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Wahre Freunde gibt es auch in der Fantasie

© Julia Stepniowski


Heute war ein langer Schultag. Lars hatte heute bis zur 10. Stunde Unterricht und kam deswegen erschöpft nach Hause. Dass er so lange Schule hatte, war nichts Ungewöhnliches, da er schon in die 8. Klasse ging. Er begrüßte seine Mutter und ging auf sein Zimmer. Dort packte er seine Schulsachen aus und fing an zu arbeiten. In Mathe hatte Lars nicht viel aufbekommen, also wurde er damit schnell fertig. Die anderen Hausaufgaben gingen ebenfalls sehr fix.
"Endlich Fertig!", sagte er und schaute auf seine Armbanduhr:
18.30 Uhr. Er wollte gerade aufstehen um die Fernsehsendung, die er so gerne sah, anzuschauen. Doch halt. War da nicht noch eine Kunsthausaufgabe?
"Ach ja, Kunst muss ich ja auch noch erledigen", murmelte Lars.
Also nahm er sich ein weißes Blatt und fing an. Doch er zögerte und überlegte:" Mm, ein Tier soll ich zeichnen, aber welches bloß?" Er knobelte. Wieso fiel ihm nichts ein? Damals, als er noch in die 5. Klasse ging, war er doch so ein brillanter Zeichner gewesen, aber jetzt war es so, als wäre seine Fähigkeit für immer verschwunden." Kunst! Für was ist das ist das eigentlich nützlich? Mag sein, dass ich damals toll zeichnen konnte, aber jetzt hasse ich zeichnen!", fluchte er verärgert. Noch einmal schaute er auf seine Uhr: 19.00 Uhr. Er war schon sehr müde. Eine halbe Stunde lang hatte er sich über diese Hausaufgabe Gedanken gemacht." Nie wieder werde ich zeichnen", beschloss er. Er war verzweifelt und begann ein wenig an zu weinen. Aus Wut wollte er den Bleistift in seiner Hand zerbrechen. Doch zu seiner Verwunderung fing er auf einmal an eine Eidechse auf Papier zu zaubern. Er spürte seine Hand nicht, es war so, als lebte der Bleistift. Lars sah alles verschwommen. Plötzlich wurde die Eidechse zum Teil lebendig. Sie biss Lars in den Finger. Der wich erschrocken zurück. Sein Puls raste. "Das ist nicht möglich, so etwas gibt es nicht", versuchte Lars sich zu beruhigen. "Zeichne mich weiter, Lars, zeichne mich weiter", flüsterte die Eidechse. Jetzt war Lars ganz außer sich, er wollte am liebsten laut aufschreien. Doch die Eidechse entgegnete: "Lars versuch die zu erinnern, du kennst mich doch." Lars überlegte, aber er kannte keine Eidechse. Er wollte nachforschen, ob es diese Eidechse überhaupt gab oder ob er sich das alles nur einbildete, schließlich war es spät und er war müde. Langsam nährte er sich der Eidechse. Wieder sagte sie: "Zeichne mich weiter, hab keine Angst, ich weiß, dass du das kannst! Lars setzte den Bleistift an und zeichnete den Schwanz der Eidechse zu Ende. Als er fertig war und den Bleistift weglegte, schimmerte das Papier grün und die Eidechse wurde lebendig. Sie kroch auf Lars’ Hand und fragte ihn abermals: " Erinnerst du dich an mich?" Doch immer wieder schüttelte er den Kopf.
Dann kroch sie von seiner Hand und verschwand im Papier. Lars streckte seine Hand zum Papier, um das Loch zu suchen, in dem die Eidechse anscheinend verschwunden war, denn wie sonst hätte die Eidechse durchs Papier gehen sollen. Aber er fand kein Loch, noch nicht einmal einen Spalt, in dem sie hätte drin verschwinden können. Er dacht über das nach, was die Eidechse ihn immer wieder gefragt hatte: "Erinnerst du dich?" " An was soll ich mich erinnern? Ich kenne keine Eidechse, oder doch? Vielleicht ist es ja Kany?" Kany war die Eidechse seines Freundes, mit der er gerne spielte. "Mm, aber wie soll das denn gehen? Kany ist doch keine Zeichnung und…ach das ist völliger Quatsch", widersprach er seinen Gedanken. "Und ich glaube, ich habe mir das alles nur eingebildet, so etwas Absurdes gibt es ja nun wirklich nicht", ergänzte er. Nun wollte er sich schlafen legen. Doch plötzlich schimmerte das Blatt, auf dem die Eidechse gezeichnet war, blau. Es erhob sich in die Luft und verwandelte sich in ein riesengroßes Tor. Lars konnte dies alles nicht glauben, er dachte und hoffte, dass dies alles nur ein Traum sei. Er starre in das Tor und sah darin wunderschöne Tiere. Langsam näherte er sich dem Tor, um es ertasten zu können. Da passierte es. Das Tor zog ihn hinein und plötzlich wurde es ihm schwarz vor Augen. Als er dann endlich wieder etwas sah, erblickte er ein wundervolles Land, in dem Schmetterlinge, Vögel, Katzen und noch viele andere Tiere über Wissen liefen und am Himmel flogen.
Beim näheren Hinschauen sah er, das die Tiere nur gezeichnet waren. "Wow, welcher Künstler kann so wundervoll zeichnen?", bemerkte er staunend. Da kam ihm die Eidechse plötzlich die Eidechse von vorhin entgegen. Lars fragte sie sofort: "Wo bin ich? Was geht hier vor?" Doch die Eidechse überhörte dies und trat an seine Seite. Sie begann zu erzählen: "Lars, du bist der Zeichner, du hast mich gezeichnet und all die anderen Tiere hier. Damals, als du noch klein warst, hattest du keine Freunde, deshalb hast du dir welche gezeichnet. Mit deiner Fantasie hast du dir vorgestellt, wie wir lebendig waren. Du kamst oft in diese Welt hier und hast mit uns gespielt. Ich war damals dein bester Freund. Doch jetzt hast du uns vergessen, darüber bin ich sehr traurig." Plötzlich sah Lars einen Film vor seinen Augen ablaufen: Er war noch klein und zeichnete voller Begeisterung die Tiere seiner Traumwelt. Dann erinnerte er sich auch an die Eidechse, ihr Name ist Jon. "Jon? Du lebst noch aber…", stotterte Lars. Jon lachte, endlich hatte Lars sich erinnert. Lars war darüber so glücklich, dass er Jon umarmen wollte. Doch dieser rief:" Warte! Jetzt erinnerst du dich noch , aber irgendwann hast du mich wieder vergessen, das darf nicht passieren, darum musst viel zeichnen und dir vorstellen, dass du kindisch bist, wenn du viel Fantasie hast, denn jeder Mensch hat Fantasie und jeder Mensch kann sich damit vorstellen, was er will. Das darfst du auf keinen Fall vergessen!" Lars nickte, er stimmte dem zu und wollte sich auch daran halten. Jon strahlte, dann sagte er noch: "Vergiss uns nicht!" Plötzlich wurde alles wieder normal. Lars saß am Schreibtisch, vor ihm lagen das Blatt Papier und die anderen Schreibutensilien. Auf dem Blatt erkannte er eine Eidechse. Da wurde ihm alles klar und er hatte etwas Wichtiges gelernt:
"Man ist nie für etwas zu klein, wenn man daran Spaß hat und auf keinen Fall, wenn es dabei um wahre Freunde geht." Von diesem Tage an zeichnete Lars wieder liebend gerne und seine Fantasie begleitete ihn dabei.
Antonia Stahn: Max und Mäxchen. Kindergeschichten für große und kleine Leser. Dr. Ronald Henss Verlag, 2006. ISBN 3-9809336-7-9
Antonia Stahn
Max und Mäxchen
Kindergeschichten für große und kleine Leser

Dr. Ronald Henss Verlag, 2006
Großformat 23cm x 21cm
ISNB 3-9809336-7-9
10,80 Euro



Eingereicht am 03. September 2006.
Herzlichen Dank an die Autorin / den Autor.
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