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Gekringelte Schönheit! (Das hatte ich dann davon ...)

© Gaby Schumacher


Ich war es leid. Den Blick in den Spiegel vermied ich möglichst. Weshalb denn? Nun, gegen meine in Sauerkrautzotteln hängenden Haare wirkten sogar Bobtailfransen noch hoch elegant. Ich entschied, es musste dringend etwas geschehen.
So marschierte ich denn zum Friseur, raffte all meinen Mut zusammen und erklärte: "Sie sehen ja, was los ist. Ich probier mal ne Dauerwelle!" Es sollte eine gaanz leichte Dauerwelle werden, denn ich hatte von Freundinnen erfahren, welche Überraschungen man mit dieser Verschönerungstechnik moderner Friseurkunst so erleben konnte.
Bevor es dann zur Sache ging, betonte ich sicherheitshalber nochmals: "Aber wirklich nur eine gaanz leichte!"
Meine Friseuse nickte verstehend und begab sich ans Werk.
Ich sass unter der Trockenhaube. Ich schloss die Augen. Mich quälten angstvolle Gedanken: "Wie das wohl endete? Könnte ich mich auf der Strasse hinterher überhaupt noch sehen lassen??"
Ich schaute erst wieder hin, als es hiess: "So fertig! Gefällt es Ihnen?"
Ein Handspiegel erlaubte mir die kritische Begutachtung meiner Rückseite. Irgendwie erschien mir das Ganze suspekt. Ich hatte den ganzen Kopf voller entzückender Kringel, dicht an dicht. "Du siehst aus wie ein Mopp!" "Ääh..!", machte ich nur. Da aber sowieso alles gelaufen war, verkniff ich mir jede weitere Bemerkung.
"Wenn Sie eine Nacht drauf geschlafen haben, sieht das schon ganz anders aus!", tröstete meine Haarexpertin.
Draussen regnete es. Das ideale Wetter für Dauerwellenträger. Ich spürte es förmlich, wie sämtliche Kringelchen sich putzmunter noch mehr kringelten, sich aufstellten zu einer Perücke aus dem Mittelalter.
Ich nahm mir vor, trotz dieses Machwerkes aufrechter Haltung und fröhlichster Stimme meinem vierfachen weiblichen(!) Nachwuchs entgegen zu treten. Schliesslich hatte man heiteren Gemütes zu sein, wenn man vom Friseur kam.
Zuhause marschierte ich in die Küche. Es hätte mich gewundert, wenn es anders gekommen wäre: Der Papa meiner Kinder warf einen kurzen Blick auf mich und zog es klugerweise vor, sich nicht dazu zu äussern. Kinder im Pubertätsalter dagegen agieren da leider gnadenlos.
Der vernichtende Ausspruch kam natürlich von meiner Zweitältesten, 17 Jahre jung und von Dauerwellen so weit entfernt wie Nord- und Südpol voneinander: "Mama, bist`e an eine Steckdose geraten??"
Meine Antwort: "Da siehst du mal, wie gut die hier im Hause funktionieren!"
Stille!!!



Eingereicht am 25. Mai 2006.
Herzlichen Dank an die Autorin / den Autor.
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