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»»»   Manfred Schröder: Kommissar Kröger und der Juwelenraub. Ein Juwelenraub, die Baroness und Kommissar Kröger.

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Kommissar Kröger und der Juwelenraub

© Manfred Schröder

Es war kurz nach zehn am Vormittag. Nur wenige Gäste gab es um diese Zeit im Lokal Zum Haifisch. Henry, der Barkeeper sah zum Ecktisch herüber, wo sich ein Freier anscheinend mit Tanja, der neuen Nutte, nicht über den Preis einigen konnte. Nach kurzer Zeit stand sie auf, warf ihm wohl ein Schimpfwort auf Russisch an den Kopf und kam zum Tresen.

"Blödes abgewichstes Freier da!", schimpfte sie zu Henry, indem sie auf den Mann am Tisch zeigte.

Henry nickte nur und zuckte die Schultern. Was gingen ihn die Streitigkeiten der Nutten mit ihren Freiern an. Sein Kopf schmerzte. Er hatte nur wenige Stunden geschlafen. Eigentlich war er froh, dass es nicht so viel Betrieb gab.

Die Baroness am Tresen steckte den kleinen Spiegel, mit dessen Hilfe sie sich die Lippen geschminkt hatte, in ihre Handtasche. "Gib mir noch einen Cognac. Und schütte dir auch einen ein. Dann werde ich nach Hause gehen und mich hinlegen." Sie steckte sich eine Zigarette an. "Hast du schon die Zeitung gelesen?"

Er schob ihr das Glas Cognac hin und schüttelte den Kopf. "Nein. Warum?"

Mit einem Zug kippte sie das Getränk hinunter. "Gestern vor Geschäftsschluss hat ein Mann den Juwelier in der Hafenstraße überfallen. Muss sich gelohnt haben, wie die Zeitung schreibt."

Henry gähnte und blickte nach draußen. Es hatte angefangen zu schneien, obwohl es erst Anfang Dezember war. Er sah, wie Tanja auf der anderen Straßenseite mit einem neuen Freier sprach. Sie schienen sich wohl geeignet zu haben, denn er fasste sie unter dem Arm und sie zogen davon. Henry blickte einen Augenblick nachdenklich die Baroness an.

"Was ist?", fragte sie.

Er fuhr mit seiner Hand über die Augen. "Wo warst du gestern so zwischen vier und sieben?"

Sie machte ein erstauntes Gesicht, weil sie seine Frage nicht verstand. "Warum willst du das wissen? Ich war zu Hause."

Die Tür öffnete sich und eines der Mädchen kam herein um sich aufzuwärmen. "Bring mir einen Cognac. Saukalt draußen. Ich setze mich dort hin."

Henry nickte, dann wandte er sich wieder an die Baroness. "Ich war den ganzen Nachmittag bis zum Abend bei dir."

Wenn es sein musste, begriff sie schnell. Ein Lächeln legte sich um ihren Mund. "So, warst du?"

Henry goss den Cognca ein und brachte ihn zum Tisch des Mädchens. Als er zurückkam, sagte er nur: "Ja, ich war bei dir. Kommissar Kröger wird bestimmt wohl heute noch zu mir kommen und nach meinem Alibi fragen. Du weißt doch, dass ich vorbestraft bin wegen Raub."

Die Baroness zündete sich eine neue Zigarette an. "Dann gieß uns noch mal Cognac ein. Ich kann ihn gebrauchen. Und wie geht's dann weiter?"

Henry fuhr mit seiner Hand durch sein schütteres Haar. "Komm, und vertrete mich einen Augenblick hinterm Tresen und gib mir deine Wohnungsschlüssel. Werde ein paar Fingerabdrücke von mir hinterlassen. Bin gleich wieder zurück. Ist ja nicht weit."

Die Baroness kramte in ihrer Handtasche, nahm einen Schlüsselbund heraus und reichte ihn Henry. "Ich habe mit ´wie es dann weiter geht´ etwas anderes gemeint."

Henry lächelte. "Klar. Doch mach dir keine Sorgen. Ich weiss, dass nichts umsonst ist."

Sie erhob sich und ging hinter den Tresen.

Henry nahm seine Jacke und berührte ihre Schulter. "Bin gleich wieder zurück."

*

Hauptkommissar Kröger stand am Fenster und blickte auf den tristen Hinterhof, wo mehrere Polizeiautos standen. Der Schnee, der einen frühen Winter versprochen hatte, war fast dahin. Nur einige weiße Inseln leuchteten schwach im grauen Einerlei. Er seufzte und setzte sich wieder an seinen Schreibtisch. Vor ihm lagen die Fotos der gestohlenen Schmuckgegenstände aus dem Juwelierraub. Er kannte sie auswendig und hätte sie alle bis ins kleinste Detail beschreiben können. Fast fünf Wochen waren vergangen.

Sicher, heiße Spuren gab es, doch keine Beweise, die zu einer Festnahme reichen würden. Henry, sein Hauptverdächtiger hatte, wenn auch kein so hundertprozentiges, doch ausreichendes Alibi. Die Baroness! Er hatte die Stadt verlassen, um sich ein wenig bei seiner Mutter zu erholen, die auf dem Lande eine kleine Pension betrieb. Kröger seufzte. Erholung, ja, die könnte er auch gebrauchen. Und den Kommissar Glück. Einen Augenblick blieb er noch sitzen und betrachtete die Fotos der Schmuckstücke. Tolle Stücke waren darunter. Er dachte an seine Frau, die so was wohl auch gerne tragen würde. Besonders das goldene Herz, eingefasst in Brillianten. Oder die goldenen Uhr, deren Punkte für die Stunden in kleinen Diamanten ausgelegt waren. Er legte die Fotos in die Schublade zurück. Gegen Vier kam sein Assistent Brenner.

"Mist", fluchte er, "meine ganzen Füße sind nass. Sauwetter."

Kröger erhob sich. "Kannst mich heute Abend Zum Haifisch begleiten. Freiwillig natürlich. Gebe einen aus"

Brenner schaute erstaunt. So kannte er seinen Chef gar nicht.

"Ja, warum nicht. Bisschen entspannen. Zumal Gerda mit den Kindern bei ihrer Mutter ist. Kommt erst morgen wieder. Doch warum Zum Haifisch?

Kröger fuhr sich mit der Hand durch das müde Gesicht. "Weiß auch nicht so recht. Hab nur so ein Gefühl für ..." Er stockte, als müsse er überlegen. "Ach, einfach nur so. Und ein wenig schauen, was die Jungens und Mädel da so treiben. Treffen uns um Acht vor der Kneipe. Bis später, muss noch zur Gerichtsmedizin." Er zog sich den Mantel über, hob kurz die Hand und verließ den Raum.

*

Die Kneipe war nicht so voll, wie Kröger erwartet hatte. Hinter dem Tresen stand Bully, der Schwarze aus den Staaten, der vor einigen Jahren in der Stadt hängen geblieben war.

Kröger hob kurz die Hand. "Bring uns zwei Bier." Er zeigte zu einem der leeren Tische.

Bully grinste. Er grinste fast immer, als wolle er Reklame für seine weißen Zähne machen. Am Tresen saßen einige, wohl Freier, mit den Mädchen.

Sie setzen sich.

Brenner schaute Kröger aufmerksam an.

"Chef, Sie haben etwas. Ich kenne Sie zu lange, um mich zu täuschen."

Dieser trommelte leise mit seinen Fingern auf die Tischplatte. "Stimmt, Brenner. Eigentlich hatte ich gehofft, dass ..."

In diesem Moment öffnete sich die Tür und die Baroness trat ein. Sie schien beim Friseur gewesen zu sein. Die Haare, jetzt kurz geschnitten, standen ihr gut.

"Was haben Sie gehofft?", fragte Brenner.

Kröger antwortete nicht.

Bully stellte die beiden Biere auf den Tisch. "Auf Rechnung des Hauses".

Kröger ginste. "Du weißt doch, dass dies schon der Versuch einer Beamtenbestechung ist. Für die Baroness einen Cognac. Frag sie, ob sie uns Gesellschaft leistet."

Bully machte ein gespielt erstauntes Gesicht. "Schau, schau, die Polizei auf Abwegen. Werde es ihr ausrichten".

Kröger wandte sich an Brenner. "Was ich gehofft habe? Dass die Baroness heute auftaucht."

"Um ihr einen Cognac zu spendieren?", murmelte Brenner verblüfft.

Kröger sah, wie Bully mit der Baroness redete. Sie tätschelte Bully auf die Wange und stolzierte herüber.

Kröger verbeugte sich. "Darf ich Ihnen aus dem Mantel helfen, gnädige Frau?"

Die Baroness nickte spöttisch. "Neue Taktik der Polizei? Gerne, Herr Kommissar."

Kröger lächelte.

Im Ausschnitt der Baroness prangte glänzend und unübersehbar ein goldenes Herz, umrandet mit Diamanten.

"Ich glaube, Brenner, unser Juwelenfall ist abgeschlossen!"

Die Baroness erblasste vor Schreck.

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