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»»»   Manfred Schröder: Vom Regen in die Traufe. Der Ganove Bernd begeht einen Einbruch bei einem Bauunternehmer und wird des Mordes an einem Kneipenwirt angeklagt, den er gar nicht begangen hat.

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Vom Regen in die Traufe?

© Manfred Schröder

Bernd hörte das Geräusch eines Wagens. Er löschte die Taschenlampe, schob die Jalousie ein wenig zur Seite und sah das Auto auf dem Hof. Sollte das Brenner sein, oder ein "Arbeitskollege", der sich des Nachts in fremden Revieren herumtrieb? Nein, es musste Brenner sein. Brenner, der skrupellose Bauunternehmer. Die große und massige Gestalt, die sich aus dem Auto zwängte, passte auf ihn. Kein Zweifel. Doch was wollte er hier um diese Uhrzeit? Vielleicht hatte er etwas vergessen. Bernd sah, wie Brenner prüfend das Haus betrachtete und wie sein Blick am Bürofenster hängen blieb. Konnte er etwas bemerkt haben?

Nur die Ruhe bewahren, dachte Bernd. War ja nicht das erste Mal, dass ihm so was passierte. Und stets war alles gut gegangen. Warum nicht auch jetzt?

Brenner stand noch immer unten und schien zu überlegen. Schließlich kam er doch aufs Haus zu. Bernd seufzte. Er wird wohl in sein Büro kommen. Sicher.

Bernd ergriff die Bronzestatue auf dem Schreibtisch. Eine nackte schlanke Frau. Er prüfte ihr Gewicht. Hatte die richtige Schwere. Er musste sie wohl zweckentfremden. Kunst ist vielseitig.

Dann stellte er sich neben die Türe. Sie war unverschlossen, da er sie mit einem Dietrich geöffnet hatte. Brenner würde wohl einen Moment stutzen. Doch ein schneller Schlag mit der nackten Dame und ... Bernd seufzte. Was blieb ihm anderes übrig?

Es dauerte nicht lange, bis er schwere Schritte im Flur vernahm. Vor der Türe blieben sie stehen. Er hörte das Geräusch eines Schlüsselbundes und ein erstauntes "Na!".

Dann öffnete sich die Tür und Brenners bullige Gestalt betrat den Raum. Seine Hand ging zum Lichtschalter. In diesem Augenblick ließ Bernd die nackte Schöne auf den fleischigen Kopf niedersausen. Für einen Moment hielt Brenner sich noch aufrecht. Dann stürzte er, ein wenig nach vorne gebeugt zu Boden.

Bernd blieb noch eine Weile regungslos stehen und blickte auf die Gestalt vor sich.

Mit einem Seufzer ging er zum Wandtresor zurück. Es dauerte nicht so lange wie befürchtet. Als er in den Tresor blickte, traute er seinen Augen nicht. Was war das? - Leere gähnte ihm entgegen. Das durfte doch nicht wahr sein! Sollte doch ein hundertprozentiger Tipp gewesen sein. Mit einigen zigtausend Euro. Am Fiskus vorbei. Deshalb im Tresor.

Im unteren Fach, ganz hinten in der Ecke, bemerkte er eine Pistole. "Mist!", ging es durch seinen Kopf. Sollte das Ganze ein Witz gewesen sein, ein gutgemeinter Ratschlag, sich selbst zu erschießen. Er blickte auf Brenner, der noch immer am Boden lag. - Bloß weg von hier!

Ein kurzes Zögern, dann ergriff er die Pistole und steckte sie in seine Tasche. Noch einmal leuchtete er alles ab um sicher zu gehen, dass er keine Spuren hinterlassen hatte.

*

In den Abendnachrichten im Fernsehen hörte Bernd, dass bei einem Einbruch in einem Bürogebäude eine Leiche gefunden wurde. Erschlagen. Er dachte an die Pistole, die er mitgenommen hatte. - Dummheit! Morgen würde er sie in den Fluss werfen.

Schon in der Frühe um vier Uhr erhob er sich, steckte die Pistole in seine Tasche und begab sich nach draußen. Es war kühl, doch nicht kalt. Als er an der Brücke angelangt war, bemerkte er, dass ein Streifenwagen langsam neben ihn herfuhr. Sein Herz klopfte. Jetzt nur keine Panik. Erleichtert sah er, wie das Auto wieder schneller fuhr. Doch auf der Höhe der Brücke blieb es stehen. Er konnte jetzt nicht einfach zurückgehen. Kurz bevor er den Streifenwagen erreichte, stieg ein Polizist aus dem Wagen.

"Weitergehen!", hämmerte es in Bernds Kopf.

Der Polizist kam auf ihn zu. Er lächelte. "Na, so früh schon unterwegs." Seine Stimme klang freundlich.

Bernd nickte und schaffte es zurückzulächeln. "Kleiner Spaziergang am frühen Morgen tut immer gut."

Der Polizist, ein schon älterer Jahrgang, blickte ihn aufmerksam an. Er schien zu überlegen. "Frische Morgenluft tut immer gut. Doch zeigen Sie mir mal Ihre Papiere."

"Verdammt!", er hatte keine bei sich. Sie waren in seiner anderen Jacke. Er war sicher, dass der Polizist seine Nervosität bemerkt hatte. Er versuchte, ganz normal zu erscheinen und lachte kurz auf. "Meine Papiere? Sind zu Hause. Wer denkt schon immer daran, sie jedes Mal mitzunehmen?"

Hätte jetzt Weglaufen einen Sinn? Nein, wohl nicht.

Ein zweiter Polizist war aus dem Auto gestiegen und kam auf sie zu.

"Jaja. Wer denkt schon immer daran. Na, dann legen Sie mal Ihre Hände auf das Brückengeländer und die Beine schön auseinander. Sie kennen das doch bestimmt, oder?"

Was blieb ihm anderes übrig.

"Schau, schau, was wir da haben", sagte der ältere Polizist und hob die Pistole in die Höhe. "Na, dann kommen Sie mal mit."

*

Bernd saß in einer Zelle und wartete auf den Hauptkommissar.

Gegen Abend kam er endlich. "Ja", sagte er. "Sieht nicht gut aus. Warum muss immer gleich drauflosgeballert werden?" Er zeigte auf die Pistole, die auf dem Schreibtisch lag.

Bernd begriff nicht. Was hatte er mit der Pistole zu schaffen, die er doch bloß mitgenommen hatte? Er war davon ausgegangen, dass man ihn wegen dem Einbruch bei Brenner vernehmen würde. "Ich verstehe nicht, Herr Kommissar. Die Pistole da habe ich vor Kurzem angeschafft. Hat mir irgendjemand verkauft. Hab seinen Namen vergessen. Ist natürlich unklug, solche Dinger zu besitzen. Ich weiß. Doch ..."

Der Kommissar nickte. "Ja, es ist unklug. Denn mit dieser Pistole wurde vor zwei Wochen ein Mann erschossen. Und nur Ihre Fingerabdrücke sind darauf zu sehen. Wo waren Sie in der Nacht vom 13. zum 14.?"

Bernd dachte angestrengt nach. Er wusste es nicht. Er konnte kein Alibi herbeizaubern. Er fühlte Schweiß auf seiner Stirn.

"Herr Kommissar, ich habe mit dem Mord nichts zu schaffen, glauben Sie mir. Ich ..." Er verstummte.

Der Kommissar schaute ihn fragend an. "Ja?"

Bernd überlegte. Sollte er alles erklären? Aber dann wäre er auf jeden Fall geliefert.

"Ach nichts", sagte er. "Und ohne meinen Anwalt sage ich nichts mehr."

Der Kommissar nickte. "Geht in Ordnung."

*

Vier Monate sind seitdem vergangen. Morgen findet die Hauptverhandlung statt. Die Anklage lautet: Mord an einen Kneipenwirt. Ein Mord, den Bernd nicht begangen hat.

Vielleicht stehen die Chancen gar nicht so schlecht. Zumindest glaubt dies sein Rechtsanwalt. Die Tat muss doch erst noch bewiesen werden.

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