Haarige Geschichten
Kurzgeschichte - Haar, Haare, Frisur, Friseur, Haarfarben, blond, Blondine, Rothaarige, Glatze, Haarausfall, Bart, Rasur, Zöpfe, Locken, Dauerwellen ...

Unser Buchtipp

Abenteuer im Frisiersalon

Abenteuer im Frisiersalon
Hrsg. Ronald Henss
Dr. Ronald Henss Verlag
ISBN 978-3-9809336-0-5

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Dieser Text ist urheberrechtlich geschützt. Nachdruck und Vervielfältigungen, auch auszugsweise, bedürfen der schriftlichen Zustimmung des Autors.

Bart-Opfer

© Lisa Weichart

Manuel grinste schief sein Spiegelbild an. Nackt, verletzlich wirkte sein Gesicht ohne den schwarzen Schnauzbart nun, aber zweifelsohne jünger. Als sein Blick zum Waschbecken sank, war es sofort vorbei mit der aufkeimenden Zufriedenheit: Dort lagen die abrasierten Stoppeln gekrümmt und wertlos, unwiederbringlich sozusagen. Die Endgültigkeit seiner Rasur wurde ihm klar, er griff hastig zum Rasierwasser, um den inneren Schmerz mit äußerlichem Brennen zu überdecken. Der markant-frische Duft gab Manuel für einen Moment Energie und ließen sofort seine Sinne frühlingshaft werden. Zügig die Haare gekämmt, ins neue Hemd geschlüpft, stellte er fest, dass die Zeit nicht mehr zum Frühstücken reichte. Er nahm den Autoschlüssel, zog die Schuhe an und machte sich auf den Weg zu IHR. Wenn Elfi ihn jetzt immer noch nicht wollte, wüsste er nicht mehr, was er noch tun könnte. Sie hatte vor langer Zeit einmal beiläufig erwähnt, dass sie Bärte nicht besonders möge. Ganz nebenbei hatte sie es bemerkt, während ihre zauberhaften Rehaugen in die Ferne geblickt hatten, als suche sie dort nach dem Mann ihrer Träume. Manuel war so verliebt, dass seine Gedanken tausendmal am Tag und wohl noch öfter bei Nacht zu der Angebeteten wanderten wie eine Schar Lemminge: unaufhaltsam, nicht umzuleiten. Dabei spürte er sein Herz fest schlagen, denn es schien diese Gedanken direkt in den Bauch zu pumpen, ein Durcheinander in allen Organen erzeugend. Kein Hunger mehr, nur noch die Sehnsucht nach ihr und heiße Stiche in der Brust, wenn er sie wenigstens am Telefon hörte. Ihr war sicher genauso zumute und ihre Zurückweisung pure Koketterie, jawohl, so musste es sein. Seine bloßgelegte Oberlippe sollte das deutliche Signal sein: Er würde diesen Kuss bekommen.

An der roten Ampel sah Manuel in den Rückspiegel. Er hob ein wenig das Kinn, um sein neues Antlitz überprüfen zu können. "Verdammt!" entfuhr es ihm, als er die hummerfarbene, pustelige Rötung leuchten sah, die das Rasierwasser hatte aufblühen lassen, knalliger als das Verkehrslicht vor ihm. Es gab kein Zurück, Elfi erwartete ihm, hatte er doch vollmundig versprochen, ihre Schränke aufzubauen. Schweißgebadet fühlte er sich, als er mit wackligen Beinen und dem Werkzeugkoffer fünf Minuten später vor ihrer Wohnungstür stand.

Schritte, die Tür öffnet sich, Elfi unwirklich im halbdunklen Raum. Mit tief gesenktem, leicht abgewandtem Kopf folgt er ihr verschämt nach dem kurzen Gruß zu den bereitstehenden Möbelteilen. Wortkarg, innerlich zusammengezurrt wie mit Gummibändern, verrichtet er geschäftig die Arbeit. Kein Gedanke mehr an ihre Schönheit, nur noch blanke Angst vor dem Ausgelachtwerden, er spürt jetzt auch noch das Kratzen seiner Nasenhaare, als wären sie Stahlwolle, gut hörbares Schaben. Grauenvoll. Doch es kommt noch schlimmer: "Ich mache das Licht an, du siehst ja nichts!", hört er sie sagen und schon wird es hell. Manuel bildet instinktiv einen Schutzpanzer aus Schultern und breitem Rücken, seine Oberarme umgreifen kraftvoll das Holz, so wie er eigentlich diese Frau hätte halten wollen.

Er merkt nicht, dass Elfi neben ihm steht, darum ist sein Erschrecken echt, als sie ihn vorwurfsvoll anspricht: "Du schaust mich ja heute gar nicht an!" Unwirsch wirkt er nun, brummt Unverständliches, um sich hingebungsvoll über eine Schublage zu beugen. Überall fühlt er Haare, "gleich werde ich verrückt", kann er noch registrieren, doch es sind Elfis Locken, die da seine Wange streifen, als sie dem Unnahbaren einen zarten Kuss auf die Wange haucht.

Dieser Text ist urheberrechtlich geschützt. Nachdruck und Vervielfältigungen, auch auszugsweise, bedürfen der schriftlichen Zustimmung des Autors.

Eingereicht am
19. September 2007

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Ein haariges Lesevergnügen
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Hrsg. Ronald Henss
Dr. Ronald Henss Verlag
ISBN 978-3-9809336-0-5

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