Haarige Geschichten
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Dieser Text ist urheberrechtlich geschützt. Nachdruck und Vervielfältigungen, auch auszugsweise, bedürfen der schriftlichen Zustimmung des Autors.

Der Perückenmacher

© Erkan Bülbül

Als ihre kleine Prinzessin immer noch nicht kam, griff die Mutter zum Telefon.

Es war schon dunkel und ihre kleine Prinzessin war erst 9 Jahre alt. Sie war ratlos wo sie sein könnte. Die Mutter ahnte etwas Schlimmes könnte ihr zustoßen. Es dauerte nicht lange bis die Polizei kam. Sie erzählte ihnen dass ihre kleine Prinzessin verschwunden war. Sie beantwortete alle Fragen, die die Beamten ihr gestellt haben. Sie würden sich jetzt darum kümmern und ihre kleine Prinzessin wiederfinden, sagten sie zu der Mutter. Die Suche fing rasch an, doch die Suche läuft nun schon seit drei Monaten. Noch immer keine Spur von ihrer kleinen Prinzessin, kein Lebenszeichen. Die Mutter gab ihre letzte Hoffnung auf ein Wiedersehen mit ihrer kleinen Prinzessin auf.

Eine Passantin steht vor einem Perückenladen und bewundert die lange blonde Perücke am Schaufenster. So was Schönes hatte die Passantin noch nicht gesehen. Sie ging in den Perückenladen rein um sich die Perücke genauer anzusehen. Es war ein kleiner Laden mit vielen Perücken überall, aber die eine Perücke am Schaufenster besaß eine andere Art von Schönheit, eine die vielleicht eine Frau vollkommen machte. Als sie die Perücke anfasste, stand plötzlich ein Mann hinter ihr und fragte, ob er ihr helfen könnte. Sie erkannte gleich an der Stimme, dass es ein junger Mann war, es war der Perückenmacher.

Sie fragte nach der langen blonden Perücke. Es sei unverkäuflich, es gehöre eine Kundin die an Leukämie erkrankt sei, Sie hatte ihre eigenen Haare geschnitten um daraus eine Echthaarperücke für sich selbst anfertigen zulassen, sagte der Perückenmacher der Dame. Die Perücke sei reine Handarbeit und soll drei Monate lange Arbeit gekostet haben, und da sie so wunderschön war, hatte der Perückenmacher die Perücke vor das Schaufenster gestellt. Die Passantin wollte die Perücke unbedingt haben und fragte den Perückenmacher, ob sie die Perücke aufsetzen dürfe. Der Perückenmacher willigte ein, er bot ihr ein Platz vor einen Spiegel. Sorgfältig nahm er die Perücke aus dem Schaufenster und setzte sie auf der jungen Dame auf. "Sie sehen wunderschön aus", sagte der Perückenmacher und streichelte dabei die Perücke. Die Frau blickte in den Spiegel zum Perückenmacher und verlangte den Verkauf der Perücke. Es ist nichts zu machen, erklärte der Perückenmacher der Passantin, als diese einen Ausweis aus der Tasche zog.

Der Bus stand völlig leer, als die Mutter diesen betrat. Sie suchte sich wie immer ein Platz im hinteren Teil aus um es sich gemütlich zu machen, denn sie hatte weiten Weg bis nach Hause und sie war sehr erschöpft, wie so häufig nach ihrem Feierabend. Es ist nicht leicht als Frau in einer Müllverbrennungsanlage zu arbeiten, aber man wurde dafür eben sehr gut bezahlt. Sie nahm ein Platz an der Fensterseite und machte es sich gemütlich. Aus dem Fenster beobachtete sie die Menschenmasse. Irgendetwas an den Menschen erinnerte die Mutter an ihre kleine Prinzessin. Es waren schon drei Monate vergangen, aber der Mutter kam es als sei sie noch erst gestern verschwunden. Bevor der Bus losfuhr kam eine Frau mit blonden langen Haaren in den Bus rein und setzte sich in eine der vorderen Reihen. Die Mutter stand ohne zu zögern auf und bewegte sich nach vorne. Es war unmöglich, diese Ähnlichkeit, diese langen schönen blonden Haare. Es gab keine Wörter diese Schönheit zu beschreiben. Haare haben ihre eigenen Gesichter, man musste nur genauer hinschauen um eine Ähnlichkeit auszuschließen. Die Mutter setzte sich hinter der Dame mit den blonden langen Haaren. Sie ging mit ihren Händen langsam auf die Haare der Frau zu, sie erkannte aber sofort die Haare ihrer kleinen Prinzessin. Die Frau drehte sich zu der Mutter und sah die Mutter mit den gestreckten Händen zu ihrer Haare. Es war die Passantin von dem Perückenladen. Sie fragte die Mutter ob sie ihr helfen könne. Als sie ihr sagte, wie wunderschön ihre Haare sind, erklärte die Passantin, dass es eine Perücke sei. Die Mutter erzählte ihr von ihrer kleinen Prinzessin, von ihren wunderschönen Haaren und dass sie seit drei Monaten verschwunden sei. Aber das merkwürdige für die Passantin war anscheinend, dass die Mutter behauptete, es sind die Haare ihrer kleinen Prinzessin, die sie als Perücke trug. Die Passantin nahm die Perücke herunter und gab sie der Mutter. Sie sollte die Perücke haben. Sie erzählte der Mutter noch, bevor sie aus dem Bus ausstieg, von welchem Perückenladen sie diese ersteigerte. Die Mutter bedankte sich bei der Passantin und richtete ihre Augen auf die Perücke welche sie in der Hand hatte.

Am Schaufenster waren viele Perücken zu sehen, aber keine davon war so schön, wie jene, welche die Mutter in ihrer Hand hielt. "Sie haben schon die Perücke fertig gemacht!", sagte die Mutter als sie in den Perückenladen rein kam und den Perückenmacher vor sich sah. "Sie erzählten mir, dass sie an Leukämie erkrankt sind, und ihre eigenen Haare geschnitten haben um daraus eine Perücke zu machen, sie haben mich angelogen!", entgegnete der Perückenmacher. Die Mutter fragte, warum sie ihn anlügen sollte. "Ihre Tochter ist vor drei Monaten verschwunden, und genau dann kommen sie zu mir mit geschnittenen langen blonden Haaren um daraus eine Perücke zu machen!", erwiderte der Perückenmacher. Warum sollte ich so was meiner kleinen Prinzessin antun, fragte die Mutter. "Weil sie krank sind, besessen um das Schöne zu besitzen, die Schönheit zu haben was andere auf keinen Fall haben dürfen", entgegnete eine Stimme aus dem Hinterzimmer und eine dunkle Gestalt kam zum Vorschein. Es war die Passantin. Die Passantin, die die Perücke gekauft hatte und diese dann der Mutter im Bus gab. Sie holte ihren Ausweis raus und zeigte diesen der Mutter. Sie war von der Kriminalpolizei, eine verdeckte Ermittlerin.

Sie war seit dem Verschwinden des kleinen Mädchens hinter der Mutter her. Auch vor fünf Jahren, als ihr Mann starb, ermittelte die Kriminalpolizistin gegen die Mutter, aber sie fand keine Beweise und somit blieb es beim Unfall.

Diesmal arbeitete die Ermittlerin aber sauberer, sie hatte die ganzen Arztberichte von der Mutter gelesen, sie war krank, krank im Kopf, so krank um sich die Schönheit von anderen Leuten um jeden Preis zu holen, auch wenn es ihre eigene Tochter sein würde. Die Ermittlerin ermittelte auch in der Müllverbrennungsanlage. Eine Woche vorher als ihre kleine Prinzessin verschwand, tauchte die Mutter in der Arbeit mit einer Glatze am Kopf auf. Sie hatte viele kleine Plastiksäcke dabei und warf sie in die Verbrennungsanlage, so berichteten die Augenzeugen. Die Ermittlerin ging davon aus dass die Mutter ihre kleine Prinzessin zerstückelt hatte und sie mit Säcken verbrannte. Keine Spur mehr von ihrer kleinen Prinzessin. Aber das wichtigste Beweismaterial hielt die Mutter bereits in den Händen. Eine hundertprozentige DNA-Probe von einem Haar aus der Perücke ergab, dass es von der kleinen Prinzessin war und der Perückenmacher, der diesen Auftrag annahm ein wichtiger Zeuge war. Somit klärte die Ermittlerin die Mutter auf und belehrte sie über ihre Rechte. Die Mutter drehte sich zum Spiegel, setzte die Perücke auf und sprach vor sich hin. "Jetzt schaue ich wie eine Prinzessin aus."

Dieser Text ist urheberrechtlich geschützt. Nachdruck und Vervielfältigungen, auch auszugsweise, bedürfen der schriftlichen Zustimmung des Autors.

Eingereicht am
15. Januar 2008

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