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Frau Maus und die Ratte

© Astrid Krämer


In einer kleinen Höhle, mitten im Wald lebt Frau Maus. Sie ist eine sehr freundliche und hilfsbereite Mäusedame.
Den ganzen Sommer über sammelt sie Nüsse, Obst Möhren und andere Vorräte an, um über den kalten, langen Winter zu kommen.
Eines Tages, Frau Maus hatte gerade ihr Körbchen voller Haselnüsse und war auf dem Heimweg, als sie ein leises jammern vernahm.
Was mag das sein, fragte sie sich und ging weiter. Zu Hause angekommen, schüttete sie die Nüsse in ihre Vorratskammer und setzte sich um etwas auszuruhen. Dabei ging ihr das leise jammern einfach nicht aus dem Sinn.
Was mag das gewesen sein? Ich rufe jetzt gleich Herrn Uhu an, er weiß immer was im Wald passiert! Aber auch er konnte nicht helfen.
Draußen wurde es schon dunkel und die ersten Herbststürme fegten bereits durchs Land. Frau Maus fand keine Ruhe, zog den Mantel über und lief zurück in den Wald.
Vielleicht braucht ja jemand meine Hilfe meinte sie. Der Sturm war so stark, dass Frau Maus kaum vorankam. Nach vielen Stunden war sie endlich an der Stelle angekommen und wieder vernahm sie ein leises jammern.
Sie folgte der Stimme und schon bald fand sie unter einem herabgefallenen Ast eine kleine Ratte, welche sich nicht selbst befreien konnte. Frau Maus traute ihren Augen kaum und fragte ganz entgeistert: Was machst du denn hier und wo sind deine Eltern?
Ich hab mich verlaufen meinte die kleine Ratte etwas barsch. Willst du mich nicht befreien? Mein Fuß ist verletzt und ich kann mich kaum bewegen.
Die Mäusedame zögerte nicht lange, schob die Äste beiseite und zog die Ratte heraus. Diese nutzte aber gleich deren Gutmütigkeit aus und fing wieder bitterlich an zu jammern.
Ich kann nicht richtig laufen, bestimmt ist mein Bein gebrochen schrie sie ganz entsetzlich. Frau Maus hatte Mitleid mit der Ratte und schlug ihr vor, doch einige Zeit bei ihr zu wohnen, bis sie wieder richtig laufen kann.
Die Ratte wartete nur darauf und freute sich schon auf das gemütliche, warme Heim von Frau Maus Als beide endlich in der Höhle angekommen waren, klingelte schon das Telefon.
Herr Uhu hatte alles mit angesehen und sprach mit ernster Stimme: traue niemals einer Ratte, sie hat nichts gutes im Sinn!
Frau Maus nahm dies nicht so ernst, denn sie wusste, Herr Uhu übertreibt manchmal ganz schön. Außerdem hatte sie ein gutes Herz und würde nie einen anderen im Stich lassen.
Die Wochen vergingen und die Ratte ließ es sich so richtig gut gehen. Es fielen bereits die ersten Schneeflocken und Frau Maus war glücklich und freute sich über ihre vielen Vorräte, die sie den ganzen Sommer über gesammelt hatte.
Damit komme ich bis zum nächsten Frühjahr hin, dachte sie und lehnte sich entspannt zurück. Kurz darauf legte sie noch ein paar Späne Holz ins Kamin und begab sich anschließend ins Bett.
Am anderen Morgen ging sie in die Küche um das Frühstück vorzubereiten. Doch was war das? Überall herrschte furchtbares durcheinander und alle Vorräte waren verschwunden.
Sie erinnerte sich wieder an die warnenden Worte von Herrn Uhu, doch es war zu spät. Die kleine Ratte plünderte in der Nacht alle Vorräte und verschwand auf nimmer wiedersehen.
Total enttäuscht und bitterlich weinend stand nun Frau Maus in der leeren Höhle. Was mache ich denn jetzt nur? Ich muss unbedingt etwas zum Essen finden, sonst werde ich den langen Winter nicht überleben.
Sie überlegte kurz, zog ihren warmen Wintermantel an und stampfte durch den Schnee in den Wald hinaus. Nach einer ganzen Weile, Frau Maus war schon fasst erschöpft, sah sie an einer Lichtung etwas Grelles leuchten.
Sie nahm all ihre Kräfte zusammen und lief so schnell sie konnte geradewegs darauf zu. Als sie näher kam, sah sie ein kleines Haus.
Es war so wunderschön anzusehen, dass sie aus dem Staunen nicht mehr heraus kam. Wer wird hier wohnen? Sie fasste sich allen Mut und klopfte ganz behutsam an.
Bald darauf öffnete ein kleines Mäusekind die Tür und rief: Mami hier steht eine ältere Dame und friert. Jetzt trat die Mutter der kleinen vor die Tür.
Als sich die Blicke trafen, brachten sie kein ein einziges Wort heraus. Auf einmal lagen sich beide in den Armen und Tränen liefen über ihre Gesichter. Mama... mein Kind... du lebst rief Frau Maus und konnte es noch immer nicht fassen.
Vor einigen Jahren wurde ihr Dorf von Katzen überfallen und nur wenige Mäuse sind dabei entkommen. Seither lebt Frau Maus allein im Wald.
In Gedanken war sie oft bei ihrer Familie, aber die Hoffnung, dass sie noch am Leben war, hatte sie aufgegeben. Die Freude war riesengroß und man bereitete eine große Feier vor.
Es wurden alle Freunde und Nachbarn dazu eingeladen, denn jeder sollte am Glück der Familie teilhaben.
Frau Maus wohnte von nun an bei Ihrer Tochter und ihrer kleinen Enkelin.
Sie war überglücklich und dachte so manche Nacht an die kleine Ratte.
Es mag merkwürdig klingen, aber erst durch sie hatte Frau Maus ihr Glück wieder gefunden.
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Antonia Stahn
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Eingereicht am 21. Mai 2006.
Herzlichen Dank an die Autorin / den Autor.
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