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Eingereicht am
16. August 2007

Nächster Stopp: Auschwitz

© Racine Raphael

"Nächster Stopp: Auschwitz! Meine Damen und Herren, ich bitte um ihre Aufmerksamkeit, da wir nun endlich an unserem nächsten Reiseziel angelangt sind. Ich möchte mich nochmals für die etwas holprige und lange Fahrt auf den Landstraßen Polens entschuldigen, doch dafür sind wir an einem unserer absoluten Höhepunkte unserer "Travelling- Reisetour" angekommen. Bevor wir den Park betreten, möchte ich sie ganz kurz auf einige wichtige Dinge hinweisen und danach gerne noch das weitere Programm ihrer Reise bekannt geben. Im Lager selbst ist es selbstverständlich erlaubt, Erinnerungsfotos zu schießen oder mit der Kamera zu filmen. Die erste Attraktion, die wir gemeinsam besuchen werden und die sie ja nicht verpassen dürfen, ist die große Exekutionswand im Vorhof des Lagers, bei der bis zu 1000 Menschen täglich umgebracht wurden. Um 10.00 Uhr werden wir den Kaffee und Kuchen in der großen Halle B einnehmen. Falls Sie die Gruppe aus den Augen verlieren sollten, dann erkundigen Sie sich doch beim Park-Personal nach dem größten Gasofen. Die Cafeteria ist gleich links davon. Nach unserem Kaffeestopp besuchen wir sodann die Gasöfen.

Dimitri, ein Überlebender aus Auschwitz, wird uns einen kleinen Vortrag über die Funktion der Öfen geben. Bitte geben Sie Dimitri kein Trinkgeld, denn in seinem Gehalt ist das Trinkgeld bereits miteinberechnet. Um 12.00 Uhr werden wir im großen Raum links von der Exekutionswand, das ist Sektor C des Lagers, unser Mittagessen einnehmen. Können bei dieser Gelegenheit schnell alle diejenigen die Hand aufstrecken, die zu ihrem Schweinssteak lieber Gemüse als Beilage wollen und nicht Pommes Frites? Gut, dann wären das 3 Mal Gemüse und 27 Mal Pommes Frites. Der große Raum, in dem wir das Mittag essen einnehmen werden, ist übrigens deshalb so eindrücklich, weil es der größte erhaltene Mensa-Raum für KZ-Häftlinge auf der Welt ist. Hier waren bis zu 1500 Menschen untergebracht. Das Nachmittagsprogramm sieht so aus, dass wir uns um 14.00 Uhr beim großen Wachturm gleich am Eingang des Lagers zum Appell einfinden.

Wir werden dann in einem kleinen Spaziergang den Stacheldraht bis zu derjenigen Stelle ablaufen, wo die meisten gescheiterten Fluchtversuche begangen wurden. Dort steht heute ein Denkmahl aus Marmor, das einen kriechenden KZ-Häftling zeigt. Wenn Sie die Mütze des Häftlings mit Ihrer Hand berühren, so sagt wenigstens der Volksmund, dürfen Sie sich etwas dabei wünschen. Für diejenigen, die keine Lust auf den Spaziergang zum kriechenden Gefangenen haben, gibt es die Möglichkeit, im kleineren Vorhof ein Sonnenbad zu nehmen. Es wird dort nachmittags bei schönem Wetter hausgemachter Likör und Zigarren serviert. Um 16.00 Uhr treffen wir uns alle schließlich wieder in der Cafeteria, wo es Kuchen und Kaffee geben wird. Danach bleibt Ihnen noch genügend Zeit zur Verfügung, um den Souvenir-Shop zu besuchen. Seien Sie aber vorsichtig. Die Preise sind hier sehr hoch. Wenn Sie etwa ein Miniatur-Lager, ein Gasofenbastelset, ein Modelltransportzug für KZ-Häftlinge oder eine aufklappbare Exekutionswand zu kaufen gedenken, dann machen Sie das doch gescheiter in der Hauptstadt Warschau, denn dort werden Sie in der Regel beim Kauf eines Miniatur-Lagers oder eines Bastelsets eine Exekutionswand gratis dazu bekommen. Auch beim Kauf von kleineren Dingen wie Ausschwitz-Sackmessern, Gashahnschlüsselanhängern oder Aschenbechern sind Sie besser bedient, wenn Sie sich damit in der Hauptstadt eindecken. Die Postkarten hingegen können Sie ohne Bedenken hier im Lager kaufen, denn der Postversand wird ebenfalls gerade vom Lager aus organisiert. Gut, dann wünsche ich Ihnen einen schönen und erholsamen Aufenthalt im Park und Freilichtmuseum Auschwitz. Um 20.00 Uhr treffen wir uns alle spätestens beim Bus, um noch heute Nacht unser nächstes Ferienziel "Water-splash" zu erreichen, den größten Aqua-Park von Osteuropa, mit dem wir unsere "Travelling-Reisetour" dann auch beenden werden." (Applaus im Bus)

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