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Der Drache und der Prinz

© Miriam Müller


Es war einmal eine sehr nette, hübsche und blitzgescheite Prinzessin. Die saß in ihrem Schloss und war sehr unglücklich. Sie langweilte sich fast zu Tode. Tagein, tagaus saß sie oben in ihrem Turmzimmer und wartete darauf, endlich ein bisschen Gesellschaft zu bekommen. Aber unten im Schloss saß ein furchterregender Drache und der ließ nur ausgesuchte kleine Prinzessinnen rauf. Die waren aber fürchterliche Zicken und zu nichts zu gebrauchen, weil ihnen dauernd der Nagellack abging oder der Lippenstift verschmierte. Wie sehr sehnte sich die Prinzessin nach etwas ordentlicher Gesellschaft. Sie hatte auch schon von Prinzen gehört, die Prinzessinnen wie sie eine war aus ähnlichen Situationen befreit haben sollen. Sie wusste, dass bereits ein paar Prinzen unten gewesen waren, aber der Drache hatte sie alle in die Flucht geschlagen.
Doch auf einmal öffnete sich die Turmzimmertür und herein kamen der Drache und ein junger Prinz. Der Drache erklärte, endlich sei ein Prinz gekommen, den er der Prinzessin für würdig hielt. Er sei so höflich und zuvorkommend, gebildet und reich, und er müsse die Prinzessin sehr lieben, denn er sei bereit, die letzte Prüfung abzulegen, die noch zwischen ihm und der Prinzessin stünde. Die Prinzessin fragte, was das denn für eine Prüfung sei, und der Drache antwortete, dass der Weg der Liebe frei sei, sobald der Prinz den Drachen geküsst hätte. Der Prinzessin wurde übel. Hatte der Prinz etwa tatsächlich eingewilligt, diesen ekelhaften Drachen zu küssen? Aber sie brauchte sich nicht lange zu fragen. Beherzt schlang der Prinz die Arme um den Hals des Drachen und drückte ihm einen dicken Schmatzer auf den Mund. Augenblicklich verwandelte sich der Drache in die Königin. Mit einem charmanten Lächeln verkündete diese dem Prinz, er habe sie erlöst. Die Prinzessin sah die Königin an. "Mutter, da warst du so lange!? Ich habe dich schon jahrelang gesucht. Das hättest du aber wirklich sagen können." "Aber mein Kind", antwortete die Königin, " das habe ich doch nur für dich gemacht. Und jetzt hast du endlich einen ordentlichen Prinzen, den du heiraten kannst." "Den? Den kannst du selber heiraten. Ich will ihn jedenfalls nicht. Ich möchte sowieso noch gar nicht heiraten. Und jetzt, wo der schreckliche Drache weg ist, kann ich ja endlich nach draußen und mir ein paar Freunde suchen." Das sprach die Prinzessin, lief im nächsten Augenblick schon die vielen Treppen des Turms hinunter, machte sich in der Schlossküche noch ein Butterbrot und zog in die Welt. Der Prinz und die Königin zuckten die Schultern, setzten sich bei einer Tasse Kaffee hin und klagten sich gegenseitig ihr Leid. Dabei entdeckten sie so viele Gemeinsamkeiten, dass sie beschlossen, tatsächlich zu heiraten. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann ziehen sie noch heute über die Prinzessin her.
Antonia Stahn: Max und Mäxchen. Kindergeschichten für große und kleine Leser. Dr. Ronald Henss Verlag, 2006. ISBN 3-9809336-7-9
Antonia Stahn
Max und Mäxchen
Kindergeschichten für große und kleine Leser

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ISNB 3-9809336-7-9
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Eingereicht am 24. Oktober 2006.
Herzlichen Dank an die Autorin / den Autor.
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