Haarige Geschichten
Kurzgeschichte - Haar, Haare, Frisur, Friseur, Haarfarben, blond, Blondine, Rothaarige, Glatze, Haarausfall, Bart, Rasur, Zöpfe, Locken, Dauerwellen ...

Unser Buchtipp

Abenteuer im Frisiersalon

Abenteuer im Frisiersalon
Hrsg. Ronald Henss
Dr. Ronald Henss Verlag
ISBN 978-3-9809336-0-5

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Dieser Text ist urheberrechtlich geschützt. Nachdruck und Vervielfältigungen, auch auszugsweise, bedürfen der schriftlichen Zustimmung des Autors.

Hinterkopf

© Cornelia Koepsell

Da steht sie zwischen den Honoratioren und fühlt sich wie ein Seepferdchen im Sandkasten. Die Arme vor der Brust verschränkt hält sie sich fest, nichts rauslassen, keine Blöße geben, nur das nicht.

Er - einige Meter entfernt, sieht sie nicht oder will es nicht, spielt seine Rolle, er muss es, sie weiß, lacht, redet, repräsentiert. Einmal ein kurzer Blickkontakt, gegenseitiges Erkennen, dann weg.

Allgemeines Platznehmen. Sein Hinterkopf höchstens ein Meter vor ihrem Gesicht. Das Haar kurz geschnitten, perfekte Wölbung, der Streifen Haut zwischen Anzugkragen und Haaransatz. Das eng anliegende rechte Ohr konnte sie noch nie aus dieser Perspektive betrachten, das linke hat er vor ihren Blicken auf der anderen Seite versteckt.

Sie denkt an das vier Wochen alte Baby, das sie neulich streicheln durfte. Die weichen Haare, die Haut, die winzige Knospe des Mundes.

Das Baby vor ihr ist sechzig Jahre älter, der Drang zu fühlen wie weich die Haare am Kopf liegen, sie gegen den Strich zu streichen genauso groß - mindestens.

Sie darf ihn nicht lieben, hat er gesagt. Wie soll sie es schaffen mit diesem nach Liebe schreienden Hinterkopf vor dem Gesicht? Weiter oben hören die Haare auf und gehen in weichen Flaum über. Sie glaubt winzige Schweißperlen zu entdecken. Ob sie salzig schmecken?

Ruckartig reißt sie den Blick los, so wie manche Leute Pflaster abreißen. Sicher, es tut weh, muss aber sein, das wissen wir alle, nicht wahr?

Sie schaut auf die Bühne, wo etwas geboten wird. Deshalb ist sie hier, nicht wegen dem Hinterkopf.

"Du musst akzeptieren", hat er gesagt, immer wieder, wie eine Schallplatte mit einem Sprung. Je mehr sie muss, desto weniger kann sie.

"Feigling" möchte sie sagen.

Der Vorwurf schlägt zurück. Sie wagt es nicht, die Grenze zu überschreiten. Die Seelenverwandtschaft zweier Tassen mit einem Sprung an fast der gleichen Stelle.

Wie ein langjähriger Gefangener steht sie vor einer möglicherweise unverschlossenen Tür und wartet, dass aufgesperrt wird. Nur am Gitter rütteln, das hat sie gelernt.

Fester verschließt sie die Arme vor der Brust, steckt als zusätzliche Sicherheitsmaßnahme die Hände in die Achselhöhlen, damit sie - Gott bewahre - nicht selbstständig werden.

Dieser Text ist urheberrechtlich geschützt. Nachdruck und Vervielfältigungen, auch auszugsweise, bedürfen der schriftlichen Zustimmung des Autors.

Eingereicht am
08. Januar 2008

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Ein haariges Lesevergnügen


Noch mehr haarige Geschichten finden Sie in dem Buch, das aus unserem Wettbewerb "Abenteuer im Frisiersalon" hervorgegangen ist.

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Hrsg. Ronald Henss
Dr. Ronald Henss Verlag
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