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Kriegsnacht

© Laura Mattes


Die Nacht hat ein schwarzes Tuch übers Land geworfen, das alles unter sich begräbt.
In dieser Nacht wird es kein Zurück mehr geben, denn sie sind hier.
In einer Masse, in der es keine Namen mehr gibt, suchen sie nach uns.
Ich höre Schreie, sie lösen einen eisigen Schauer aus.
Werde ich schreien, wenn sie mich gefunden haben?
In dieser Nacht wird dem Grauen keine Grenze gesetzt.
Niemand stellt sich der Vernichtung und dem Grauen in den Weg und aus keinem Munde entweicht auch nur ein erstickendes "Stop!".
Wozu auch? Ist die Welt nicht schon verloren? Ist Gerechtigkeit nicht ausgestorben oder zählt noch Liebe, Hoffnung, Gott?
Nein, das alles zählt nicht mehr in dieser Nacht. Es sind die Gründe, die uns zu Gefangenen machen.
Ich heure euch weinen, flehen?
Zu wem fleht ihr noch, zu wem? Sind wir nicht von allem Guten im Stich gelassen wurden?
Wo ist das Licht? Ich kann es nicht mehr sehen, in mir herrscht nur noch Dunkelheit.
Es ist eine schreckliche Finsternis in meinem Herzen. Sie ist nicht Bosheit, sondern ausgelöschte Seeligkeit.
Vor meinen Augen sehe ich den Tod und in meinen Erinnerungen meine Familie.
An wen sich also noch wenden in dieser Nacht? Ich frage mich, ob Freiheit noch glücklich macht.
Ich höre sie rufen, immer wieder stumpfe Parolen die man ihnen von Oben in ihre Köpfe eingebrannt hat.
Die Verstand und Liebe löschen und sie fanatisch in die Ferne blicken lassen.
Sie kommen näher.
Ich kauere in der letzten Ecke, in der, in der sie mich nicht fanden, die letzten beiden Male.
Werde ich schreien, wenn sie vor mir stehen?
Mein Mädchen, es ist zwei, musste ich bei Freunden lassen. In der Hoffnung auf ihr überleben.
Was für eine gottlose Welt, könnte man meinen.
Mein Herz rast schnell, die Angst, sie tobt, mir ist ganz kalt.
Ich rieche noch die Freiheit in der Ferne, bloß, wie lange noch?



Eingereicht am 28. April 2006.
Herzlichen Dank an die Autorin / den Autor.
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