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Dieser Text ist urheberrechtlich geschützt. Nachdruck und Vervielfältigungen, auch auszugsweise, bedürfen der schriftlichen Zustimmung des Autors.

Auch kleine Osterhasen haben Träume

© Martina Decker

Munter hoppelt Caesar über den Feldweg. Ab und zu schnuppert er an dem zarten Grün der Sträucher oder knabbert ein Gänseblümchen.

"Endlich Ferien", denkt er und streckt das Näschen in die Sonne.

Der letzte Schultag ist immer besonders anstrengend. Meister Lampe erzählt dann regelmäßig noch einmal alles über Farben und Maltechnik. Dass man sauber arbeiten muss, nicht klecksen soll und welches Muster gerade modern ist.

Caesar findet das langweilig. Ihn interessieren Eier überhaupt nicht. Am Liebsten würde er jetzt sein Bündel schnüren und sich auf die Wanderschaft begeben. Weit, weit weg. Irgendwohin, wo es keine Ostereier zu bemalen gibt.

Seit er denken kann, wünscht er sich, den Weihnachtmann zu treffen und einer seiner Helfer zu werden.

"Einmal im Leben möchte ich richtig große Geschenke verteilen, Mama!", hatte er zu ihr gesagt.

Aber Mama hatte ihn nur kopfschüttelnd angesehen und dann geantwortet: "Caesar! Seit vielen Generationen sind wir Osterhasen! Dein Urgroßvater war Osterhase, dein Großvater …"

"Ja, ich weiß!"

Caesar kannte ihre Antwort schon auswendig. "Und Vater ist Osterhase und ich werde auch mal Osterhase, wenn ich groß bin!"

"Genau so ist es, mein Kleiner!"

Für sie war das Thema damit erledigt.

Nicht so für Caesar!

Heimlich hatte er in Mamas Unterlagen gekramt und nach der Adresse von Onkel Gustav gesucht.

Wenn er sich recht erinnerte, lebte dieser gar nicht weit weg vom Nordpol. Onkel Gustav war ein echter Schneehase und bestimmt würde er sich freuen, wenn Caesar ihn mal besuchte.

Doch das Einzige, was er bis jetzt gefunden hatte, war ein altes, vergilbtes Foto.

Also hatte er angefangen, erst einmal sein Taschengeld für eine Fahrkarte zu sparen. Es würde noch eine ganze Weile dauern, bis er alles für die weite Reise zusammen hatte.

Unwillkürlich muss Caesar seufzen. In seinem Traum sieht er sich neben dem Weihnachtmann auf dem Rentierschlitten sitzen. Vom Nordpol aus brausen sie über den Himmel immer die Milchstrasse entlang …

"He, Hase!" Eine große Krähe stakst auf Caesar zu.

Erschreckt zuckt Caesar zusammen und macht einen Hopser zur Seite.

"Häschen, die träumen, holt der Fuchs! Hast du den Verstand verloren, dich hier ohne Deckung mitten auf den Weg zu hocken?"

"Ach, mir passiert schon nichts!", gibt Caesar zur Antwort. Natürlich weiß er, dass die Krähe Recht hat, aber das würde er niemals zugeben.

"Darf man fragen, von was du so angenehm geträumt hast?"

Neugierig kommt die Krähe ein wenig näher. Caesar zögert. Sollte er der Krähe von seinem größten Traum erzählen?

"Aber nur, wenn du mich nicht auslachst."

"Ehrenwort! Ich werde nicht lachen", verspricht die Krähe und legt ihren Kopf erwartungsvoll ein wenig schief.

"Ich bin auf dem Schlitten vom Weihnachtsmann mitgefahren und habe Geschenke verteilt."

"Hihih", kichert die Krähe und schlägt ein paar Mal mit den Flügeln.

"Jetzt hast du doch gelacht", schmollt Caesar. Tränen glitzern in seinen Augen. Warum soll auch ausgerechnet so eine doofe Krähe ihn auch verstehen.

"Komm, sei nicht gleich beleidigt! Ich hab nur ein wenig gekichert. Du musst zugeben, für einen kleinen Osterhasen ist der Traum schon sehr eigenartig", meint die Krähe versöhnlich.

Irgendwie tut ihr der kleine Hase leid. Als junge Krähe hatte sie auch Träume gehabt. Wie gerne wäre sie einmal mit den Schwalben nach Süden gezogen oder … hätte das Singen gelernt wie die kleinen Finken, deren Gesang sie sooft gelauscht hatte.

"Pass mal auf! Es klingt jetzt vielleicht ein wenig komisch, aber ich bin so etwas Ähnliches wie Fee", sagt sie nach kurzem Überlegen.

Aufgeregt spitzt Caesar die Ohren.

"Eine Fee? Du meinst, so eine Fee mit drei Wünschen? Dann wünsch ich mir jetzt …", ruft Caesar.

"Nein, Häschen! So läuft das nicht. Wir sind hier doch nicht im Märchen! Folgender Vorschlag: Du machst jetzt, dass du nach Hause kommst - und zwar schnell! Dann tust du, was Hasen zu dieser Zeit eben tun: Eier anmalen, verstecken und all so was."

"Dazu habe ich aber gar keine Lust. Und ich kann nicht malen! Sogar die einfachen Punkte auf den Ostereiern bekomme ich nicht anständig hin. Entweder läuft die Farbe ineinander oder sie werden so unterschiedlich groß, dass Mama sie heimlich wieder abwäscht und neu malt. Sie denkt zwar immer, ich würde es nicht merken. Aber … ich kenne doch meine Punkte!"

Energisch schüttelt die Krähe den Kopf. "Strenge dich halt noch etwas mehr an. Du bist nun einmal ein Osterhase. Dein Urgroßvater war ein …"

"Oh Mann" Caesar klappt die Ohren ganz fest nach unten.

"Jetzt hörst du dich an wie meine Mama!"

"Sind wir uns einig?" Die Krähe schaut Caesar fragend an.

Dieser nickt stumm. Zögernd macht er sich auf den Heimweg. Nach ein paar Metern dreht er sich noch einmal um.

"Du vergisst mich aber nicht?"

"Nicht, wenn du dir ganz viel Mühe gibst."

"Ok, dann also … Tschüss."

Langsam hoppelt Caesar nach Hause.

Die Tage bis Ostern vergehen schnell. Caesar gibt sich redlich Mühe beim Bemalen der Ostereier. Er hat es schließlich der Krähe versprochen. Sogar Mama ist sehr verwundert.

"Caesar! Dieses Jahr malst du wirklich sehr ordentlich. Alle Punkte sind gleich groß und auf kaum einem Ei ist die Farbe verlaufen. Ich glaube, aus dir wir mal ein richtig guter Osterhase!"

Caesar nickt. Von der Krähe hat er Mama nichts erzählt. Die hätte nur geschimpft. Eigentlich soll er sich ja auf dem Heimweg nicht von fremden Tieren ansprechen lassen.

Ostern vergeht, es kommt der Sommer, danach der Herbst und auf einmal ist auch der letzte Schultag vor den Weihnachtsferien vorbei. Caesar hoppelt vergnügt über die Felder. Er mag den Schnee, auch wenn davon die Pfoten eiskalt werden.

In der Ferne sieht er eine Schar Krähen. Caesar wird für einen Augenblick traurig. Seit Ostern war kein Tag vergangen, an dem er nicht gewartet hatte. Gewartet, dass die Krähe kommt und ihm seinen größten Wunsch erfüllt. Aber sie war nicht gekommen.

"Bestimmt hat mich die Krähe angelogen. Dieser Vogel war gar keine Fee!" flüstert Caesar zornig und enttäuscht zugleich. Der Spaß am Schnee ist ihm verdorben.

Zuhause erwartet ihn ganz aufgeregt seine Mama. "Caesar, schau hier! Du hast Post bekommen."

Sie gibt ihm einen großen Briefumschlag. Er ist dunkel rot und mit grünen Tannenzweigen bedruckt. Die Briefmarke glänzt und zeigt einen wunderschönen Engel mit goldenen Locken und mächtigen Flügeln. Caesar hält ihn ganz vorsichtig fest wie eine Kostbarkeit. Langsam dreht er ihn und starrt dann ungläubig auf das dicke, rote Siegel. "Weihnachtsmann - Poststelle Nordpol", steht dort im Kreis um ein lachendes Gesicht mit dichtem Bart und Zipfelmütze geschrieben.

"Nun mach ihn doch endlich auf!", wird Caesar von seinen Geschwistern gedrängt.

Caesar kann bloß stumm nicken. Vorsichtig bricht er das Siegel auf und zieht den Brief heraus.

"Lieber Caesar!", steht da in wunderschönen Lettern geschrieben. "Vor vielen Wochen kam eine Krähe hierher zum Nordpol geflogen und hat mir von deinen Wunsch erzählt. Wie ich beobachten konnte, warst du dieses Jahr sehr fleißig und hast dich sehr bemüht. Ich bin mir sicher, du wirst einmal ein sehr guter Osterhase. Nun möchte ich dich einladen, am Weihnachtsabend mein Gast zu sein. Gemeinsam werden wir dann …"

Caesar schaut seine Mama an. Aufgeregt haspelt er:

"Mama, stell dir vor, der Weihnachtsmann hat mich eingeladen. Ich darf …"

Tränen der Freude kullern über sein Gesicht.

Der Weihnachtsmann hat ihn eingeladen. In zwei Tagen wird er richtig große Geschenke verteilen dürfen.

Noch nie war ein Häschen glücklicher.

Eingereicht am 26. März 2009

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