Haarige Geschichten
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Abenteuer im Frisiersalon

Abenteuer im Frisiersalon
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Dieser Text ist urheberrechtlich geschützt. Nachdruck und Vervielfältigungen, auch auszugsweise, bedürfen der schriftlichen Zustimmung des Autors.

Ein ganz normaler Tag

© Marcel Kniesburges

"Ring, ring", schellte wie jeden Morgen dieser verflixte Wecker. Aber irgendwie war es heute komisch. Ich hatte das Gefühl, er wäre viel leiser als sonst. "Na ja egal", dachte ich und stand auf. Doch kaum hatte ich das getan, flogen mir meine viel zu langen Haare ins Gesicht.

Langsamen Schrittes ging ich der Badezimmertür entgegen und legte meine Hand vorsichtig auf den Türgriff.

Müde wie ich jeden Morgen war, öffnete ich die Tür und trat ein. Verzweifelt suchte ich neben mir an der Wand den Lichtschalter. Als ich ihn schließlich fand, fühlte er sich sonderbar an. Ich machte das Licht an und schaute in die Richtung des Schalters.

"Iiiiih!"

Ich sprang zurück und suchte nach etwas womit ich diese riesige Spinne töten könnte, die dort saß. Kaum hatte ich ein passendes Buch gefunden, das ich sowieso nicht mehr lesen wollte, drehte ich mich wieder dem Lichtschalter zu. Doch, wo war die Spinne?

Ich schauderte, als ich daran dachte, wie ich ihren haarigen Körper angefasst hatte, um das Licht anzumachen. Doch noch mehr schauderte ich bei dem Gedanken, dass die Spinne noch hier irgendwo sein musste.

Mit dem Buch in der Hand ging ich langsam wieder zurück in mein Zimmer, immer darauf bedacht auf den Boden zu achten, um nicht auf die Spinne zu treten. So ganz ohne Socken wäre das nicht gerade angenehm gewesen.

Ich sah mich in meinem Zimmer um.

"Oh, Mann! Ich sollte unbedingt mal aufräumen. Hoffentlich hat sich dieses Vieh nicht hier irgendwo versteckt!" Bei dem letzten Satz lief im ein Schauer den Rücken herunter. Sie könnte hier überall sein!

Immer noch auf den Boden schauend, näherte Ich mich meinem Kleiderschrank. Wenigstens Socken wollte ich mir schon mal anziehen, damit es nicht ganz so widerlich würde, falls ich auf sie treten sollte.

Vor sämtlichen Eventualitäten gewappnet, machte ich mich wieder auf den Weg Richtung Badezimmer. Dort angekommen sah ich mich erst einmal gründlich um. Auf dem Fußboden, an der Decke, in den Schränken, im Spülbecken und schließlich auch am Lichtschalter.

"Hmm, komisch! Sie ist wie vom Erdboden verschwunden! Na ja, vielleicht bin ich sie ja losgeworden."

Mit diesem positiven Gedanken stellte ich mich vor den Spiegel, legte das Buch zur Seite und fing an mich fertig zu machen.

Nach ungefähr einer halben Stunde, als ich dann endlich fertig war, ging ich wieder in mein Zimmer, zog mir meine Sachen, die ich mir gestern schon zurechtgelegt hatte, an. Ich packte mein Handy, mein Geld und meinen Schlüssel ein und machte mich auf den Weg. Schließlich wollte ich nicht zu spät kommen.

Als Erstes ging ich zur Bücherei. Ich musste etwas für den Philosophie-Unterricht herausfinden. Da wir zurzeit über Immanuel Kant sprachen, habe ich mich freiwillig dazu gemeldet, ein Referat über eben diesen zu halten. Doch ich hätte nicht gedacht, dass es so viel über ihn zu wissen gibt.

"Immanuel Kant, geboren im April 1724, gestorben 80 Jahre später im Februar. Vier wichtige Fragen: Was kann ich wissen; Was soll ich tun; Was darf ich hoffen; Was ist der Mensch. Ok, wenigstens schon mal 'n Anfang", flüsterte ich mir selbst zu.

Ich lerne ja sowieso schon ungern, aber das ist wirklich das schlimmste, das man sich vorstellen kann.

"Entschuldigung", sprach mich plötzlich wie aus heiterem Himmel ein älterer Mann an.

Ich zuckte zusammen.

"Müssen Sie mich so erschrecken? Toll, jetzt hab ich wieder vergessen was ich grad gelernt hatte. Danke! Und jetzt möchte ich bitte nicht mehr gestört werden!"

"Aber …"

"Nichts ,Aber'! Gehen Sie!"

Er deutete mit dem Finger auf meinen Kopf und öffnete den Mund, um etwas zu sagen. Aber ich unterbrach ihn schon, bevor er die Gelegenheit dazu hatte: "Was an dem Satz ,Ich möchte nicht gestört werden' haben Sie nicht verstanden?"

Irritiert und verärgert drehte sich der Mann um und ging weg. Doch währenddessen hörte ich ihn noch etwas sagen, beziehungsweise ich hörte Bruchstücke von etwas, was er sagte: "Unfreundlich … Kopf … was denkt er sich … Spinne …"

Doch beim letzten Wort, das ich verstand, glaubte ich einfach ein "r" überhört zu haben und so dachte ich nicht weiter darüber nach, sondern befasste mich wieder mit dem Buch über Immanuel Kant.

Nach geraumer Zeit hatte ich keine Lust mehr und stand auf, nahm das Buch mit und lieh es mir aus.

Kaum hatte ich die Bücherei verlassen, wehte mir ein kalter Wind um die Ohren. Ich zog mir meine Jacke über und ging weiter.

Meine nächste Station war das Kino.

Ein paar Freunde und ich wollten haute Abend nämlich die Neuverfilmung von "Die Asche meiner Mutter" sehen. Doch mussten wir die Karten dafür vorbestellen. Und genau das hatte ich jetzt vor.

"Ich würde gern Karten für die Vorstellung ,Die Asche meiner Mutter' heute Abend vorbestellen."

"Wie viele?"

"Fünf!"

"Auf welchen Namen?"

"Kniesburges."

"Ok, ist notiert. Sie können sich die Karten vor dem Film hier abholen."

"Danke!"

Ich drehte mich um und wollte gerade einen Schritt machen, da hörte ich hinter mir, wie die Frau am Schalter laut aufschrie. Ruckartig drehte ich mich wieder um, doch genau in diesem Moment brach sie ohnmächtig zusammen.

Sofort rannte eine ihrer Kolleginnen am benachbarten Schalter los und holte ein Glas Wasser. Eine andere ging zu ihr und fächelte ihr Luft zu.

Mich durchschlich ein ungutes Gefühl und so beschloss ich, mich klammheimlich aus dem Staub zu machen, bevor irgendwer seltsame Fragen stellte.

"Was ist denn nur heute los? Erst diese komische Spinne auf dem Lichtschalter, dann dieser Mann in der Bücherei und jetzt das! Na ja, egal, jetzt erst einmal zum Friseur und dann sehn wir weiter."

Ja, der Friseur. Meine letzte Station dieses heutigen Nachmittags. Ich machte mich auf den Weg. Schnellen Schrittes, da er doch ein Stück weiter entfernt war, aber doch gemütlich, weil ich noch genügend Zeit hatte bis zu meinem Termin.

Doch kaum ging ich um die nächste Ecke, traf ich wieder auf den alten Mann, der mich schon in der Bücherei angesprochen hatte.

Er sah mich an, erinnerte sich sofort an mich und ging schnellen Schrittes an mir vorbei.

Der Mann schien immer noch nicht gut auf mich zu sprechen zu sein. Aber das machte mir nicht viel. Ich ging weiter Richtung Friseur.

Endlich angekommen, hatte ich immer noch genügend Zeit und so beschloss ich, mir erst einmal ein Eis zu holen.

Die Eisdiele zwei Häuser weiter kam mir dabei sehr gelegen. So ging ich dort hin und stellte mich an. Doch kaum stand ich da, wurde ich von einigen Leuten komisch angesehen und einige verschwanden sogar plötzlich aus der Schlange.

"Was zum Teufel ist heute los?", dachte ich mir und wollte eine ältere Dame darauf ansprechen.

Kaum war ich auf sie zugegangen, fing sie an zu kreischen und rannte, schneller als ich es ihr zugetraut hätte, weg.

"Ok, das ist mir zu doof! Wenn mir irgendwer erklären möchte was los ist, soll er oder sie das bitte JETZT tun!"

Doch obwohl ich es vermutlich laut genug durch die Gegend gebrüllt hatte, fühlte sich keiner bewegt, mir auch nur einen Hinweis darauf zu geben, was los war.

Also ging ich wütend weg und hoffte, dass mein Friseur mir eventuell diese Frage beantworten könnte.

Ich öffnete die Tür zum Friseur und trat ein. Am Ladentisch wurde ich sofort gefragt, ob ich einen Termin hätte. Ich deutete auf meinen Namen in der Liste und wurde auf einen Stuhl vor einem großen Spiegel gesetzt.

Mit geschlossenen Augen wartete ich. Nach einer kleinen Ewigkeit kam endlich Viktor, mein Friseur.

"Hallo, Viktor!"

"Ah! Na - alles klar bei dir?"

"Na ja, nicht wirklich. Sag mal ist irgendetwas an mir heute komisch?"

"Hmm? Was meinst du? Also ich finde nicht, dass du anders aussiehst als sonst!"

"Seltsam. Ich hab heute das Gefühl als hätte mir 'n Vogel auf'n Kopf geschissen und ich wär der Einzige, der nichts davon mitbekommen hätte!"

Viktor drehte den Stuhl, auf dem ich saß, herum und betrachtete mich von oben bis unten. Nach einer langen Denkpause sagte er schließlich: "Also deine Klamotten sind so, wie immer, deine Haare könnten zwar einen neuen Schnitt vertragen, aber sonst sind sie auch in Ordnung und 'n Vogel hat dir garantiert nicht auf den Kopf geschissen!"

Er fing laut an zu lachen. Wie üblich, musste ich auch selbst mitlachen, denn sein Lachen wirkte einfach nur ansteckend.

Viktor drehte mich wieder um, sodass ich in Richtung Spiegel sehen konnte.

"Soll ich dir die Haare vorher noch einmal waschen?", fragte er mich und sah mich dabei über den Spiegel an.

Ich überlegte eine Weile. Schließlich antwortete ich, ich hätte sie erst gestern gewaschen und dass es nicht nötig wäre.

So machte sich Viktor an die Arbeit. Ein Schnitt hier, ein Schnitt dort. Ich machte derweil wieder die Augen zu.

Doch nach schon kurzer Zeit hielt er plötzlich Inne.

"Hast du neuerdings Haustiere? - Hahaha."

"Wie meinst du das jetzt?", fragte ich leicht irritiert.

Immer noch lachend antwortete er: "Ich glaub, ich weiß, was heute mit dir los ist!"

Ich öffnete meine Augen und bekam den Schreck meines Lebens. Eine, nein, DIE dicke haarige Spinne aus meinem Badezimmer saß auf meinem Kopf!

Ich sprang auf und fing hysterisch an zu kreischen. Ich sprang hin und her in der Hoffnung, die Spinne würde in hohem Bogen davon fliegen, doch tat sie es nicht.

Nach einer Weile sinnlosen Hin-Und-Hergehüpfes schnappte ich mir eine nahe liegende Broschüre und schlug damit auf meinen Kopf ein, bis ich mir hundertprozentig sicher war, dass das haarige Vieh tot war.

Viktor jedoch stand die ganze Zeit daneben und schaute sich das Spektakel lachend an.

Kaum war die Spinne tot und im nächsten Abfluss verschwunden, schaute ich Viktor an und das einzige, was ich in diesem Moment sagen konnte, war: "Ich denke, du solltest mir doch die Haare waschen!"

Mensch war mir das peinlich. Doch was sollte ich tun. Jetzt war es zu spät.

"Ich glaube, das war heute der schlimmste Tag, den ich je erlebt habe!"

Doch Viktor brachte es nicht über sich zu antworten. Er versuchte immer noch verzweifelt, nicht laut loszulachen.

Es kam mir vor wie eine Ewigkeit, doch irgendwann war er schließlich fertig.

Ich bezahlte und ging immer noch errötet vor Scham hinaus. Doch obwohl ich endlich von meiner Last befreit war, fühlte ich mich nicht wirklich besser.

Mir ging der ganze Tag noch einmal durch den Kopf und ich erinnerte mich an jede Einzelheit. Der Mann in der Bücherei, der mir sagen wollte, was los ist. Die Frau beim Kino, die ohnmächtig wurde, als sie die Spinne sah und letztendlich Viktor, der die ganze Situation auch noch lustig fand.

"Und was ist mit mir? Ich bin einfach todmüde!"

Ich holte mein Handy heraus und sagte bei meinen Freunden den Kinobesuch ab.

Nach einem kleinen Fußmarsch war ich endlich wieder zu Hause. Das erst, was ich tat, war, mich umzuziehen und mich ins Bett zu legen.

Im Bett dachte ich noch einmal nach und stellte fest, dass der Tag nicht wirklich sinnvoll gewesen war. Den Stoff für das Referat hatte ich in dem ganzen Durcheinander wieder vergessen.

Die Kinokarten hatte ich ebenfalls umsonst bestellt.

Und ein Eis hab ich auch nicht bekommen!

Kurz bevor ich einschlief, ging mir nur noch ein Satz durch den Kopf: "Wenigstens sind meine Haare geschnitten!"

Dieser Text ist urheberrechtlich geschützt. Nachdruck und Vervielfältigungen, auch auszugsweise, bedürfen der schriftlichen Zustimmung des Autors.

Eingereicht am
29. Dezember 2007

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