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Eingereicht am
22. Februar 2007

Die verschworenen Vier - Das Geheimnis der Jugendherberge

© Peter Bochanan

Claudia, Wilma, Sigi und Kurt hatten sich schon seit Wochen darauf gefreut - nun war es endlich so weit. Sie machten mit der Schule einen einwöchigen Ausflug und wohnen sollten sie während dieser Zeit in einer Jugendherberge. Nicht nur sie sondern die ganze Klasse war aufgeregt als sie sich morgens auf dem Schulhof versammelten weil der Bus sie für die fast vierstündige Fahrt dort aufnehmen sollte.

Es war kurz nach acht Uhr morgens als der Bus kam. Der Fahrer stieg aus und verstaute die kleinen Koffer und die Reisetaschen der Schüler im großen Gepäckraum an der Längsseite des Busses.

Das Handgepäck nahmen die Kinder mit in den Bus. Darin hatten sie alles was sie für die lange Fahrt brauchten, etwas zu essen und zu trinken und auch Spiele oder Bücher um sich die Zeit zu vertreiben.

"Bin mal gespannt wie es da so ist in der Herberge " sagte Kurt, sich Sigi zuwendend der neben ihm saß.

"Ich war zwar schon in Hotels wenn ich mit meinen Eltern in Urlaub war aber noch nie in ner Jugendherberge."

"Ich war vor drei Jahren mal in einer als wir nicht in Urlaub fahren konnten weil mein Vater ein Bein in Gips hatte " entgegnete Sigi " aber ich fand es toll da. Der Herbergsvater war ein ganz lieber, der hat sogar mit uns ein Lagerfeuer und ne Nachtwanderung gemacht."

Die beiden Mädchen hatten es sich ganz hinten im Bus gemütlich gemacht und schmökerten gemeinsam in einer Tierzeitschrift. Claudia liebte Katzen und Wilma schwärmte mehr von Hunden aber von beidem gab es reichlich an Fotos in der Zeitschrift und eines war süßer als das andere.

So verging ihnen die Zeit genauso schnell wie den Jungs die sich mit einem Game Boy amüsierten und alle waren bas erstaunt als der Bus plötzlich hielt und der Lehrer sie aufforderte auszusteigen.

"Mann, das ging aber fix, ich hab gar nicht gemerkt dass wir schon so lange unterwegs sind."

Kurt machte ein verdutztes Gesicht, erhob sich aber dann und ging in Richtung der Türe, gefolgt von Sigi. Draußen nahmen sie ihre Koffer entgegen und warteten bis die Mädchen die ihren auch hatten. Dann schlenderten sie auf die Einganstür der Jungendherberge zu. Drinnen wurden sie vom Herbergsvater und seiner Frau erwartet und begrüßt und dann auf die Zimmer verteilt.

Dann konnten sie endlich ihre Sachen auspacken und einräumen und in den Speisesaal gehen denn sie hatten alle reichlich Kohldampf von der langen Fahrt und waren genau rechtzeitig zum Mittagessen eingetroffen.

Die Jungs waren mit auspacken und einräumen wesentlich schneller fertig und als die Mädchen zu ihnen stießen fragte Kurt

"Wo bleibt ihr denn so lange, wir warten schon seit Stunden auf euch. Ich bin froh wenn ich was zu beißen krieg, mein Magen hängt schon auf den Knien."

"Na wenn ihr so schnell fertig wart mit auspacken dann möchte ich mal gerne euere Schränke sehen. Die schauen bestimmt aus wie Kraut und Rüben " frotzelte Claudia und klopfte Sigi scherzhaft auf die Schulter

"Na kommt, laßt uns essen gehen."

Sie betraten den Speisesaal und stellten sich als erstes an der Essensausgabe an. Heute Mittag gab es Bauchfleisch mit dicken Bohnen und Kartoffeln, sah wirklich lecker aus. Dazu gab es für jeden noch einen großen Apfel mit leuchtend roten Bäckchen und einen halben Liter Milch.

Nachdem sie alle satt waren meldete sich der

Lehrer, Herr Borchert, noch einmal zu Wort und verkündete das sie am Nachmittag eine kleine Wanderung machen würden.

15 Minuten später stand die ganze Klasse abmarschbereit vor der Herberge und da stiefelten sie los. Einer der Klassenkameraden hatte seine Mundharmonika mitgebracht und so sangen alle fröhlich mit zu seiner Melodie.

Als sie dann am frühen Abend ihr Domizil wieder erreicht hatten merkten sie doch langsam, dass der Tag lang gewesen war. Noch bevor es Abendbrot gab sah man die ersten bereits gähnen aber das Essen wollte sich keiner entgehen lassen denn die frische Luft hier draußen machte doch sehr hungrig. Dann jedoch verzogen sich die Kinder recht schnell auf ihre Stuben und machten sich eilends bettfertig.

Als das Licht gelöscht wurde lagen alle schon in den Federn und manche schliefen gar schon. Kurt und Sigi hatten sich zwei Betten direkt am großen Fenster des Schlafsaales sichern können. Sie liebten es beide nachts bei offenem Fenster zu schlafen.

"Gute Nacht Alter, schalf gut" wünschte Kurt seinem Freund und drehte sich auf die andere Seite. Es dauerte auch nicht lange und die beiden waren eingeschlafen.

Irgendwann in der Nacht schreckte Kurt aus dem Schalf hoch. Etwas hatte ihn geweckt aber er wußte nicht was.

"Hast wahrscheinlich geträumt " sagte er zu sich selbst und wollte sich schon wieder herumdrehen um weiter zu schlafen, da war das Geräusch schon wieder. Irgendjemand polterte da draußen mit etwas herum - mitten in der Nacht.

Auch Sigi war erwacht und fragte

"Was ist denn jetzt los, feiert hier einer Polterabend während andere schlafen wollen? "

"Ich weiß nicht was los ist, komm, laß uns mal nachschauen."

Damit standen die beiden auf und schlichen leise zum offenen Fenster.

Kurt sah auf seine Armbanduhr, halb drei, das durfte ja wohl nicht wahr sein.

Sie lehnten sich beide vorsichtig aus dem Fenster und schauten hinunter in den Hof. Da stand doch tatsächlich ein weißer Lieferwagen und wurde entladen - ts ts ts, um diese Zeit. Zwei Männer waren damit beschäftigt größere Kartons und Kisten aus dem Auto zu holen und in einem Schuppen zu verstauen der auf der anderen Seite des Hofes stand.

Als sie mit entladen fertig waren verschlossen sie sorgsam die Tür des Schuppens und stiegen in den Wagen ein aber anstatt den Motor zu starten und loszufahren wie es eigentlich üblich ist löste der Fahrer nur die Handbremse und ließ den Wagen rollen bis sie so etwa 200 Meter von der Herberge weg waren. Dann erst startete er und fuhr ohne das Licht einzuschalten weiter.

"Hmmm, merkwürdig was? " Kurt kratzte sich am Kopf und sah Sigi fragend an " Erstens warum liefern die nachts statt am Tage und zweitens warum fährt der ohne Motor und Licht los bis er weit genug weg ist? Ich werde morgen mal versuchen etwas beim Herbergsvater zu erfahren aber nun sollten wir sehen das wir wieder in die Betten kommen bevor wir noch die anderen wecken."

Damit war das Thema für heute Nacht erstmal durch.

Als die Jungs am nächsten morgen zum Frühstück erschienen waren die Brötchen noch nicht eingetroffen. Sie seien aber bereits unterwegs, so versicherte ihnen die Köchin der es sichtlich peinlich war dass so was passierte wenn die Bude voll war.

Die Kinder sahen das nicht so eng und gingen statt an ihrem Tisch zu warten nach draußen, um etwas frische Luft zu schnappen.

Als sie draußen waren erzählte Kurt den Mädchen was sie letzte Nacht beobachtet hatten. Auch die fanden das recht merkwürdig aber

Wilma, die ständige Optimistin der Truppe, meinte das es dafür bestimmt eine ganz rationale Erklärung gäbe.

Kaum hatte sie den Gedanken zu Ende geführt da hörten sie Motorengeräusche die schnell näher kamen und dann bog der weiße Lieferwagen in die Auffahrt ein den die Jungs letzte Nacht beim Entladen beobachtet hatten.

Kurt stieß Sigi den Ellenbogen in die Seite und sagte

"Schau mal an, die haben wohl verschlafen was? War ja auch recht spät gestern."

Der Herbergsvater, der die Motorengeräusche auch gehört hatte stürmte heraus und lief auf den Wagen zu.

"Lieber Walter, kannst du mir mal bitte sagen wo du bleibst? Die Kinder warten schon auf ihr Frühstück. Warum hat das denn heute so lange gedauert? "

Die Antwort konnten die vier nicht mehr verstehen denn die beiden Männer standen sich nun direkt gegenüber. Der Fahrer öffnete die hintere Türe des Lieferwagens und holte drei riesige Tüten mit Brötchen hervor. Diese trugen sie dann gemeinsam hinein und die Kinder gingen gleich hinterher damit sie jetzt endlich essen konnten.

Der Herbergsvater blieb an der Ausgabe stehen um mitzuhelfen den großen Ansturm zu bewältigen. Als Kurt an der Reihe war kam ihm eine Idee und als der Herbergsvater im zwei Brötchen auf den Teller legte den er ihm hinhielt fragte er

"Schlimm schlimm, was, kein Verlaß mehr auf die Bäcker von heute."

Dabei schüttelte er demonstrativ den Kopf aber der Herbergsvater lachte nur und antwortete

"Das war nicht der Bäcker, das ist Walter, mein Hausmeister und Mädchen für alles. In so einem Bau hier geht öfter mal was kaputt und da wir uns Handwerker nicht leisten können weil die zu teuer sind haben wir Walter eingestellt. Der verdient hier zwar auch nicht die Welt aber besser als gar nichts und so ist beiden Seiten geholfen."

Dann ging Kurt an seinen Tisch wo Sigi und die Mädchen schon auf ihn warteten.

"Wißt ihr wer das war den wir da heute Nacht beobachtet haben, der Hausmeister. Jetzt frag ich mich allen ernstes was der hier mitten in der Nacht zu suchen hat. Ich wüßte zu gerne einmal was der da drüben in dem Schuppen deponiert hat aber das kriegen wir schon raus, verlaß dich drauf."

Das Jagdfieber hatte die vier wieder einmal gepackt und sie wußten alle dass sie nicht locker lassen würden bis sie alles in Erfahrung gebracht hatten was sie wissen wollten.

Nach dem Frühstück wollten sie hinter dem Haus auf der großen Wiese alle miteinander ein paar Spiele spielen wie Völkerball und so was.

Deshalb zog die Klasse sich die Sportsachen an und versammelte sich im Eingangsbereich.

Als der Herbergsvater an ihnen vorbeiging und ihnen viel Spaß wünschte hatte Wilma einen Geistesblitz. Sie lief zu dem Herrn hin und fragte

"Entschuldigen sie bitte, wir vier haben eben darüber gesprochen das es hier sehr schön ist und wir gerne noch mal ohne die Klasse, mit unseren Rädern herkommen würden aber ich finde hier nirgendwo Fahrradständer und wir hätten auch Angst das die Räder vielleicht über Nacht gestohlen würden. Kann man die nicht da drüben in dem Schuppen einschließen oder ist da kein Platz drin? "

"Das freut mich aber, dass es euch hier gefällt " entgegnete der Herbergsvater " klar könnt ihr wenn ihr wollt die Räder abends in den Schuppen stellen. Da ist nur das Werkzeug vom Hausmeister drin und ein paar Ersatzteile, da ist wohl Platz genug drin für ein paar Räder."

Wilma bedankte sich und ging zurück zu den anderen.

Als die Jungs hörten was Wilma erfahren hatte lachte Kurt und sagte zu den anderen: "Au Man, armer Kerl. Der weiß wohl gar nicht was hier vorgeht. Also wenn das was die Kerle da gestern Nacht reingeschleppt haben Werkzeug und ein paar Ersatzteile waren dann wird wohl demnächst hier alles neu gemacht, soviel Zeugs war das. Also ich schlage vor das wir Jungs da mal ein Auge drauf halten und nachts ein wenig aufpassen. Der Mädchenschlafsaal ist ja leider auf der anderen Seite, so dass ihr den Hof nicht sehen könnt. Wenn die Burschen wieder auftauchen sollten und neue Sachen bringen dann sollten wir den Herbergsvater einmal darauf aufmerksam machen und der soll sich den Schuppen dann mal näher ansehen."

Das war also beschlossene Sache. Der Tag war wunderschön, am Vormittag die Spiele auf der großen Wiese, am Nachmittag ein Spaziergang durch die Stadt während dem sie in ein Gartencafe einkehrten und der Lehrer aus der Klassenkasse eine Runde Limonade spendierte.

Als sie am Abend auf ihren Zimmern waren vereinbarten die Jungs das sie sich alle zwei Stunden abwechseln würden mit Wache schieben und hofften natürlich das sich etwas tun würde.

Kurt hatte die erste Wache übernommen von 22 Uhr bis Mitternacht aber in dieser Zeit tat sich gar nichts. So weckte er Sigi der dann die nächsten beiden Stunden übernahm, aber auch da passierte nichts.

So ging das die ganze Nacht bis zum morgen, ohne Erfolg.

Die Mädchen waren natürlich gespannt wie die Flitzebogen aber nachdem die Jungs ihnen erzählt hatten das die Nacht ruhig wie nur sonst was gewesen war gingen sie enttäuscht zum Frühstück.

Auch der heutige Tag versprach interessant zu werden denn am Vormittag sollten sie ein Spielzeugmuseum besichtigen das sich in der Stadt befand und am Nachmittag stand eine Bootsfahrt auf einem nahegelegenen, großen See auf dem Programm.

Die vier waren die ersten die mit dem Frühstück fertig waren. Da sie schon abmarschbereit waren gingen sie nach draußen auf den Hof und da lauste sie doch der Affe. Die Schuppentür stand halb offen und aus dem Inneren drangen Geräusche.

"Da sollten wir mal einen Blick reinwerfen, was meint ihr?"

fragte Kurt und Claudia erwiderte

"Das ist vielleicht zu auffällig wenn wir da alle vier hinlatschen, laßt mich mal machen. Bleibt ihr hier stehen und tut so als ob euch der Schuppen gar nicht interessiert."

Damit schlich Claudia leise zum Schuppen hinüber und warf eine Blick hinein. Allerdings bekam sie einen Riesenschreck als plötzlich der Hausmeister wie hingezaubert vor ihr stand und ihr die Sicht versperrte aber der kurz Blick hatte Claudia genügt um sich einen ungefähren Überblick zu verschaffen.

Claudia stieß einen leisen Schrei aus und wich automatisch einen Schritt zurück.

"Der Hausmeister sah sie finster an und fragte

"Was willst du hier? Wohl ne neugierige Vorwitznase was? "

"Nein, ääh, entschuldigen sie bitte wenn ich sie störe. Wir haben mit dem Herbergsvater gesprochen dass wir gerne noch einmal wiederkommen möchten weil es uns hier so gut gefällt. Wenn wir das nächste Mal kommen würden wir gerne unsere Räder mitbringen und der Herbergsvater hat uns gesagt dass wir die gerne über Nacht hier in ihrem Schuppen lassen können damit sie nicht gestohlen werden."

Während der ganzen Zeit die sie redete versuchte sie an dem Hausmeister vorbei in den Schuppen zu spähen aber der versperrte ihr nicht nur geschickt die Sicht, als ihm das Spiel zu dumm wurde trat er einen Schritt vor und schob das Tor hinter sich zu.

Der Hausmeister war hellhörig geworden und fragte

"Wann wollt ihr denn wiederkommen " wollte der Hausmeister wissen.

"Och, vielleicht in den Herbstferien, vorher geht es ja nicht. Ist denn da noch Platz im Schuppen für unsere Räder? "

"Bis zu den Herbstferien ist es noch lang " entgegnete der Hausmeister

"aber von mir aus stellt sie dann hier rein. Nun geh und laß mich weiter arbeiten. Ich habe keine Zeit für große Unterhaltungen."

Mit diesen Worten öffnete er das Tor einen Spalt, quetschte sich durch und zog das Tor hinter sich wieder zu.

Claudia ging zurück zu den anderen und berichtete

"Man hab ich mich vielleicht erschrocken als der Kerl plötzlich vor mir stand aber vorher konnte ich einen Blick in das Innere werfen. Der Schuppen ist fast voll bis vornehin mit großen Kisten und so was. Mehr konnte ich nicht erkennen aber wie der sich aufgeführt hat das ist schon mehr als verdächtig, habt ihr das gesehen? "

"Ja " bestätigte Kurt " also für mich steht fest das da was faul ist. Wir werden auch in der nächsten Nacht die Augen aufhalten. Ich bin überzeugt davon dass sich da noch mehr tut."

Im Spielzeugmuseum war es sehr aufregend. Die Kinder wunderten sich mit welch bescheidenen Spielzeugen die Kinder vor 100 Jahren gespielt hatten, das konnten sie sich gar nicht vorstellen.

Auch die Bootsfahrt war toll. Es wehte ein leichter Wind als sie das Boot oder besser gesagt den kleinen Dampfer betraten und durch den Wind bildeten sich auch kleinere Wellen auf dem Wasser.

Sigi hatte sich ganz vorne in den Bug gestellt während der Fahrt und war sich vorgekommen wie Käpt'n Cook auf großer Fahrt. Tolle Musik hatten sie außerdem an Bord und ein Führer erklärte ihnen die Sehenswürdigkeiten an denen sie vorbeifuhren.

Nachdem sie wieder an Land waren gingen sie noch kurz in die Stadt und die Kinder bekamen Gelegenheit kleine Andenken und Postkarten zu kaufen, dann führte ihr Weg zurück in die Herberge.

Schon beim Abendbrot baute sich bei den vieren die Spannung auf und die Mädchen hatten gefragt ob sie nicht nachts zu ihnen in den Saal kommen und sich an der Nachtwache beteiligen sollten aber das Lehnte Kurt mit der Begründung ab keinen Ärger bekommen zu wollen denn es war streng verboten das sich die Jungs nachts in den Mädchenräumen aufhielten und umgekehrt. Also blieb den Mädchen nichts anderes übrig als auf den nächsten Morgen zu warten bis sie erfuhren ob in der Nacht irgendetwas geschehen war.

Heute übernahm Sigi die erste Wache und Kurt haute sich sofort aufs Ohr aber richtig schlafen konnte er nicht. Dazu war er viel zu aufgeregt und er war froh als er endlich aufstehen und seine Wache antreten konnte. Sigi lag noch nicht ganz in den Federn da schnarchte er schon leise vor sich hin. Das Geräusch wirkte auch auf Kurt einschläfernd und er mußte aufpassen, dass ihm nun die Augen nicht doch zufielen aber plötzlich war er wieder hellwach denn Motorengeräusche näherten sich.

Kurt lief leise zu Sigi's Bett und weckte ihn.

"Bin ich schon wieder dran, ich bin doch gerade erst ins Bett gegangen", sagte dieser aber Kurt sagte: "Nein, es ist erst halb zwei aber ein Wagen nähert sich, ich höre den Motor."

Das reichte um Sigi augenblicklich wach werden zu lassen. Gemeinsam gingen sie zum Fenster und kauerten sich so hin dass gerade so ihre Augen über dem Fensterrahmen hinauslugten.

Tatsächlich sahen sie nach zwei Minuten den weißen Lieferwagen der auch schon vor zwei Nächten hier gewesen war. Dieser fuhr ohne Licht und der Fahrer gab kaum Gas. Als der Wagen vor dem Schuppen stand, hielt er an und zwei Männer, vermutlich dieselben wie beim ersten Mal, verließen das Fahrzeug. Einer öffnete die Heckklappe des Wagens während der andere den Schuppen aufschloß. Dann begannen sie in Windeseile den Wagen zu entladen und das Zeug im Schuppen zu verstauen. Nicht einmal 10 Minuten brauchten sie und dann fuhren sie wieder los, ohne Licht und ganz langsam.

Die beiden Jungs beschlossen die Nachtwache trotzdem fortzusetzen damit nicht später noch mal jemand kam und die Sachen wieder abholte und sie sich am nächsten morgen wenn sie den Herbergsvater informierten blamieren würden.

So standen sie abwechselnd am Fenster bis der Weckruf erschallte aber niemand war mehr gekommen. In aller Eile zogen sie sich an und stürmten dann nach unten. Als die Mädchen zu ihnen stießen gaben sie denen einen kurzen Lagebericht und Kurt sagte

"Ihr bleibt hier stehen und haltet den Schuppen im Auge, ich hole Herrn Borchert und den Herbergsvater. Kurt rannte los und war knapp 5 Minuten später wieder da, im Schlepptau die beiden Männer. Er hatte unterwegs schon erzählt was sie beobachtet hatten.

"Ich muß ihnen sagen, die vier haben wirklich ein Gespür dafür wenn etwas nicht stimmt " sagte Herr Borchert zum Herbergsvater " sie haben immer wieder bewiesen das sie richtige kleine Kriminalisten sind."

"Ich werde den Hausmeister holen und ihn bitten den Schuppen zu öffnen " entgegnete der Herbergsvater " dann werden wir sehen was an den Erzählungen der vier dran ist."

So richtig glauben wollte er das eben gehörte anscheinend nicht aber er war zumindest bereit sich die Sache näher in Augenschein zu nehmen.

Nach drei Minuten war er mit dem Hausmeister zusammen wieder da und dieser legte gleich richtig los.

"Sagt mal seid ihr verrückt geworden solche Sachen zu erzählen? In dem Schuppen hab ich mein Werkzeug und Teile die ich brauche um Reparaturen durchführen zu können. Was soll der Herbergsvater von mir denken wenn ihr solche Hirngespinste erfindet."

"Das ist nicht wahr dass da nur Werkzeug drin ist " ereiferte sich Claudia

"als ich gestern mit ihnen geredet habe wegen der Fahrräder konnte ich einen Blick in den Schuppen werfen und der steht voller großer Kisten und Kartons."

Der Hausmeister wollte schon zu einer Antwort ansetzen aber der Herbergsvater schnitt ihm das Wort ab.

"Ich halte es für das Beste wenn sie den Schuppen einfach einmal öffnen und wir gemeinsam da reinschauen."

Damit nahmen Herr Borchert und der Herbergsvater den Hausmeister in ihre Mitte und die Kinder gingen dicht hinter ihnen her.

Umständlich öffnete der Hausmeister das schwere Vorhängeschloß und trat dann zur Seite. Herr Borchert öffnete das Tor und die sechs glaubten nicht was sie da sahen, bis zur Decke war der Schuppen voll mit Computern, Fernsehern, DVD-Playern und allen möglichen anderen Geräten.

"So so, Werkzeug und Ersatzteile was? Was haben sie mir hierzu zu sagen? " fragte der Herbergsvater

"Das habe ich hier nur für einen Freund gelagert " behauptete der Hausmeister " der hat ein Elektrogeschäft und zieht in ein anderes Ladenlokal. Da er das alte schon verlassen mußte und das neue noch nicht fertig ist hat er mich gebeten die Sachen hier unterstellen zu dürfen, das ist doch kein Verbrechen oder? "

Der Herbergsvater war jetzt nicht nur richtig sauer auf seinen Angestellten sondern auch in höchstem Maße mißtrauisch und so packte er den Hausmeister am Arm und ging, begleitet von den vier Freunden und Herrn Borchert, mit ihm in sein Büro.

Von dort verständigte er die Polizei der er schon am Telefon den Sachverhalt schilderte und als die ungefähr eine viertel Stunde später eintrafen hatten sie auch schon eine Erklärung für die sich im Schuppen befindenden Sachen parat.

In den vergangenen Tagen waren in der Stadt zwei Elektrogeschäfte aufgebrochen und deren Lager ausgeräumt worden. Das hier war wohl die daraus resultierende Beute. Das ganze war von den Dieben schon schlau eingefädelt worden denn niemand wäre auf die Idee gekommen nach den gestohlenen Sachen in einer Jugendherberge zu suchen. Nach einigem Hin und Her gab der Hausmeister auch die Tat zu und die Polizei führte ihn ab.

Sie versprachen noch am gleichen Vormittag die Sachen abholen zu lassen und sie dann ihren Eigentümern zurückzugeben.

"Donnerwetter, da habt ihr aber einen guten Riecher gehabt. Ich kann mich nur 1.000 x bei euch bedanken denn wenn das ans Licht gekommen wäre hätte ich wohl die Jugendherberge schließen können. Welche Eltern würden ihre Kinder in einem Gangsternest ihre Ferien verbringen lassen.

Zum Dank das ihr mir so einen großen Dienst erwiesen habt seid ihr für das nächste Mal herzlich eingeladen. Ihr wolltet doch noch einmal wiederkommen wenn ich mich recht erinnere."

"Danke vielmals für die Einladung aber das wird wohl nicht möglich sein denn die Fahrt hierher mit dem Fahrrad wäre viel zu lang " sagte Kurt aber der Herbergsvater winkte ab.

"Das ist mir schon klar aber ich bezahle euere Busfahrt hierher und besorge euch dann hier Fahrräder die ihr während eueres ganzen Aufenthaltes nutzen könnt, einverstanden?"

Die vier waren einverstanden, und wie, die Freude war riesengroß und man einigte sich auf einen Aufenthalt in den Herbstferien.

Auch die letzten fünf Tage hier waren klasse und sie alle hatten noch viel Spaß und die ganze Klasse was ein wenig traurig als es hieß Abschied nehmen und nach Hause fahren.

Der Herbergsvater bedankte sich noch einmal bei den vieren und winkte dem Bus hinterher so lange er ihn sehen konnte.

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