Haarige Geschichten
Kurzgeschichte - Haar, Haare, Frisur, Friseur, Haarfarben, blond, Blondine, Rothaarige, Glatze, Haarausfall, Bart, Rasur, Zöpfe, Locken, Dauerwellen ...

Unser Buchtipp

Abenteuer im Frisiersalon

Abenteuer im Frisiersalon
Hrsg. Ronald Henss
Dr. Ronald Henss Verlag
ISBN 978-3-9809336-0-5

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Ein kleiner Nebenverdienst

© Irmgard Dietz

Susanna Kallenbach betrat einen Raum nicht einfach so. Sie rauschte gleichsam herein. Als Schauspielerin verstand sie sich darauf, aus jedem Erscheinen einen großen Auftritt zu machen, und so zog sie auch jetzt die Blicke aller Anwesenden auf sich, als sie den Salon François betrat. Zwar war man hier an Prominente gewöhnt - nicht wenige der Kunden und Kundinnen zählten sich zu diesem Personenkreis -, aber Susanna war etwas ganz Besonderes, ein Eckpfeiler der hiesigen Schickeria. Sie war derzeit in Film und Fernsehen sehr gefragt und lieferte ständig Schlagzeilen für die Klatschpresse.

François eilte auch sofort geschäftig auf sie zu. "Mademoiselle Susanna", flötete er entzückt, während Küsschen rechts, Küsschen links ausgetauscht wurden. "Wie schön, Sie 'eute wiederzusehen!" Er geleitete sie zu einem Frisierplatz und hob eine Strähne ihrer dunklen Haare, um die Spannung zu prüfen. Zufrieden ließ er sie wieder zurückfallen. "Was für eine Qualität, meine Liebe", schmeichelte er. "Wenn alle Frauen, die 'ierher kommen, solch prachtvolles Haar 'ätten, könnte ich meinen Salon schließen."

Rosi, die gerade bei der Frau des Bürgermeisters Farbe auftrug, fand sein Getue übertrieben. Auch sein französischer Akzent, den er hegte und pflegte und nach Belieben ein- und ausschaltete, ging ihr manchmal auf die Nerven. Jeder wusste doch, dass er schlicht und einfach Franz hieß - auch wenn da wohl ein elsässischer Großvater war, auf den hinzuweisen er nicht müde wurde. Egal, Susanna schien es zu gefallen, und das war gut fürs Geschäft.

Neben ihr fegte Tina, das Lehrmädchen, Haare zusammen. Sie bückte sich, um unter den Paneelen ebenfalls sauber zu machen, und dabei blieb Rosi nicht verborgen, dass sie schon wieder eine nagelneue Jeans anhatte - eins der Edelmodelle, die man nur in den teuersten Läden im Stadtzentrum bekam. Rosi hatte sich schon öfter Gedanken gemacht, wie Tina sich diese Designer-Klamotten leisten konnte. Sie selbst hätte dafür kein Geld übrig gehabt. So gut verdiente sie nicht, und das Leben in der Großstadt war kostspielig, auch wenn man in einer der unattraktiven Vorstädte wohnte. Dagegen Tina - noch keine 20 Jahre alt, und sie schien im Geld zu schwimmen. Auch François war es schon aufgefallen.

Einmal hatte sie mitbekommen, wie er Tina auf ihren Halsschmuck angesprochen hatte. Ein silbernes Band mit einem Diamanten als Schließe. Sehr schlicht, aber gerade dadurch als teuer erkennbar. "Es ist nur eine Nachbildung aus Glas", sagte Tina.

"Und dein Sportwagen da draußen", konterte François, "ist der auch nur eine Nachbildung aus Glas?"

Offenbar schien es ihm unpassend, dass die Statussymbole der Lehrmädchen eindrucksvoller waren als die der Kundinnen, aber verbieten konnte er ihr den Schmuck natürlich nicht. "Sind das Geschenke? Ich will nicht hoffen, dass du was mit einem unserer Kunden angefangen hast."

"Und wenn es so wäre? Das wär doch wohl meine Privatsache."

"Ist es nicht. Ich empfehl dir, mal in deinen Arbeitsvertrag zu sehen - keine privaten Kontakte zu Kunden! Sonst kann ich dir fristlos kündigen."

"Ich hab kein Verhältnis mit einem Kunden. Meine Eltern unterstützen mich, sie sind sehr großzügig."

Rosi wusste, dass sie log. Ihr Vater war früh gestorben, und ihre Mutter hatte sie kennengelernt, als diese ihre Tochter mal im Salon abgeholt hatte. Sie lebte von ihrer Witwenrente und ihrer Arbeit als Putzfrau.

Einmal hatte sich die Gelegenheit ergeben, Tina direkt zu fragen. "Ich habe einen kleinen Nebenverdienst", hatte sie erklärt. Rosi, die sich bereits für die erste neugierige Frage schämte, hatte nicht weiter nachgehakt, und Tina hatte es bei diesem Hinweis belassen.

Ein reicher Freund natürlich, dachte Rosi. Oder gar mehrere? Möglicherweise arbeitete sie abends als Callgirl, wie peinlich.

Natürlich redete man nicht über diese Art Nebenjob. Aber es mussten schon sehr reiche Männer sein, nach Tinas Lebensstil zu urteilen. Sie sah ja auch recht gut aus, keine Frage.

"Wie bitte?" Frau Bürgermeister hatte etwas gefragt, aber Rosi war unkonzentriert gewesen und hatte es nicht gehört. "Ob Sie was Neues erfahren haben über Erika Sendlinger." Erika Sendlinger war ebenfalls Stammkundin bei François. Sie war die Klatschreporterin, die einmal pro Woche ihre Kolumne im Kurier veröffentlichte und über jeden herzog, der sich gerade in der Möchtegern-Prominenz hervortat. Seit drei Wochen lag sie im Koma, keiner wusste wieso, und keiner wusste, ob sich ihr Zustand noch bessern würde.

"Nein", entgegnete Rosi. "Wir wissen auch nichts anderes, als das, was in der Zeitung steht."

"Wirklich schlimm, die Sache."

Erika Sendlinger hatte erst vor kurzem boshafte Kommentare über Susanna Kallenbach geschrieben. Sie mochte sie nicht, das war bekannt.

Und als der Shakespeare-Fernsehfilm ausgestrahlt wurde, in dem sie die Julia spielte, hatte Erika ihr Gift ungezügelt verspritzt. Jetzt sei die einmalige Gelegenheit herauszufinden, wer die Shakespeare-Stücke wirklich geschrieben habe. Man müsse nur die Gräber der verdächtigen Personen öffnen - wer sich in der Nacht umgedreht habe, sei es mit Sicherheit. Susanna hatte ihr das verständlicherweise sehr übel genommen.

Aber sie schien wirklich eine gute Schauspielerin zu sein. Rosi bewunderte ihr Talent, als sie sich nun in das Gespräch mischte: "Sie kann einem leid tun. So aus dem Leben gerissen zu werden."

"Sie hat aber sehr schlecht über Sie geschrieben", bemerkte Frau Bürgermeister sensationsgierig.

Susanna lächelte herablassend. "Was soll's, heute trifft es den einen, morgen den anderen. In diesem Geschäft muss man sich daran gewöhnen, dass man nicht mit Samthandschuhen angefasst wird. Wir waren nicht gerade Freundinnen, aber sie hat ihren Job immer gut gemacht."

Rosi wunderte sich über die großzügige Bemerkung. So viel Mitgefühl hatte sie Susanna gar nicht zugetraut. Und natürlich hatte sie recht. Wer heute ganz oben war, konnte morgen ein Niemand sein - nirgends machte das Ende einer Karriere schneller die Runde als hier im Salon.

Allzu oft in letzter Zeit, fand Rosi.

Die Tür zur Straße öffnete sich und Iris Morena trat ein. Schön und elegant wie immer, als wäre sie einem Hochglanzmagazin entstiegen. Sie war eine echte Rothaarige, jedem bekannt durch ihren kometengleichen Aufstieg im Filmgeschäft. Sie trug einen schicken Hosenanzug in ihrer Lieblingsfarbe Graugrün und bewegte sich mit der Grazie einer Ballerina zum Tresen.

Rosi überlegte gerade, ob sie ihre Arbeit für eine Begrüßung unterbrechen oder ob sie abwarten sollte, bis François das selbst übernahm. Dann aber blieb ihr fast das Herz stehen: das war der Alptraum, der Super-GAU, denn dort saß Susanna!

Iris hatte sie im selben Moment entdeckt, und als ob die andere etwas gespürt hätte, drehte sie sich um. Beide Frauen starrten sich an und durchbohrten sich gegenseitig mit tödlichen Blicken. Das Unheilvolle der Situation erfasste schlagartig den ganzen Raum, und alle realisierten, dass sich hier eine Katastrophe anbahnte. Jedes Gespräch erstarb, alle Köpfe wandten sich den beiden Frauen zu. Sogar das Dauergeräusch der Trockner schien zu verstummen. Man hätte die sprichwörtliche Stecknadel fallen hören können.

Dann, nach ewigen Sekunden, reckte Iris entschlossen das Kinn in die Höhe und schritt betont hoheitsvoll zum nächstliegenden freien Platz.

"Wäre es vielleicht möglich", sagte sie mit ihrer glockenhellen, ausgebildeten Stimme, "dass sich jemand um meine Frisur kümmert?"

Es dauerte keine fünf Minuten, und François kam wutschnaubend ins Nebenzimmer gestürmt. "Wer von euch Vollidioten hat ihr den verdammten Termin gegeben?" Er brauchte sich nicht lange umzusehen. Matthias, der gerade Mahagoni-Violett anrührte, stammelte kreideweiß: "Sie hat gesagt, es sei furchtbar dringend ..."

François schien sich zurückhalten zu müssen, um ihn nicht zu ohrfeigen. "Du bist wohl von allen guten Geistern verlassen!" schrie er. "Es ist nicht zu fassen. Wenn man nicht alles selber macht! Mein Gott, einen Moment lang hab ich geglaubt, sie gehen sich gegenseitig an die Gurgel!" Dann wandte er sich an Tina. "Du übernimmst die Haarwäsche. Frag sie wegen einer Intensivkur. Ich komm dann nachher zum Schneiden."

Tina ging an die Arbeit und wusch Iris die Haare. Sie massierte ihr auch die Kopfhaut, bis sie wohlig aufstöhnte. Rosi war mit dem Färben fertig und sah zu den beiden hinüber. Sie wusste, dass es einige Kundinnen gab, die man niemals - niemals! - zur gleichen Zeit bestellen durfte. Im Salon war fast allen klar, welche Rivalitäten und Antipathien beachtet werden mussten. Hier war es die Tatsache, dass beide Schauspielerinnen für einen aufwändigen TV-Mehrteiler zur Wahl standen. Thema des Films war die Zeit Napoleons, und es war noch nicht sicher, welche von beiden die Josephine spielen durfte. Nach Rosis Meinung hatte Iris die besseren Karten. Sie war jünger und unverbrauchter als Susanna. Und sie schlief mit dem Produzenten.

Dass François sich so aufregte, war kein Wunder. Sein Salon war zwar derzeit angesagt, aber das konnte sich schnell ändern, wenn die wichtigen Kunden samt Freundeskreis wegblieben und wenn sie vielleicht sogar - nach einer Szene wie gerade eben - geschäftsschädigende Äußerungen in Umlauf brachten. Das Insiderwissen eines Friseursalons war nicht zu unterschätzen, aber es konnte sowohl Aufstieg als auch Fall des Betriebs zur Folge haben.

Gott sei Dank war heute Samstag. Rosi hatte nur noch ein paar Stunden Sklavenarbeit vor sich, dann konnte sie diesen stressigen Ort hinter sich lassen und in ihrer Wohnung faulenzen. Sie würde ihre Lieblings-CDs hören, eine Flasche Wein aufmachen, vielleicht an ihre Freundin in Stockholm schreiben. Sie war ein sehr häuslicher Mensch, was auch ihren Finanzen zugute kam

Es war schon spät am Abend, als sie noch einmal aus dem Haus ging, um den Brief einzuwerfen. Die Dunkelheit verbarg zum großen Teil die Schäbigkeit der Umgebung, und ein leichter Wind fächelte ihr das Gesicht. Rosi empfand die frische Luft als so anregend, dass sie Lust auf einen kleinen Nachtspaziergang bekam und den Weg zum Fluss einschlug. Hier gab es keine repräsentativen Parkanlagen wie in der Innenstadt, sondern nur Industrie- und Gewerbebauten, zwischen denen es abends menschenleer war. Normalerweise wurden solche Gegenden von Frauen gemieden. Aber hier passierte eigentlich nie etwas, und so verspürte Rosi auch keine Angst, als sie Minuten später den Fluss erreichte.

Ein Sportwagen überholte sie. Als er weiter vorn am Straßenrand parkte, erkannte sie mit Erstaunen Tinas roten Fiat Barchetta. Da stieg sie auch schon aus und eilte, ohne dass sie Rosi bemerkte, zu dem Fußweg hinunter, der am Wasser entlang lief. Was machte Tina hier?

Sie wohnte doch ganz woanders! Rosi konnte sich keinen Reim drauf machen. Schließlich gab es hier auch niemand zu besuchen, sondern nur Bäume und Gebüsch, und wenn sie einen reichen Freier treffen wollte, war das auch nicht gerade der passende Ort.

Rosi war neugierig. Vielleicht konnte sie heute endlich herausfinden, wie Tina zu ihrem Nebenverdienst kam. Ob sie in einem der Industriegebäude verabredet war? Vielleicht mit einem der Chefs, der in sein Büro ausweichen musste, weil er zuhause eine Ehefrau hatte? Es wäre interessant zu wissen, wer so viel Geld in Tina investierte. Rosi folgte ihr vorsichtig im schwachen Licht der entfernten Straßenlaternen, immer auf ausreichend Abstand bedacht. Sie war froh, dass sie ihre Turnschuhe anhatte und ihre Schritte kaum ein Geräusch machten. Sie war nicht scharf darauf, entdeckt zu werden.

Der Weg führte nach ein paar hundert Metern zu dem immer etwas schmuddeligen Platz, wo manchmal ein Zirkus sein Zelt aufschlug und auch sonst allerlei fahrendes Volk kampierte. Ein Feuer flackerte durch die Büsche, und leises monotones Trommeln vermischte sich mit dem Rauschen der Wasserstrudel. Rosi bemerkte, dass mehrere Personen im Halbkreis auf dem Boden saßen. Sie murmelten Unverständliches in einer Art Sprechgesang und hatten ihre Aufmerksamkeit auf die Flammen gerichtet.

Rosi pirschte sich näher heran, wobei sie sorgfältig darauf achtete, dass sie von einem Strauch verdeckt wurde. Tina stand jetzt dicht vor ihr, sie hätte sie mit der ausgestreckten Hand berühren können. Sie betete, dass sie jetzt weder husten noch niesen musste. Eine zweite Gestalt tauchte auf, zuerst nur als dunkler Schatten vor dem Feuerschein. Sie erkannte sie dennoch sofort: Susanna.

"Warum kommst du erst jetzt? Es ist höchste Zeit!"

"Ich konnte nicht früher, da war noch ein Anruf, den ich ..."

"Egal jetzt. Hast du alles?"

"Ja." Tina zog eine durchsichtige Plastiktüte aus der Manteltasche, eine von der Sorte, in der man am Flughafen Cremes und Flüssigkeiten unterbrachte.

"Beeil dich." Susanna knipste eine Taschenlampe an, dann hielt sie ihr eine flache Schale entgegen. Tina öffnete den Verschluss und ließ abgeschnittene Haare in den Behälter rieseln. Trotz der unzureichenden Beleuchtung konnte Rosi genau sehen, dass es rote Haare waren. Sehr bekannte Haare. Die Haare von Iris Morena.

Sie hielt den Atem an. Oh Gott, wenn sie sie entdeckten! Wie hätte sie ihre Anwesenheit erklären können? Denn natürlich war ihr klar, dass hier etwas vor sich ging, was nicht für die Öffentlichkeit bestimmt war. Etwas Verdächtiges, vielleicht sogar Gefährliches. Jetzt bereute sie, dass sie Tina nachspioniert hatte. Das alles ging sie ja nun wirklich nichts an. Wie war sie nur auf diese abwegige Idee verfallen?

Wie um Himmels willen kam sie hier wieder weg? Dann zwang sie sich zur Besonnenheit. Wahrscheinlich war es am besten, wenn sie sich erst mal absolut ruhig verhielt.

Die beiden waren jetzt ohnehin beschäftigt. Susanna hatte sich auf den Boden gesetzt, sie knetete etwas in der Schale. Nach einer Weile präsentierte sie Tina das Ergebnis und sagte: "So könnte es gehen. Viel ähnlicher krieg ich es nicht hin." Es war eine Figur aus Lehm, vielleicht fünfzehn Zentimeter lang, und unschwer als das Abbild einer Frau zu erkennen. Tina nahm ein paar der längeren Haarabschnitte, drückte sie am Kopf der Figur fest und wickelte ein Stück graugrünen Stoff um den Körper "Man muss den Namen aussprechen", flüsterte sie.

Susanna nickte. "I - r - i - s", raunte sie beschwörend. Dann ergriff sie die drei Haarnadeln, die Tina mitgebracht hatte, und stach sie mit sicheren Bewegungen in den aus Lehm geformten Leib.

Drüben am Feuer kamen die Trommelschläge jetzt schneller, auch der Gesang steigerte sich in Tempo und Lautstärke. Susanna ging hinüber und verschmolz mit der Gruppe. Einer der Männer hielt plötzlich einen lebenden Hahn in den Händen, packte ihn an den Beinen und wirbelte ihn ein paarmal im Kreis. Dann ließ er ihn in eine mit Kreidestaub umrissene Fläche auf dem Boden gleiten, wo er ruhig liegen blieb. Die Schneide einer Axt blitzte im Feuerschein, ein dumpfer Schlag. Blut spritzte. Die Trommel schwieg. Rosi schloss angewidert die Augen und wandte sich ab.

Sie wusste später nicht mehr zu sagen, wie sie nach Hause gekommen war. Sie wusste nur noch, dass sie den Weg entlang gehetzt war und dabei versucht hatte, das Gesehene zu interpretieren. Nach einer Weile war ihr alles klar geworden. Iris würde die Rolle der Josephine nicht spielen. Sie würde wegen einer plötzlichen Erkrankung vorerst überhaupt keine Rolle annehmen können. Und wer weiß, dachte Rosi, vielleicht überhaupt nie mehr?

Als sie sich dann etwas beruhigt hatte, war ihr aber noch ein anderer Gedanke gekommen. Ganz heimlich hatte er sich eingeschlichen. Keimte zuerst ganz harmlos, wuchs aber zusehends, bis er sich in ihrem Kopf fest bohrte und sich nicht mehr abschütteln ließ.

Dieses Erlebnis, so erschreckend es auch auf sie gewirkt hatte, war womöglich für ihr eigenes Leben von Bedeutung. Ihr wurde fast schwindlig, als sie sich die neuen Möglichkeiten ausmalte - Edelklamotten, Sportwagen, Luxus pur ... warum sollten all diese Dinge nur für Tina reserviert sein? Wie auch immer, an wichtigen Entscheidungen führte kein Weg vorbei. Rosi überlegte hin und her, wog ab, verscheuchte Gewissensbisse und fasste schließlich einen Entschluss. Warum eigentlich nicht, dachte sie. Es war ihr Leben und ihre Zukunft.

Sie wusste jetzt, was sie tun würde - bei François kündigen und sich gleichzeitig nach der richtigen neuen Stelle umsehen. In anderen Städten gab es ebenfalls Prominentenfriseure mit Kundinnen, die sich nicht grün waren. Die ab und zu einen Haarschnitt benötigten. Sie würde dort neu anfangen - mit Haarewaschen und Bodenkehren.

Schließlich war ein kleiner Nebenverdienst nicht zu verachten.

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Eingereicht am
28. November 2007

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Ein haariges Lesevergnügen


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