glotzen und knabbern, er schreit, weil ich ihm die Finger abhacke, ich bin ungerührt, zudem ist er gefesselt, der Idiot, was lässt der auch mit sich machen, war mal geil auf mich, jetzt wohl nicht mehr. Ich steche ihm in den Bauch und in die Lunge, habe ein prima Messer dabei, so langsam wird er wohl krepieren.

Dieses Arschgesicht von Nachbar verbrenne ich. Zugegeben, das ist unschön. Der ist sowieso ständig besoffen, da lege ich Feuer, der bekommt nichts mit und weg. Zahlt meinen Eltern keine Miete und posiert in Lederhosen und mit Brilli im Ohr.

Der Rest ist Schweigen. Mehr sage ich nicht.

Langweilig ist mir immer noch.

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