Haarige Geschichten
Kurzgeschichte - Haar, Haare, Frisur, Friseur, Haarfarben, blond, Blondine, Rothaarige, Glatze, Haarausfall, Bart, Rasur, Zöpfe, Locken, Dauerwellen ...

Unser Buchtipp

Abenteuer im Frisiersalon

Abenteuer im Frisiersalon
Hrsg. Ronald Henss
Dr. Ronald Henss Verlag
ISBN 978-3-9809336-0-5

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Dieser Text ist urheberrechtlich geschützt. Nachdruck und Vervielfältigungen, auch auszugsweise, bedürfen der schriftlichen Zustimmung des Autors.

Mein kleiner Engel

© Clara Leander

Die Flüssigkeit brannte auf ihrer Kopfhaut wie tausend Nadelstiche. Der Geruch stach in der Nase. Liebevoll strich er ihr eine Strähne aus der Stirn. "Bald ist es geschafft. Es wird wunderbar", sagte er zärtlich. Sie wurde starr. Seine Stimme kam immer näher. Schon spürte sie seinen Atem an ihrer Wange entlang streichen.

Wie Feuer rann es ihr denn Nacken herunter. Er machte sich daran es einzumassieren. Dabei redete er leise auf sie ein. Ihr Kiefer begann zu schmerzen. Irgendwo mussten Kerzen brennen, denn der stechende Geruch war von einem Duft nach Bienenwachs durchmischt. Es erinnerte sie an Weihnachten.

Er war vorsichtig aber gründlich. "Bald, mein Liebes, bald." Vor sich hin summend entfernte er sich einige Meter und nahm auf einem Stuhl Platz. Das Holz knarrte unter seinem Gewicht.

Es war kalt. Ihre Hände lagen fast steif gefroren auf den Armlehnen, die Handgelenke schmerzten. Bei jeder Bewegung raschelte der Stoff und er sagte ihr jedes Mal nachdrücklich, sie solle still sitzen. Es fühlte sich an als würden Stunden vergehen und sie bildete sich ein eine Uhr ticken zu hören.

Seine Hände fühlten sich eisig an und feucht, als er sie berührte. "Lehn dich ein wenig zurück." Sein Griff war hart. Das Wasser kühlte den Kopf für einige Sekunden. Es lief ihr in kleinen Rinnsalen den Rücken hinunter. "So, mein Engel", sagte er feierlich.

Das Licht der Kerzen war nur spärlich und doch stach es ihr in die Augen, als er das Tuch abnahm. Langsam schärfte sich ihr Blick. Vor ihr saß eine Frau. Ungläubig starrte sie sie an, die Frau starrte zurück. Als sie die Hand hob tat die Frau es ihr nach. Ihr Haar war blond.

"Gefällt es dir, meine Hübsche?", fragte er.

Sie schrie. Panik und Verzweiflung machten sich Luft.

"Schschschsch, ist ja gut", er strich ihr über die Wange. Ein verklärtes Lächeln spielte um seine Mundwinkel. Ihre Stimme versagte. Sie konnte ihn nur noch anstarren, während ihr Herz raste und ihr der Kopf schwirrte. Er spürte ihren Blick. Langsam verschwand das Lächeln und es meißelte sich Zorn in die Züge seines Gesichts.

"Hässlich bist du", fuhr er sie plötzlich an. Mit einem Ruck drehte er sie zu sich um. Er schrie und tobte. Er riss den Stoff herunter, zerfetzte ihre Bluse und ihr Hemd. "Nichts als ein verlogenes Biest bist du!", schrie er und schlug ihr ins Gesicht. Die Abdrücke zeichneten sich rot auf ihrer weißen Haut ab.

Er nahm die Schere und schnitt achtlos die Lederriemen an ihren Handgelenken durch. Blut sickerte aus den Wunden. "Du Drecksstück!" Er packte sie und warf sie zu Boden. Sie schlug hart auf.

Mit der Schere trennte er ihre Leinenhose auf und band damit ihre Füße an einem massiven Schrank fest. Sein Blick wanderte angeekelt an ihr herauf. Ohne auf ihr leises Wimmern zu achten, zog er ihren Kopf an den Haaren hoch. Sie spürte das kalte Metall an der Haut. Die Augen hielt sie fest geschlossen. Sie zitterte. Vor Kälte und vor Angst.

Das Klappern der Schere war ihr so bekannt, dass es fast tröstlich war. Haar um Haar fiel, wie die letzten Blätter im Herbst, die nur noch kahle Äste zurücklassen. Er war wieder ganz ruhig geworden. Sprach leise mit ihr.

"Bald bist du wieder frei", sagte er und sie schöpfte ein wenig Hoffnung. "Wie ein Vogel. Engel kommen als Menschen, manchmal auch als Vogel. Ich füttere sie dann. Befreie sie. Mein blonder Engel, meine kleine Marie." Das Metall blitzte silbrig im Kerzenlicht. Seine Augen bekamen einen bizarren Glanz. "Manchmal kommen sie zurück. Sehen nur ein bisschen anders aus. Aber ich werde sie erkennen. Es war doch ein Versehen. Sie war noch zu klein. Sie konnte es doch. Ich sollte nur ein wenig aufpassen, haben sie gesagt. Ich bin doch der ältere. Es war so friedlich. Ganz still und gar nicht tief, fast nur eine Pfütze. Sie war doch mein kleiner Engel …" Seine Stimme erstarb, als er sie wieder bemerkte. Sie hatte versucht, die Fesseln am Fuß durch sachte Bewegungen zu lockern. Er berührte ihr Gesicht. Fuhr mit seinen knochigen Fingern die Konturen nach. Stirn, Nase, Mund, Kinn. Den Hals entlang. Sein Atem wurde schneller und schlug ihr erneut feucht ins Gesicht.

Seine Hände zitterten ein wenig, als sich vorsichtig um ihren Hals legten. Wieder lächelte er. "Ich befreie dich." Ihre Haut war schon ganz ausgekühlt, aber er spürte ihren bebenden Puls unter seinen Fingern. Sie bäumte sich gegen ihn auf, aber er stützte sein ganzes Gewicht auf ihre Brust. Wie Schraubstöcke pressten sich seine Hände um ihren Hals. Sie versuchte um sich zu schlagen, krallte ihre Hände in seinen Rücken, versuchte mit aller Gewalt die Fußfesseln zu zerreißen. Aber er ließ sich nicht beirren, drückte sie zu Boden, ohne dabei sein Lächeln zu verlieren. Ihr Körper gab auf und erschlaffte. Er legte seinen Lippen auf die ihren. "Wir haben es geschafft, kleiner Engel."

Dieser Text ist urheberrechtlich geschützt. Nachdruck und Vervielfältigungen, auch auszugsweise, bedürfen der schriftlichen Zustimmung des Autors.

Eingereicht am
28. November 2007

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Ein haariges Lesevergnügen


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