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Professor Dumm-Schwätzer (Literaturprofessor)

© Matthias Raschke


Er betritt den Seminar-Raum. Seine Haare liegen kreuz und quer - vollkommen durcheinander. Das dumpfe "Guten Morgen" zerschmettert beim Aufprall an seinen gelben Zähnen. Ein Lächeln, wäre eine Geste, die man nicht erwarten kann. Nicht heute, morgen oder übermorgen - Nie!
Seine Berufsbezeichnung deutet an, dass er etwas mit Literatur zu tun hat. Er hat sich zeitlebens mit Literatur beschäftigt. Er liest viel, kann viel rezensieren. Vor allem redet er viel, sehr viel über Literatur, nie von Literatur. Seine Ausführungen sind kalt. Sie verschwinden in der Leere des Raumes. Es ist seine Reise durch die Epochen, nicht unsere.
Was Studenten über Literatur denken? - ihm egal! Er kann es nicht wissen. Bei den Wellen seiner Ausführungen ertrinken die Studenten auf ihren Stühlen. Kein Satz sei ihnen gewährt, kein einziger Laut. Der Diktator der Stunde und auch der nächsten, wird er sein.
Seine Schlagader fängt, unter seinem feinen Zwirn, an zu pulsieren. Er steht von seinem Pult auf und kommt bedrohlich nahe. Er atmet nicht unsere Luft, er will uns unsere rauben. Wie ein Räuber, der sich um seine Opfer keine Sorgen macht. Man gibt ihm die Freiheiten, die er braucht. Egoistisch nimmt er sie an sich und verlangt nach mehr.
Doch in einem, da ist er große Klasse, nämlich im Herziehen über fehlende Studenten. Studenten, die das einzig richtige tun - dem Seminar fern bleiben!



Eingereicht am 15. Juni 2006.
Herzlichen Dank an die Autorin / den Autor.
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