Haarige Gedichte
Gedicht - Haar, Haare, Frisur, Friseur, Haarfarben, blond, Blondine, Rothaarige, Glatze, Haarausfall, Bart, Rasur, Zöpfe, Locken, Dauerwellen ...

Unser Buchtipp

Abenteuer im Frisiersalon

Abenteuer im Frisiersalon
Hrsg. Ronald Henss
Dr. Ronald Henss Verlag
ISBN 978-3-9809336-0-5

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Dein Friseurerlebnis

© Anke Regner

Mit deinen schönen Haaren
und freudigem Gebaren
kommst du in die Friseurtür rein
und glaubst, du wirst gemacht ganz fein.
Die Friseuse nimmt dich auch nett auf,
du nimmst sogar Wartezeit in Kauf,
denn sie frisiert noch einen Kunden,
hast auch 'ne Zeitschrift schon gefunden,
um die Wartezeit zu überbrücken
und dich lesend zu erquicken.
Darin gibt's allerlei zu lesen
von Prinzessinnen und anderen Wesen
aus der Glamour- und Glitzerwelt,
was ihnen unangenehm ist oder gefällt.

Du liest und träumst so vor dir hin,
in manchem suchst du einen Sinn
als du aufgerufen wirst
und plötzlich deinen Namen hörst.
Galant lässt du dich auf den angebotenen Frisierstuhl nieder
und siehst dich im großen Frisierspiegel unmissverständlich wieder.
Ehe du dich richtig ansehen und überlegen kannst,
wird schon mit dem Wasserhahn gepanscht.
Dein Kopf wird nach vorne niedergedrückt
und mit Haarwaschschaum bestückt.
Doch plötzlich - oje oh Graus -
die Augen brennen, laufen sie aus?
Du versuchst, zwei Zipfel des Handtuchs zu erwischen,
um dir die Augen auszuwischen.
Ein Glück, jetzt scheint es wieder zu gehen!
Klasse, jetzt kannst du wieder sehen!

"Wie soll es mit der Frisur denn sein?"
wirft die Friseuse mittendrin ein.
Du kannst noch lediglich erwähnen:
"Na erstmal blonde Strähnen…".
"Das geht doch nicht mit nassen Haaren,
das hätte ich doch vorher müssen erfahren!"
Und mit lautem Gedröhn
wird angeworfen wild der Föhn.
Deinen Kopf schwenkt sie hin und her,
die Luft ist heiß, das Getöse wird immer mehr.
Endlich ist Ruhe, der Föhn ist aus,
nun kämmt die Friseuse die Haare aus.
Die Haare sind vom Waschen völlig verfitzt,
der Kamm bleibt laufend hacken, du schwitzt.
Einige Haare müssen dran glauben,
die Nase juckt, du musst mal schnauben.

Dein trockener Kopf bekommt die Strähnchenhaube auf,
dann nimmst du wieder etliche Zieper in Kauf.
Die Friseuse versucht, deine Haare durch die Haubenlöcher zu ziehen,
am liebsten würdest du vor Schmerzen fliehen.
Sie zerrt und zottelt deine Haare heraus,
du wirst piepsig wie 'ne Maus.
Dann merkt auch sie etwas bang',
dass deine Haare für so eine Haube sind viel zu lang.
Ein wenig verkrampft und nicht mehr so munter
geht's mit der Kappe nun wieder runter.
So einfach ist das nicht zu machen,
dir ist auch gar nicht mehr zum Lachen.
Die Haare müssen ja wieder in die Löcher zurück,
das kostet erneut Haarausfall - Stück für Stück.

Kaum sind die Haare rausgezogen
wird dein Stuhl zur Seite geschoben.
"Mit Ihnen, das dauert jetzt viel zu lang",
meint sie, du guckst jetzt etwas bang.
"Sie müssen erstmal etwas warten,
ich muss mit einer anderen Kundin starten,
denn ihr Termin ist jetzt ran,
danach kommen Sie dann wieder dran."

Nun sitzt du da, noch nichts ist vollbracht,
um sechs warst du hier, jetzt ist es schon halb acht.
Wieder hast du zur Zeitüberbrückung eine Zeitschrift bekommen,
doch du kannst nichts mehr lesen, bist schon ganz benommen.
Die ältere Dame neben dir ist der Umwelt entschwunden,
du hast sie hier mit schnarchenden Geräuschen vorgefunden.
Auf ihrem Kopf sind Lockenwickler aufgebaut,
ihr Schnarchen übertönt die Trockenhaube ziemlich laut.
Sanft wird die Dame erschreckt,
denn sie wird nun aufgeweckt.
"Hallo, hören Sie mich Frau Krämmt,
Ihre Haare werden jetzt ausgekämmt!"
Du kannst es selbst erkennen,
die Haare dieser Kundin waren fast am Verbrennen,
einige sind abgebrochen,
denn sie sind knochentrocken.

"So meine Dame", du bist wieder dran,
die Friseuse möchte dir nun zeigen, was sie kann.
Etliche Stücken Silberpapier
gibt sie in die Hand nun dir.
Dein Kopf wird behände damit bestückt
und die Blondiercreme zusammengedrückt.
Der silberne Schopf sieht ja recht lustig aus,
hoffentlich kommt eine gescheite Frisur heraus!
Nun muss der Inhalt erstmal wirken,
man reicht dir einen Kaffee, einen Türken.
Ganz heiß wird unter den Frisierumhängen dir nun,
die Friseuse hat mit der älteren Dame noch ihr Tun.

Die Hitze steigt in dir empor,
sie quillt aus deiner Haut und den Sachen hervor.
Die Wärmehaube wirkt zusätzlich von oben.
Sie kann in deinem Kopf schön toben.
Du fühlst dich hier wie gefangen -
und kannst nur bangen -
und probieren,
rechtzeitig zur Toilette zu gelangen
und keine Strähne zu verlieren.
Letztendlich ist alles gut gegangen,
auch wenn du mit den Umhängen mal hast festgehangen.

Nun wird die Blondierung abgespült
und zu dem Ergebnis mal hingeschielt.
Zu sehen ist nun die ganze Pracht
als die Friseuse das Handtuch hat weggemacht.
Dir sind die Gesichtszüge entglitten,
die Haare haben etwas gelitten.
Alles, nur nicht blond ist zu sehen, sonst sämtliche Farben!
Wie sollst du die Schmach nur ertragen?
Die Friseuse sieht das so wild nicht,
sie will dich rücken ins rechte Licht.
"Warten Sie erstmal ab! Beim Schneiden -
wird sich alles noch entscheiden!
Mit tollem Stechschnitt und Fransen dran,
werden Sie staunen, was ich noch rausholen kann!"

Mit schönen langen Haaren bist du gekommen,
nun werden sie dir nach und nach genommen.
Mit raschem Schnitt und flotter Schere
geht nun weiter das Gemehre.
Strähne um Strähne wird rausgeschnitten,
aujeh, wie hast du gelitten!

Aus dicken Haaren werden nun dünne,
die feinen Härchen umgarnen dein Gesicht wie die Beinchen einer Spinne.
Die letzten Spinnenwebchen auf deinem Kopf werden mit Föhn und Bürste gerichtet.
Die Kopfhaut scheint durch, die Haare haben sich gelichtet.
"Wird aus der Kundin ein Weihnachtsengel gemacht?",
zeigt die Chefin auf dich und hat laut gedacht.
Du wolltest gerade etwas sagen,
da sprayt sie dich ein und zupft am Kragen.
"Ihre Kopfhaut ist ganz schön rot,
kaufen sie mal unser Kopfwasser, das tut Ihnen gut!
Weiterhin würde ich Ihnen raten zu diesem tollen Haarwaschmittel,
das kostet heute nur zwei Drittel.
Hier empfehlen wir Ihnen noch ein Gel, ganz toll,
es richtet die Haare und macht sie voll!"
"Na ja, ich kann's ja mal probieren,
das ist oft besser als zu studieren."
Der Spiegel wird hinten an dir vorbeigeleitet,
du bist auf alles vorbereitet.
Doch was du siehst,
das empfindest du viel mehr als fies.
Die Friseuse meint: "Ich weiß gar nicht, was Sie haben,
flotter Stechschnitt und harmonische Farben,
an Ihrem Anblick kann man sie erlaben!
Ihre Frisur, das ist doch der letzte Schrei!"
Du denkst: ‚Es ist nichts mehr zu retten, alles vorbei!'

Nun ist es an der Zeit -
das Haarmassaker zu bezahlen, bist du bereit?
Die Friseuse rechnet und rechnet, das Ergebnis wird dir vorgelegt,
die Summe hat dich fast weggefegt.
Du hältst dich noch schwankend an irgendwas fest,
die hohe Rechnung hat dir gegeben noch den Rest.
Ein Blumentopf und ein Glas müssen dran glauben,
unter Tränen musst du schnauben.

Mit einem Beutel teurer Produkte und zusammengeklappten Haaren
machst du dich auf den Weg", um nach Hause zu fahren.
Dort empfängt dich dein Mann: "Sie wünschen? Was darf's denn sein?
Ich lass' fremde Leute nicht herein."
Schließlich dämmert's ihm: "Wie siehst du denn aus?
Oh Schreck, oh Graus, wie 'ne abgefressene Maus!"
Das fehlt dir noch zu deinem Glück!
Du denkst an deine schönen Haare vor deinem Friseurgang zurück.
"Ich denke, du warst beim Friseur,
das sind doch keine Haare mehr!...
So teuer war es auch noch dazu?
Da gibt's vorläufig keine Taschen mehr und keine Schuh'!
So willst du bei meinem Chef zur Einladung erscheinen?
Ich könnte da nur weinen!
Du solltest dich mal selber seh'n,
nach dir wird sich kein Mann mehr den Kopf verdreh'n!"

Jetzt bist du erledigt, was soll nur werden?
Gibt's für deine Haare noch eine Rettung auf Erden?
Wenn dich noch jemand jemals auf den Friseur anspricht,
sagst du: "Nein danke, ich hab' schon! Mit mir nicht!"
oder
spielst du nicht bereits mit dem Gedanken dann und wann,
ob es ein anderer Friseur noch besser kann?

Eingereicht am
29. Dezember 2007

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Ein haariges Lesevergnügen


Eine Sammlung von "haarigen Geschichten" finden Sie in dem Buch, das aus unserem Wettbewerb "Abenteuer im Frisiersalon" hervorgegangen ist.

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