Kindergeschichten - Märchen - Jugendgeschichten                 © Dr. Ronald Henss Verlag

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Der Osterhase hat's Mutsch erzählt

© Angelika Lauhoff

Als sie mit Lea vom Arztbesuch zu Hause ankam, bereitete sie der Kleinen im Wohnzimmer ein gemütliches Bettchen auf der Couch: Das Kuschelkissen von Oma, die Pokemonwolldecke für oben, die Pferdewolldecke für unten drunter. Dann holte sie aus dem Bad das Fieberthermometer und legte es auf den Couchtisch. Aus dem Kinderzimmer wurde noch Wauzi, das alte Schlappohr und Jette, Leas Lieblingspuppe geholt.

"Fehlt noch was?", dachte Frau Trotzki, " nein, das war es fürs erste." Danach zog sie Lea einen Schlafanzug an und packte sie liebevoll in die vorbereiteten Decken auf die Couch. "Na, ist es so bequem, mein Schnüppchen?"

"Das kratzt im Hals, Mutsch, und ich bin so müde?", quengelte die kleine Lea und kniff dabei die Augen zu. "Und das Licht beißt in den Augen, ich will, dass das aufhört!"

Frau Trotzki zog das Rollo so herunter, dass die Sonne nicht mehr in das Zimmer schien. "Ach, Schnüppchen, ein wenig wirst du das noch aushalten müssen."

"Der Onkel Doktor Haut hat mich gefragt, warum ich nicht gegen Masern geimpft bin ... . was ist das ... impfen?"

"Ja, weißt du, Schnüppi, als du noch so klein warst, ein Baby noch, da hätte ich dich impfen lassen sollen, das bedeutet, dass der Doktor dir mit einer Spritze schwache Masern gespritzt hätte. Du hättest dann die Masern nicht bekommen, weil kleine Soldaten in deinem Blut das verhindert hätten. Aber ich wollte damals nicht, dass dir wehgetan wird ... du warst doch noch sooo klein. Ich glaube, das war sehr dumm von mir. Gleich, wenn du gesund bist, werden wir alle Impfungen nachholen, was meinst du?"

"Lieber ein kleiner Pieks, als krank! Kann man gegen alle Krankheiten geimpft werden?", fragte Klein-Lea weinerlich. "Mir ist so langweilig, der Kopf tut mir weh!"

"Nicht gegen alle, aber gegen viele! Ich koch dir jetzt einen Tee und dann setze ich mich zu dir und erzähle dir eine Geschichte!"

"Au, ja, bitte den leckeren Pfirsich - Tee ... !"

Nachdem Frau Trotzki ein paar Minuten in der Küche gewerkelt hatte, kam sie mit einer Tasse Tee zurück und setzte sich zu Lea auf die Couch.

"Die Geschichte, die Geschichte ... ", bettelte Lea.

Frau Trotzki machte es sich auf dem Sessel neben ihr bequem. Sie überlegte kurz und fing dann an zu erzählen:

"Es war einmal vor langer Zeit, da begegnete mir der Osterhase, als ich im Garten meiner Eltern nach Ostereiern suchte und wir kamen ins Gespräch.

"Du, sag mal, machst du das schon lange?"

"Was? Das Ostereierverstecken?"

"Ja!"

"So lange wie ich denken kann und alle meine Vorfahren haben das auch schon gemacht."

"Ihr versteckt die Eier aber ziemlich gut, ein Jahr habe ich ein paar Eier gar nicht gefunden, die haben wir erst viel, viel später entdeckt, als der Winter kam."

"Das ist auch Sinn und Zweck der Sache", grinste der Osterhase, "wenn man die Eier sofort entdecken würde, wäre es doch kein Spaß mehr! Überhaupt, seitdem wir die Eier bemalen, fallen sie im Gras nicht mehr so sehr auf."

"Wieso? Habt ihr das früher nicht getan?"

"Nee, früher hat mein Ururgroßvater die Eier im Hühnerstall abgeholt, gekocht und dann in den Gärten sofort versteckt!"

"Und wie kam es dazu, dass ihr die Eier vorher erst noch angemalt habt?"

"Tja, das ist eine ganz witzige Geschichte ... Eines Tages war mein Urgroßvater krank und mein Ururgroßvater deshalb mit der Pflege so sehr beschäftigt, dass er die Abholzeit im Hühnerstall einfach vergessen hat. Als es ihm endlich einfiel und er hinflitzte, da schüttelten die Hühner bedauernd den Kopf, denn es waren bereits alle Eier ausgegeben und sie so erschöpft, dass sie keine mehr legen konnten. Da war guter Rat teuer, denn wie sollte er nun die Kinder in seiner Gegend erfreuen ... !"

"Und, was hat er dann gemacht?"

"Er ist erstmal nach Hause gegangen, hat sich an den Tisch gesetzt, den Kopf auf die Pfoten gestützt und nachgedacht ... hin und wieder hat er dabei zu seinem Sohn geschaut ... hm ... und dann ist ihm eine Idee gekommen. Sein Sohn hatte nämlich auch die Masern ... .genau wie du ...

Leas Mutsch machte eine kleine Pause und schaute zu ihrer Tochter herüber. Hin und wieder hatte diese an ihrer Teetasse genippt und nun lag sie, ihren Kopf auf Wauzi gebettet, mit ziemlich müden Augen flach und nuschelte ein leises: " Weiter!" Sanft strich die Mutter ihr über die Wangen und lehnte sich zufrieden zurück, denn das Fieber war gesunken. "Geht schon wieder weiter ... ", flüsterte sie.

Da müssten doch noch die ausgeblasenen Eier der vergangenen Jahre auf dem Dachboden stehen ... .damit könnte man doch ... hmm. Er mahnte sich zur Eile, denn es war schon Ostersamstag. Er lief also und holte den Riesenkarton erstmal herunter, aus dem Nähkasten seiner Frau entnahm er Nadel und Schmuckbandrolle. Aus dem Kinderzimmer wurden Pinsel und Malkasten genommen und dann setzte sich der alte Hase hin und bastelte den schönsten Osterschmuck. All die vielen Eier malte er über und über mit roten Punkten an, zog ein rotes oder grünes Schmuckband durch, oben eine Schlaufe und unten knüpfte er das Band zu einer Schleife. Schnell tätschelte er seinem Sohn die Wange und flüsterte ihm ein "Duhastmichgerettet" zu und dann hoppelte er so flott er nur konnte durch die Gärten und verteilte seinen Schmuck.

Am nächsten Morgen hörte er mit glücklich klopfendem Herzen die Ahhhhs und Ohhhs der Kinder und Eltern von allen Seiten. Seitdem werden die Eier angemalt. Im Laufe der Jahre haben wir uns alles Mögliche ausgedacht und die anderen Osterhasen fanden unsere Ideen so toll, dass sie es nun alle machen ..."

Frau Trotzki lächelte, Lea war eingeschlafen, ihre Jette fest im Arm atmete sie ruhig und gleichmäßig. "Werd schnell gesund, mein Schnüppchen!", flüsterte sie und hauchte Lea einen Kuss auf die Stirn.

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