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Die Tarnkappe

© Nessi Dominkus


Der Zwerg Graubart hatte alle Hände voll zu tun, um sich die gemeinen Gnome und Trolle vom Leib zu halten. Nicht genug, dass sie ihm in der Nacht auflauerten, nein, nun kamen sie auch bei Tag aus ihren Erdhöhlen, um ihm seine wertvollen Edelsteine zu rauben, die er mühsam aus seinem Bergwerk schlug. Sie hatten nämlich gemerkt, dass sie sich vor dem Sonnenlicht nicht mehr zu fürchten brauchten. Der Wald in dem sie hausten, hatte inzwischen so ein dichtes Blätterdach, dass kein einziger Sonnenstrahl durchscheinen konnte um sie in Steine zu verwandeln. Sehr zum Verdruss von Graubart. Er brauchte unbedingt seine Tarnkappe wieder. Aber die hatte er den zwei Elfen Desirana und Helgemon zum Zeichen seiner Dankbarkeit geschenkt, weil sie ihn aus einer gemeinen Trollenfalle befreit hatten. Er überlegte hin und her wie er sich vor den Unholden schützen könnte. Da kam ihm eine Idee. Vielleicht ließ die Elfenkönigin mit sich handeln, und tauschte die Tarnkappe gegen einen Sack, voll mit den schönsten Edelsteinen. Sofort rief er seinen Freund den Raben Pax zu sich. Er sollte ins Elfenland fliegen und der Elfenkönigin die Bitte überbringen.
Als die Königin die Nachricht las, war sie bestürzt. Dem armen Zwerg Graubart musste sofort geholfen werden. Schließlich hatten sie ihm sehr viel zu verdanken. Denn nur mit Hilfe der Tarnkappe gelang es ihren Mondstein zurück zu holen.
Eilig rief sie alle anwesenden Elfen herbei. Doch Desirana und Helgemon mussten gerade eine andere wichtige Aufgabe erledigen. Also wurden die zwei Blumenelfen Viola und Silene auserwählt, sich der Sache anzunehmen.
Sie steckten die Tarnkappe tief in ihr Bündel, und machten sich sofort auf den weiten Weg.
Unterwegs kamen sie an einem kleinen lustig plätschernden Bach vorbei. Und weil sie schon so sehr müde waren, beschlossen sie ein kleines Nickerchen zu machen.
Doch das war ein Fehler. Unsanft wurden sie geweckt. Mit Entsetzen merkten die Elfen, dass sie unter einem Netz gefangen waren. Ängstlich sahen sie sich um. Eine wilde Horde Männer mit zottigen Bärten und buschigen Augenbrauen umringten sie mit lautem Geschrei.
"Was für zwei Täubchen sind uns da ins Netz gegangen", grölte der Anführer der Bande. Mächtig baute er sich vor den ängstlichen Elfen auf.
"He Leute, die lassen sich gut auf dem Markt verkaufen. So wie die aussehen, sind sie etwas ganz besonderes." Er lachte so laut und kräftig, dass sein roter Bart wackelte. Dann befahl er seinen Männern:
"Holt sie unterm Netz hervor und bindet ihnen Hände und Füße zusammen, damit sie uns nicht weglaufen können." Grölend und mit viel Gelächter wurden Viola und Silene unterm Netz hervorgezerrt und gefesselt. Da standen sie nun vor dem Räuberhauptmann und zitterten vor Angst.
"Ich will wissen wer und was ihr seid", donnerte seine Stimme.
"Ich finde, ihr seht ein bisschen merkwürdig aus." Viola nahm ihren ganzen Mut zusammen.
"Das ist Silene, und ich heiße Viola. Wir sind zwei Elfen und haben euch nicht belästigt. Also lasst uns frei, damit wir weiterziehen können." Der Anführer musste schallend lachen.
"So so, zwei Elfen. Und ihr wollt weiterziehen. Ich kann es noch gar nicht glauben. Was für ein Glück für uns. Wir werden einen Spitzenpreis für euch bekommen." Dann befahl er:
"Los auf den Wagen mit ihnen. Wir ziehen weiter!" Nach einer Weile, als sich Viola und Silene beruhigt hatten, beratschlagten sie flüsternd was sie tun könnten, um den Räubern zu entkommen.
"Solange wir gefesselt sind, können wir nichts machen. Wir können nicht einmal die Tarnkappe nutzen", sagte Silene bedrückt.
Die Räuberbande fuhr in schneller Fahrt, um den Wald zu erreichen Es wurde schon dunkel, und außerdem begann es zu regnen.
"Der Regen ist unsere Chance. Ich habe eine super Idee", flüsterte Viola.
"He Hauptmann! Das Wetter wird schlecht. Es beginnt zu regnen", rief sie nach vorne.
Der Anführer ließ den Wagen anhalten, und drehte sich zu den Elfen um.
"Na und? Was kümmert mich der Regen. Halt deinen Mund und gib Ruhe." Aber Viola gab nicht auf. "Weißt du denn nicht", fragte sie den Räuber, "dass Elfen nie einen nassen Kopf bekommen dürfen? Nässe hat für uns schlimme Folgen. Du willst uns doch für viel Geld verkaufen. Aber wenn wir durch den Regen geschädigt werden, bekommst du gar nichts für uns." Der Räuber horchte auf.
"Also gut. Ihr bekommt eine Decke zu eurem Schutz." "Nein", sagte nun auch Silene, "eine Decke nützt uns nichts. Binde uns die Hände los, damit wir unsere Mütze aufsetzen können." "Das ist alles?", fragte er erstaunt. "Bindet sie los. Aber nur ihre Hände", befahl er seinen Männern. Die Elfen freuten sich, dass die Räuber so dumm waren. Kaum waren ihre Hände frei, holten sie die Tarnkappe aus ihrem Bündel, und weg waren sie. Die Räuber wussten erst nicht was sie sagen sollten. Dann brüllte der Anführer:
"Wo sind sie hin? Das kann nicht sein! Das ist Hexenwerk. Sucht sie! Die können nicht einfach so verschwinden." Die unsichtbaren Elfen freuten sich über die dummen Räuber.
"Jetzt werden wir ihnen auch einmal Angst machen", sagte Viola, und flog nach vorne zu den Pferden die den Wagen zogen.
"Lauft meine Freunde", flüsterte sie ihnen ins Ohr. „Lauft, als ob der Teufel hinter euch her wäre." Die Pferde verstanden und galoppierten los. Die Räuber aber, die darauf nicht gefasst waren, purzelten auf ihrem Wagen wild durcheinander und verschwanden in der Nacht.
Viola und Silene zogen sich die Kappe vom Kopf und steckten sie wieder weg.
"Das wäre geschafft", freute sich Silene. Und Viola meinte: "Die fangen bestimmt keine Elfen mehr ein." Sie suchten sich einen sicheren Unterschlupf und warteten die Nacht ab.
Am nächsten Morgen zogen sie weiter, und gelangten auch bald zu dem Wald in dem der Zwerg wohnte. Um sicher zu sein, von den Unholden nicht entdeckt zu werden, zogen sie sich die Tarnkappe über. Es dauerte eine Weile bis sie Graubart endlich gefunden hatten.
Er kauerte ängstlich zwischen einer Hecke am Eingang seines Bergwerks. Ganz in der Nähe konnte man das laute Geschrei der Gnome und Trolle hören, die auf der Suche nach dem Zwerg waren. Als dann Viola und Silene ganz dicht bei dem Zwerg standen, und sich die Kappe herunterzogen, erschrak dieser so sehr, dass er fast rückwärts umgefallen wäre.
Aber als er erkannte, dass es die Elfen waren, zog er sie zur Sicherheit schnell in den Eingang hinein. Er bedankte sich überschwänglich und wollte auch sogleich den Sack mit den Edelsteinen holen. Doch Viola und Silene lehnten dankend ab, und gaben ihm zu verstehen, dass Edelsteine für Elfen keine große Bedeutung haben. Für sie sind Liebe, Freundschaft und Hilfsbereitschaft, viel mehr Wert als alles Gold der Welt. Außerdem lachen, tanzen und singen sie gerne.
Graubart schüttelte nur den Kopf und sah die Elfen verständnislos an.
Langsam wurde es Zeit, sich auf den Heimweg zu machen. Zum Abschied versprachen sie, wann immer er ihre Hilfe brauche, ihm stets zu helfen.
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Eingereicht am 21. Oktober 2006.
Herzlichen Dank an die Autorin / den Autor.
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