Haarige Geschichten
Kurzgeschichte - Haar, Haare, Frisur, Friseur, Haarfarben, blond, Blondine, Rothaarige, Glatze, Haarausfall, Bart, Rasur, Zöpfe, Locken, Dauerwellen ...

Unser Buchtipp

Abenteuer im Frisiersalon

Abenteuer im Frisiersalon
Hrsg. Ronald Henss
Dr. Ronald Henss Verlag
ISBN 978-3-9809336-0-5

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Dieser Text ist urheberrechtlich geschützt. Nachdruck und Vervielfältigungen, auch auszugsweise, bedürfen der schriftlichen Zustimmung des Autors.

Wie immer

© Mario Zollitsch

Wie gewohnt lies sie sich auf ihrem Platz, der sich linkerhand der Kasse befand, nieder. Wie jeden anderen Monat auch, waren die gemütlichen, mit schwarzem Leder bezogenen Stühle neben ihr leer. Im Spiegel vor ihr konnte sie Frank beobachten, wie er ihr das schlichte Tuch, welches einem riesigen Lätzchen glich, über ihren Oberkörper um den Hals legte und hinter ihrem Kopf zusammenband. Frank sah sie durch den Spiegel an und fragte: "Wie immer?". Angelique nickte und er spritze ihr Haar mit Wasser ein und erkundigte sich nach ihrem Mann. Angelique seufzte und musste an den Streit des gestrigen Abends denken. "Ich glaube, er betrügt mich", gab sie als Antwort. Frank hob seine buschigen Brauen und kämmte nebenbei ihre Haare glatt. "Ich weiß es nicht sicher, doch er benimmt sich so merkwürdig in letzter Zeit", setzte sie fort. Frank schnitt nun die ersten Haare ab, etwa 2cm, nur die Spitzen, so, wie Angelique es immer wollte. Dabei fragte er: "Merkwürdig?" "Ja…", antwortete sie, "er ist ständig mit der Arbeit beschäftigt. Das behauptet er zumindest. Er kommt jeden Abend später nach Hause als normal, muss auch am Wochenende abends in die Firma, weil er dort angeblich ein Projekt zu erledigen habe. Außerdem isst er nichts mehr und Sex hatten wir in letzter Zeit auch keinen. Und das ist doch schon alles sehr auffällig, oder nicht?" Sie starrte erwartungsvoll durch den Wandspiegel, um ihm in die Augen zu sehen. Doch Frank fixierte seinen Blick auf die Haare und die Schere, um sich nicht zu verschneiden, damit er seien Kundin zufrieden nach Hause schicken kann. Als Antwort auf ihre Frage hob er nur seine Schultern. "Wenn es keine Geliebte ist, was dann? Diese ganzen Anzeichen…. Er meinte natürlich, dass es der Stress ist, doch ich kenne ihn zu gut, um ihm glauben zu können. Ich habe ihn natürlich darauf angesprochen, doch er streitet alles ab. Er ist sogar richtig wütend geworden, dass ich meinen Verdacht geäußert habe. Und wenn ich nicht recht hätte, müsste er sich doch auch nicht so aufregen, oder? Ich habe wirklich schon über eine Scheidung nachgedacht", erzählte sie weiter. Nun schaute Frank auf und hielt kurz mit der Arbeit inne. Er erinnerte sich an die früheren Gespräche, in denen Angelique immer von ihrer harmonischen Ehe geschwärmt hatte und bemerkte: "Aber bisher lief doch alles gut." Angeliques Augen glänzten kurz vor Verlegenheit auf, denn sie musste ihre Gedanken Ordnen. Währenddessen setzte Frank seine Arbeit fort. Dann begann sie langsam: "Ja, bisher lief eigentlich alles gut … Ich dachte immer, dass es die große Liebe ist. Wir sind nun seit über zwei Jahren verheiratet, und auch davor kannten wir uns schon fast drei Jahre… Ich kenne keine Beziehung, die so gut gelaufen ist, wie unsere bisher. Doch dass er mich jetzt derartig hintergeht, kann ich nicht verstehen." Frank begann nun, die Haare, welche schon tief in die Stirn ragte, zu kürzen. Nebenbei wandte er jedoch ein: "Aber sie wissen doch gar nicht sicher, ob er sie hintergeht. Handeln sie nicht etwas voreilig, wenn sie jetzt an Scheidung denken?" Auch darüber dachte Angelique nach. Natürlich hatte sie ihren Mann nie dabei erwischt, wie er sie betrog. Auch gab es keine richtigen Beweise für eine Affäre. Kein Lippenstift an den Hemden, keine Liebesbriefe, keine Geschenke und auch keine Anrufe oder SMS auf seinem Handy. Aber das Verhalten war doch aussagekräftig genug, oder etwa nicht? Nun war sie etwas verunsichert und schwieg. Frank konnte an ihren Augen ablesen, dass sie ihre Meinung nun nochmals überdenkt. Er lies sich mit den letzten paar Schnitten Zeit und fragte dann beiläufig: "Ist alles in Ordnung?" Angelique nickte ihm durch den Spiegel zu und sagte dann entschlossen: "Ich werde noch mal mit ihm reden. Vielleicht bilde ich es mir doch nur ein" Frank lächelte zufrieden und nahm ihr das übergroße Lätzchen wieder ab. Nachdem er ihr mit einer Bürste die Haare aus dem Nacken gekehrt hatte, stand sie auf und zahlte wie üblich. Außer "Auf Wiedersehen" sprachen sie nicht mehr zueinander. Zumindest bis die Haare und Probleme wieder länger und größer erschienen und Angelique beschloss, wieder zum Frisör zu müssen.

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Eingereicht am
12. November 2007

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Ein haariges Lesevergnügen


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Hrsg. Ronald Henss
Dr. Ronald Henss Verlag
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