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Patricia Koelle: Das Traumnest

Patricia Koelle
Das Traumnest
Wie kleine Träume groß werden
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Die Nebelhexe Gisela

Max und Mäxchen

Dieser Text ist urheberrechtlich geschützt. Nachdruck und Vervielfältigungen, auch auszugsweise, bedürfen der schriftlichen Zustimmung des Autors.

Laura fliegt zum Regenbogen

© Petra Freiberg

Laura kann den Regenbogen sehen. Mit seinen leuchtenden Farben, scheint er ganz nah zu sein. Er ist so bunt, so bunt. Rot, gelb, grün, blau und noch viel mehr.

Doch wie seltsam! Es sieht so aus, als würde er da vorne beginnen und da hinten wieder aufhören. Dabei hat Papa ihr gesagt, dass er weder Anfang noch Ende hat. Schon oft hat Laura sich gefragt, wie es wohl ist, ganz hoch oben auf dem Regenbogen zu stehen. Von dort oben hinab zu schauen, auf die Erde.

Vielleicht trägt er ja sogar irgendein Geheimnis hinter seinem hohen Gipfel?! Sieht er nicht so aus, als wäre er ein riesiges Tor zu einer anderen Welt?

Bald hat Laura Geburtstag. Sie weiß auch schon, was sie sich wünschen wird. Einmal nur, nur ein einziges Mal, möchte sie dort hinauf fliegen. Ein einziges Mal auf dem Regenbogen stehen. Ob man ihr diesen Wunsch erfüllen kann?

"Ja, kleine Maus, Maus", sagt Papa. "Sobald der Regenbogen wieder am Horizont erscheint, fliegen wir hinauf, nur du und ich. Wir zwei, ganz allein. Oh, wird das ein Spaß." Vor lauter Freude klatscht er in die Hände.

"Geht denn das wirklich? Können wir dort hinauffliegen?", fragt Laura.

"Aber natürlich", kommt schon die Antwort.

Dann, eines Morgens, ist es soweit.

"Steh auf, kleine Maus, Maus", sagt Papa. Er steht am Fenster und zieht die Vorhänge auf. "Schau mal, vorhin hat es geregnet. Jetzt scheint die Sonne. Weißt du, was das bedeutet?" "Ja", sagt Laura. "Draußen muss der Regenbogen sein. Aber ich habe doch noch gar nicht Geburtstag!"

"Egal kleine Maus, Maus, lass uns heute schon fliegen. Versprochen ist versprochen. Und wer weiß, wann der Regenbogen wieder da sein wird?!"

Noch nie hat sich Laura so schnell gewaschen und angezogen. Sie ist so aufgeregt! Dann gehen beide hinunter in den Garten.

"Nanu, was ist denn das?", staunt Laura. Papa reicht ihr große, bunte Flügel aus Pappe. "Kann ich damit fliegen?", fragt sie.

"Jawohl", lächelt er geheimnisvoll. "Das sind Zauberflügel. Und für mich", meint er, "habe ich auch welche."

Schnell, sind sie umgebunden und nun sehen die Beiden fast wie Schmetterlinge auf zwei Beinen aus.

"Jetzt schließ die Augen, kleine Maus, Maus. Gleich geht`s los", sagt Papa. "Ich muss nur noch den Zauberspruch aufsagen."

Flügel, die ihr aus Pappe seid
macht euch jetzt zum Flug bereit
fleißig sollt ihr schlagen
und uns zum Regenbogen tragen.

Laura spürt, wie sie ganz leicht wird. Ganz leicht. "Darf ich die Augen aufmachen, Papa?"

"Nein, du musst sie noch ein wenig zuhalten. Nur dann können wir den Regenbogen erreichen! Spürst du, wie die Flügel schlagen?"

Ja, Laura kann es ganz deutlich spüren.

Langsam steigt sie auf. Stück für Stück. Meter für Meter. Sie muss jetzt schon so hoch sein, wie der Baumwipfel. Es geht höher und höher. Sie stellt sich vor, wie es von hier oben jetzt aussehen mag. Ein kleines, winzig kleines Mal kann sie doch nachschauen, oder?

Vorsichtig blinzelt sie mit den Augen. Aber nanu, träumt sie etwa? Die Stadt unter ihren Füßen, wird immer kleiner. Die Autos sehen aus, als wären sie kleine Krabbelkäfer und aus den Menschen in den Straßen werden Punkte. Von hier oben wirken die Bäume, als wären sie nur Grasbüschel. Und das Hochhaus da unten, könnte ebenso gut eine Streichholzschachtel sein. Kräftig ziehen die Flügel sie nach oben. Direkt in Richtung Regenbogen. Oh, ist das aufregend!

"Pass auf, kleine Maus, Maus", ruft Papa ihr zu. "Gleich fliegen wir auf die ersten Wolken zu. Stoß nicht mit ihnen zusammen, das haben sie nicht gerne." Und er lacht laut.

Nein, Laura wird aufpassen. Hier ist doch so viel Platz. Der Himmel ist unendlich weit. Sie wird den Wolken einfach ausweichen.

Pock. Doch nicht aufgepasst. Laura ist an eine der vielen Wolken gestoßen. Sie ziehen so schnell vorbei und haben ihren Weg gekreuzt.

"Kannst du nicht aufpassen?", schimpft die Wolke und schaut böse.

"Das tut mir leid. War ein Versehen", ruft Laura noch. Für mehr bleibt keine Zeit, denn die Flügel tragen sie und Papa weiter fort.

"Kommt mir nicht zu nahe", warnt jetzt die Sonne. "Ich bin so heiß, ich würde euch verbrennen und das möchte ich ganz bestimmt nicht."

Doch die Beiden kommen ihr nicht zu nahe. Sie müssen jetzt sowieso eine kleine Kurve fliegen, denn da vorne strahlt bereits der Regenbogen. Fast, als wäre er zum Greifen nah. Nur noch ein paar Flügelschläge und sie werden auf ihm landen können. Wie sich das wohl anfühlt? Laura freut sich so sehr, dass sie es jetzt kaum mehr abwarten kann.

"Halt", dröhnt aber plötzlich eine laute Stimme. Ein wunderschöner, großer, bunter Vogel, versperrt den Beiden den Weg. Ach, dieser Vogel ist aber wirklich sehr groß! Ganz weit hat er seine Flügel ausgebreitet. Er schaut sehr, sehr ernst auf die Beiden.

"Ich bin der Wächter des Regenbogens, sagt mir eure Namen. Erst dann kann ich euch hier landen lassen."

Laura und Papa schauen sich verdutzt an.

"Mein Name ist Laura", sagt sie, "und das ist mein Papa, der heißt Frank." Sie schauen ganz freundlich und lächeln. Dann dürfen sie bestimmt auf dem Regenbogen landen.

"Nein" antwortet aber der Vogel. "Mit den Namen kann ich euch hier nicht hinauf lassen." Er schüttelt den Kopf.

"Aber warum denn nicht?", fragt Papa. "Wir sind extra den weiten Weg geflogen, um ein Mal auf dem Regenbogen zu stehen. Können wir denn nicht??"

"Doch sagt der Vogel. "Ich gebe euch andere Namen. Dann dürft ihr hier landen." "Du, kleine Dame, heißt hier Firlefanz." Natürlich meint er Laura. Jetzt schaut er auf Papa. "Und du heißt hier Sonnenwind. Wenn ihr die Namen annehmt, dürft ihr hier landen.

Laura und Papa sind einverstanden.

"Jetzt will ich endlich auf dem Regenbogen stehen", lacht Laura.

"Ja gut, kleine Maus, Maus", antwortet Papa. Sogleich setzen sie auf.

Oh, ist das schön weich. So unglaublich weich, ist der Regenbogen. Und seine Farben strahlen noch viel mehr, wenn man ihm so nahe ist. Nämlich rot, gelb, grün, blau und noch viel mehr. Sie stehen da oben und schauen hinab zur Erde. Man kann ja kaum was erkennen. So winzig ist alles. Die kleinen, gelben Kästchen in der Tiefe, müssen die Kornfelder sein. Das rote Kästchen daneben ein Dorf?

"Lass uns tanzen, kleine Maus, Maus", sagt Papa. Und er tanzt fröhlich mit Laura. Vor und zurück, hin und her. Macht das ein Spaß.

Doch Hoppla, mal wieder nicht aufgepasst. Sie fallen hinunter und plumpsen auf eine Wolke. Aber die schimpft nicht, so wie die andere vorhin.

"Willkommen im Regenbogenland", sagt diese Wolke nur freundlich.

"Regenbogenland?", fragt Laura. Erst jetzt merkt sie, dass sie auf die andere Seite des Regenbogens gefallen sind. Sie kann kaum glauben, was sie sieht. Auch Papa schaut sich staunend um. Wie schön hier alles ist. Bunt so bunt ist es. Ob es die Bäume, die Pflanzen, oder die Tiere sind; alles hier ist bunt, bunt, bunt.

"Jawohl, ihr seit im Regenbogenland", sagt da eine Stimme. "Ich begrüße euch, Firlefanz und Sonnenwind."

Laura und Papa erschrecken. Sind das nicht die Namen, die ihnen der Vogel gegeben hat? Und wer spricht denn da überhaupt? Ach, das können sie kaum fassen. Auf der Wolke da drüben, gleich da drüben, sitzt eine wunderschöne Frau, mit langem Haar. Ihr Kleid ist bunt, so bunt, nämlich rot, gelb, grün, blau und noch viel mehr. Auf dem Kopf trägt sie eine kleine Krone. Ist das eine Prinzessin?

"Ich bin Lillibeth, die Königin vom Regenbogenland", lächelt die Frau.

"Ooooh, ein echte Königin", staunt Laura. Papa verneigt sich.

"Ich freue mich sehr über euren Besuch", sagt die Königin. "So sehr, dass ihr einen Wunsch frei habt."

"Juhu, einen Wunsch frei", freuen sich Laura und Papa. Laura freut sich sogar so sehr, dass sie fast von der Wolke fällt, auf der sie stehen. Achtung! Nicht runterfallen, Papa hält sie fest. "Du hast es gehört. Also wünsch dir was, kleine Maus, Maus", sagt Papa.

"Oh", juchzt Laura, so vergnügt ist sie. "Übermorgen habe ich Geburtstag. Dann möchte ich eine Torte, die so bunt, bunt ist, wie Regenbogenland."

"Die wirst du bekommen, Firlefanz", winkt Königin Lillibeth von ihrer Wolke rüber. Dann fliegen sie und Papa wieder los. Es wird höchste Zeit, nach Hause zu kommen, bevor es dunkel wird.

"Auf Wiedersehen Lillibeth, auf Wiedersehen", winken beide. Demnächst werden sie noch einmal herkommen, da sind sie sich sicher.

Die Flügel aus Pappe schlagen kräftig. Auf ihrem Weg nach unten, passen die Beiden diesmal auf. Sie kommen nicht zu nah an die Sonne und keiner von ihnen stößt an die Wolken. Die bedanken sich dafür mit einem Lächeln.

"Kommt bald mal wieder", rufen sie Laura und Papa zu.

"Ui", lacht Laura laut. Wir sind so schnell, das kitzelt im Bauch."

"Ui", lacht auch Papa. Die Schläge der Flügel werden langsamer.

Sie kommen der Erde immer näher. Da fahren Autos, die Menschen kann man wieder erkennen. Und das Hochhaus sieht auch nicht mehr aus wie eine Streichholzschachtel. Jetzt ist es wieder viel größer. Sie nähern sich den Baumwipfeln und langsam, ganz langsam landen sie im Garten.

"Das war so schön. Wunderschön", freut sich Laura. "Darf ich die Augen wieder aufmachen Papa?"

Papa lacht. Lacht und lacht.

"Aber kleine Maus, Maus. Du hattest sie doch gar nicht geschlossen. Die ganze Zeit waren sie offen, weißt du nicht mehr?"

Nur ein paar Tage später, ist Lauras Geburtstag. Es gibt eine wunderschöne Torte und die ist so bunt, so bunt. Rot, gelb, grün, blau und noch viel mehr.

Doch alles gar nicht geträumt, wie sie erst gedacht hat? Denn auf der Torte steht dick mit Sahne etwas geschrieben:

Alles Gute zum Geburtstag und Grüße aus dem Regenbogenland
Lass es dir schmecken und komm bald mal wieder, kleine Firlefanz.

Dieser Text ist urheberrechtlich geschützt. Nachdruck und Vervielfältigungen, auch auszugsweise, bedürfen der schriftlichen Zustimmung des Autors.

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