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Eislaufen ist doch "pipileicht"

© Michaela Godefroy


Eines schönen Wintertages beschlossen meine Eltern mit Ihren Freunden Barbara und Georg, nach Langenfeld auf den Tennishartplatz zu gehen und ein kleines, gemischtes Doppel zu wagen. Wir Kinder, Michaela genannt Stineline, Georg genannt Schöschchen und ich, durften mit. Schon nach kurzer Zeit, die Erwachsenen hatten sich gerade erst eingeschlagen, wurde uns langweilig.
Also beschlossen wir, die Umgebung zu erkunden. Auf den Zweigen der Bäume taute der letzte Schnee und von den Strahlen der Wintersonne erwärmt, durchstreifen wir die Gegend. Nach einiger Zeit trafen wir auf ein hoch eingezäuntes Gelände, das verlassen schien. Hinter dem Zaun befanden sich zwei in der Nachmittagssonne funkelnde Eisflächen, die uns magisch anzogen.
"Au ja, Eislaufen" meinte Schöschchen "das wär`s doch jetzt! Los kommt, wir klettern über`n Zaun, da ist schon keiner der uns sieht!" Stineline zog Ihre kleine Stupsnase mit den tausend Sommersprossen kraus und deutete nur stumm auf die große Tafel mit der Aufschrift "Betreten strengstens verboten!
Eltern haften für Ihre Kinder!"
"So`n Quatsch, ist doch niemand da, der uns verpetzen könnte", Schöschchen schaute uns breit grinsend an "oder seid Ihr zwei Gänse etwa feige?" Stine und ich wechselten zweifelnde Blicke, hin und her gerissen zwischen der Angst, etwas eindeutig Verbotenes zu tun und dem Wunsch nicht als Feiglinge dazustehen. "Was soll`n da schon groß passieren, " Schöschchen winkte verächtlich mit der Hand "stellt Euch bloß nicht so an!". Also gut, ich gehe jedenfalls! Ihr könnt ja nachkommen, wenn Ihr Euch traut!" sprach`s und begann behände wie ein Äffchen über den hohen Zaun zu klettern. Immer noch unentschlossen starrten wir ihm hinterher und bald hörten wir ihn juchzen "das ist ja toll, so was habt Ihr noch nicht gesehen! Los kommt her und schaut Euch das an!" Neugierig geworden ob seiner Begeisterung, vergaßen wir die Angst und beeilten uns, ebenfalls über den Zaun zu klettern. Die beiden Eisflächen glitzerten verführerisch und in der Mitte verlief ein Graswall, auf dem man mit etwas Geschick entlang balancieren konnte. Hier und da lag noch etwas Schnee, doch die Sonne hatte bereits große Stücke Erde freigelegt. "Das ist doch perfekt zum Eislaufen. Guckt mal, sieht aus wie eine richtige Eisbahn. Was meint Ihr, wie schnell ich da schlittern kann!" Schöschchen war nicht zu bremsen. Stine und ich wechselten wieder einen skeptischen Blick. "Trägt das Eis denn überhaupt noch?" fragte ich vorsichtig. "Klar doch" lachte Schöschchen und hüpfte auf dem Eis auf und ab, "da tut sich gar nichts!" "Nö, lass mal", meinte jetzt auch Stine "wir bleiben lieber hier und schauen dir zu" "Na gut Ihr Angsthasen, hab ich eben den ganzen Spaß für mich alleine!" Und damit nahm er Anlauf und sauste davon.
Neidisch schauten wir ihm hinterher und jede von uns dachte wohl "schade, dass ich zu feige bin!" In diesem Moment erschallte ein markerschütternder Schrei "Hilfeeee, Hilfeeee, ich geh unter!" So schnell wir konnten rannten wir ans andere Ende der Eisbahn. Dort steckte ein wild zappelnder Schorsch, in einer undefinierbar braunen Brühe fest. "Igitttigitt, wie stinkt denn das?" Stine hielt sich die Nase zu und auch ich musste schnell den Ärmel vor Mund und Nase drücken, denn ein widerlicher Gestank stieg aus der braunen Brühe wie eine Wolke zu uns hoch. "Bäh, was ist das denn?" angewidert starrten wir Schöschchen an, der mit verzweifelter, sich überschlagender Stimme schrie: "steht doch nicht so blöde rum! Holt mich endlich hier raus!" Hilflos schauten wir uns nach einem geeigneten Werkzeug um, aber weit und breit war nichts zu sehen. Schorsch war für seine elf Jahre zudem sehr groß und kräftig, während wir, Stine und ich, mit unseren neun Jahren, zierlich und klein waren. "Wie denn verdammt noch mal, wir schaffen das nicht, wir zwei! Ich renn zurück zum Tennisplatz und hol Hilfe, " damit war Stine verschwunden und ich mit ihm alleine. Die braune Brühe hatte ihn bereits bis zum Hals eingeschlossen und noch immer ruderte er wild mit den Armen. "Hilf mir doch, ich geh unter" keuchte er. Die Angst kroch mir eiskalt den Rücken hoch, "lieber Gott, was wenn er jetzt hier untergeht? Bitte, bitte lieber Gott, mach das ihm nichts passiert!" Gleichzeitig warf ich mich auf den Boden und robbte so weit es ging an den Rand des Walls, "hör auf zu schreien, sei ruhig und nehm meine Hand, aber nicht zu doll ziehen! Sonst gehen wir noch beide unter!" Schöschchens Hand war glitschig und eiskalt und zitterte so stark, dass er mir ein paar Mal entglitt. "Fester, halt doch fester" rief ich panisch" "ich kann nicht fester, ich kann überhaupt nicht mehr" heulte er. In diesem Moment hörten wir die Rufe von Erwachsenen und zitternd vor Erleichterung sah ich seine Eltern auf uns zu rennen. Sein Vater warf sich neben mir auf den Boden, packte entschlossen den Ärmel seines Sohnes und mit einem kräftigen Ruck hatte er ihn auch schon am Ufer. Schöschchen ließ sich widerstandslos und ziemlich kleinlaut von seinem böse fluchenden Vater ins Auto verfrachten.
Trotz der weit aufgerissenen Fenster konnte man von außen sehen, dass der Gestank, der von Schöschchen ausging, beide fast umbrachte.
Völlig benommen von dem soeben ausgestandenen Schrecken, nahm ich nur undeutlich wahr, wie meine Eltern mich ins Auto trugen, in eine Decke einwickelten und mir etwas Heißes aus der Thermoskanne einflößten. Auch Stine, die neben mir auf dem Rücksitz kauerte, zitterte noch wie Espenlaub von dem soeben ausgestandenen Erlebnis.
"Mein Gott" donnerte mein Vater los, "wer von Euch Idioten ist eigentlich auf die hirnverbrannte Idee gekommen, ausgerechnet auf der öffentlichen Kläranlage Eis zu laufen?
Entgeistert starrten Stine und ich uns an. Dann brachen wir in schallendes Gelächter aus: "Schöschchen natürlich, wer sonst!" "Na, da hat ja der Richtige den Schaden!" meinte mein Vater. Stine und ich schauten uns an und glucksten" und wenn das die Anderen morgen in der Schule erst hören…."
Antonia Stahn: Max und Mäxchen. Kindergeschichten für große und kleine Leser. Dr. Ronald Henss Verlag, 2006. ISBN 3-9809336-7-9
Antonia Stahn
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Eingereicht am 21. November 2006.
Herzlichen Dank an die Autorin / den Autor.
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