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Wie das M Sütterlin heißen wollte

© Maren Bloß


Es war ein mal ein lateinisches M, dass lebte in einer großen Buchstabenfamilie mit 25 anderen Geschwistern.
Doch da es ziemlich in der Mitte des Alphabetes lebte, beachtete es kaum jemand. Seine harten Kanten gefielen ihm gar nicht und es war unglücklich.
Immer wieder sagten ihm seine Eltern wie wichtig es in vielen Wörtern sei, doch das wollte es nicht hören.
Das M wohnte in einer sehr alten Bibliothek wo es noch viele andere Bücher gab. Oft ging es zu den anderen Büchern, um mit den verschiedenen Buchstaben zu spielen.
Einmal war es in einer alten Bibel gelandet und da hatten sich die alten Buchstaben über das aussehen vom M lustig gemacht. Die Buchstaben haben damit geprallt wie schön geschwungen und alt sie seien. Das M mochte die Buchstaben aus der alten Bibel nicht. Nicht nur das sie arrogant waren, nein, se hatten auch noch Widerhaken mit denen sie einen festhalten konnten. Sie nannten sich Gotisch. Von da an machte das M einen großen Bogen um die alte Bibel. Natürlich hatte es seine anderen Buchstabegeschwister mit denen es spielen konnte, doch die Vokale schrieen immer so laut und wetteifern wer sich klarer anhörte. Da konnte das M nicht mithalten. Es hörte sich immer gleich an MmmmmmMmmmmm. Manchmal, wenn es niemanden zum spielen hatte ging es zum W und die beiden spielten "Spiegel dich". Das machte ihm Spaß. Dabei vergaß es seine harte Kanten und manchmal konnten die beiden sogar ihre Eltern damit verblüffen, wie ähnlich sie sich doch sahen.
Auf den Streifzügen durch die Bibliothek entdeckte das M immer neu Winkel und Ecken in denen alte Bücher standen. Hier und da klopfte es mal an den Einband um reinzuschauen aber viele der alten Bücher hatten keine Lust mit dem M zu Spielen. Als es eines Tages in den hinteren Teil der Bibliothek kam sah es zum ersten mal die verbotene Abteilung. Es wusste von seiner Mutter das viele Bücher die dort lebten sehr krank waren, sie hatten schrecklichen Husten weil Pilze in ihnen lebten. Man hatte das M immer ermahnt dort nicht hinzugehen.
Von der Neugierde getrieben betrat es eines der Regale. Ein lautes Husten und keuchen erschreckte das M so doll, das es purzelte und auf seine Kanten viel. Mit einem Satz lief es davon.
Seit dieser Begegnung konnte das M keine Nacht mehr ruhig schlafen. Immer wieder dachte es an die alten Bücher die in der verbotenen Abteilung lagen. Wie gerne würde es dort einmal mit anderen Buchstaben spielen.
Am nächsten morgen machte es sich wieder auf den weg.
Als es in der Abteilung ankam, roch es modrig und im Staub konnte es kaum etwas sehen. Das M ging auf eines der Bücher zu. Auf dem Buchdeckel stand etwas, was das M noch nie gesehen hatte. Diese Buchstaben kannte es nicht. Wie verzaubert Stand es vor ihnen und starrte sie an. So weich und schön geschwungen leuchteten die Buchstaben vom ledrigen Einband des Buches. Was dort wohl stand? Zaghaft klopfte es an.
"Hallo? , Hallo?" kam es aus dem Buch. Das M blieb wie angewurzelt stehen. Das Buch hatte gesprochen. Sollte das M weglaufen? Nein, nun war es soweit gekommen und von der Neugierde gepackt, antwortete es.
Eine seltsame Familie von Buchstaben öffnete die Tür. Das M starrte sie an, doch auch die anderen Buchstaben schienen so was wie das M noch nie gesehen zu haben.
"Hallo, ich bin M und suche jemanden mit dem ich spielen kann!" Eines der Buchstabenkinder drängte sich nach vorne, es sah anders aus als M und es sagte: "Ich heiße auch M". Nach und nach kamen verschiedene Buchstaben heraus und stellten sich vor. A D S E, G P K L T Z all diese Buchstaben hatte M noch nie vorher gesehen und es kannte schon viele. Was es verwunderte, war, das es die Sprache dieser Buchstaben verstand.
"Wer seid Ihr?" Fragte M vorsichtig? "Wir sind die Familie Sütterlin!" Leider konnte das M die Schrift nicht lesen und somit musste es noch mal fragen. "Wir sind die Familie Sütterlin!" Antwortete das Ö. in einer stotterigen Aussprache. "Wir sind die Buchstaben aus der deutschen Schrift."
Das M war ganz aufgeregt. Solche Buchstaben hatte es noch nie gesehen. Sie waren so wunderschön. Geschwungen, und kurvig, die Übergänge fließend. Das M war begeistert. Bewundernd schaute es die Buchstaben an, ach wie gerne wäre es eines von ihnen. Neidisch blickte es auf das M. Die Bögen so geschwungen und selber ? Hart und Kantig.
"Wo kommt ihr her? Ich habe euch noch nie gesehen?" Fragte das M. Die Buchstaben aus dem alten Buch schauten sich an, als wollten sie nicht antworten.
Dann sagte das Ö etwas zittrig: "Wir sind die Buchstaben der deutschen Schrift. Unser Vater hieß Ludwig Sütterlin, doch sieht man uns nur noch selten. Früher kannte uns jedes Menschenkind. Wir waren in jeder Schule vertreten und unsere Buchstaben wurden gelehrt. In großen Buchstaben hat man uns an die Tafeln geschrieben. Dann kamt ihr. Die lateinischen Buchstaben verjagten uns aus der Schule und setzten sich auf unseren Platz. Seit dem liegen wir hier in alten dreckigen Büchern, sind krank und keiner erinnert sich mehr an uns."
Das M war entsetzt. So schöne Buchstaben lagen hier und wurden nicht mehr benutzt? Ach, wie gerne wäre es eines von ihnen gewesen.
"Gerne möchte ich euch lernen", sagte M. "Wie heißt ihr?" Die Sütterlinbuchstaben schauten sich an, dann redeten sie wild durcheinander und nach einiger Zeit schob sich zaghaft ein A nach vorne.
Nach und nach trauten sich alle her.
A=A B=B C=C D=D E=E F=F G=G H=H I=I K=K L=L M=M N=N O=O P=P Q=Q R=R S=S T=T U=U V=V W=W X=X Y=Y Z=Z
"Das ist unsere Familie!" sagte das Ö. "Natürlich gibt es noch die -kleinen-, aber die sind jetzt im Buchstabenkindergarten!"
Das M blickte hin und her. Eine ganze Familie voller wunderschöner Buchstaben.
Der Vormittag verging und das M lernte mit den großen Buchstaben der Familie Wörter. Eine Schwierige Angelegenheit, denn es fehlten die kleinen Buchstaben und so wartete das M bis es Mittag wurde. Mit einem Satz sprang die Tür auf und mit lautem rufen und Gedrängel kamen die kleinen Buchstaben durch die Tür. Das war ein durcheinander, so das es M nicht leicht hatte sie zu unterscheiden. Dann rief Mutter Sütterlin: "Alles Stopp und in einer Reihe aufstellen!" Blitzschnell suchte jedes Buchstabenkind seinen Platz im Alphabet und reihten sich hintereinander auf.
a=a b=b c=c d=d e=e f=f g=g h=h i=i j=j k=k l=l m=m n=n o=o p=p q=q r=r s=s t=t u=u v=v w=w x=x y=y z=z
"So!" Sagte Mutter Sütterlin "Das M, sind die anderen Familienmitglieder. Die brauchst du zum Spielen, wenn du alle unsere Wörter lernen möchtest!"
Am Abend erzählte das M voller Aufregung seiner Mutter, wenn es kennen gelernt hatte. Es schwärmte von den schönen Linien und geschwungenen Bögen. Seine Geschwister lachten es aus und ärgert M damit, sich eher einen Husten zu holen als mit den alten Buchstaben zu spielen.
Als der nächste Tag anbrach, machte sich das M wieder auf den weg in die alte Abteilung. Es freute sich darauf mit den Buchstaben zu spielen und hoffte neue Wörter zu lernen.
Mit dem einen oder anderen hatte das M so seine Schwierigkeiten. Waren sie doch alle anderes als es die Buchstaben die es kannte. Das M und das N ärgerten es und das B behauptete immer ein L zu sein. Das M hatte es schon schwer und trotzdem gab es nicht auf.
Frau Sütterlin fing mit den leichten Sachen an. Natürlich am Anfang des Alpabhetes, mit dem A= A , dem M vielen viele Wörter ein Apfel, Angel, Auto dann folgte das
B=B wie Birne, Ball, Bauer und so ging es mit den ganzen Buchstaben weiter.
Nach über zwei Wochen konnte es schon ganze Wörter lesen.
Auto, Haus, Ball, Ente, Messer, Apfel oder Flugzeug. Stolz ging das M nach hause und erzählte seiner Mutter von seinem Wunsch.
Es wollte ein Sütterlinbuchstabe werden.
Wenn seine Mutter auch den Wunsch verstand, so hänselten es seine Geschwister doch sehr. Wie sollte ein Buchstabe aus Latein ein Buchstabe in Deutsch werden?
Das M hatte sich den Wunsch in den Kopf gesetzt und so marschierte es los. Es wollte zum alten Mann in der Bibliothek gehen, der der die Bücher immer einräumt. Wenn es einer wusste, dann er.
Als das M am Pult angekommen war, hopste es von Buch zu Buch, bis es oben stand. Mit einem leisen Rufen versuchte es den Menschen anzusprechen.
"Halloooooooo!" Was sich bei Menschen so anhört wie "MmmmHMMMMMMMMMhmmmmm!" Etwas erschrocken horchte der alte Bibliothekar auf und suchte nach dem Geräusch. "Nanu, wer bist den du?" Fragte der alte Mann. "Ich bin das M von den Lateinern! Kennst du die Sütterlinfamilie aus der verbotenen Bibliothek?" Der alte Mann schaute verwundert hoch, doch dann nickte er. "Warum fragst du das?" "Ich möchte ein Sütterlin werden!" Antwortete das M leise und bescheiden.
Nach einer langen Gedenkpause nahm der alte Mann seine Brille von der Nase und überlegte. "Ein schwerer Weg mit vielen Hindernissen, du musst viel lernen und am ende kannst du nie wieder in Latein geschrieben werden. Ist dir das klar?" Das M schmiss sich in die Brust und antwortete so laut und klar: "Ja, das will ich!"
"Dann komme mal mit!" Der alte Mann erhob sich und ging mit dem M in einen abgeschiedenen Raum wo eine kleine Lampe brannte und in dem es muffig roch. Er setze sich an einen alten Schreibtisch, nahm eine Füllfeder und suchte nach einem Stück Papier.
"Kleines M , wenn ich anfange kann es vielleicht ein bisschen wehtun, aber wenn ich fertig bin, bist du das wunderschönste Sütterlin M was man je gesehen hat." Das M machte sich klein und war ganz aufgeregt.
"Lege dich bitte auf das Papier was hier liegt, ganz flach, so flach wie du kannst und bleibe ganz ruhig liegen!" Der alte Mann nahm die Füllfeder, tunkte sie in ein Fass mit ganz besonderer Tinte und fing an. Ganz langsam umzog er die Linie vom M und dann versuchte er den ersten geschwungenen Bogen vom Sütterlin M zu schreiben. Das ganze kitzelte eher, als das es weht tat, dachte der kleine Buchstabe. Noch einen Strich hier, eine Linie dort und der alte Bibliothekar hatte sein Werk vollendet. Das Sütterlin M war fertig.
Voller Stolz betrachtete er sein Werk. Das M richtete sich auf, noch wackelig auf den Beinen und freute sich. So weiche Bögen und feine Linien, mit ganzem Stolz lief es auf und ab.
"Eines muss ich dir noch sagen, kleines M! Nie wieder wirst du in neuen Büchern zu finden sein, dein Aussehen gehört jetzt zu den alten Büchern aus vergangenen Zeiten." Das M nickte, bedankte sich und machte sich auf den Weg nach Hause.
Vielleicht kommt eines Tages ein Kind und möchte die Schrift der Sütterlinfamilie lernen.
Antonia Stahn: Max und Mäxchen. Kindergeschichten für große und kleine Leser. Dr. Ronald Henss Verlag, 2006. ISBN 3-9809336-7-9
Antonia Stahn
Max und Mäxchen
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Großformat 23cm x 21cm
ISNB 3-9809336-7-9
10,80 Euro



Eingereicht am 05. Oktober 2006.
Herzlichen Dank an die Autorin / den Autor.
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