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Ich werde 40

© Uwe Hartig


Ich werde 40, habe ich meinem Frisör verraten und mir fällt keine verdammte Statistik ein, mit der sich daran etwas ändern ließe. Wo doch sonst so ein Verlass darauf ist. Habe ich ein Problem damit? Nein!, denn dann würde ich darüber schreiben ...
Ein guter Kumpel sagte zu mir "Mensch sei froh, dass du gesund bist." Ja ich bin froh, immerhin verrichte ich mein Tagesgeschäft auf der Toilette noch beschwerdefrei. Danke lieber Freund, die wichtigsten Dinge verliert man manchmal zu schnell aus den Augen. Ich habe sehr wenige Dinge in meinem Leben dem Zufall überlassen... O.K ich habe eine hübsche Tochter, hatte bis vor kurzem noch eine glückliche Familie, habe einen Roman geschrieben, sogar einen Baum gepflanzt und jetzt... werde ich einfach 40. Warum habe ich das in meiner Planung vergessen? Nein das ist kein Problem für mich, warum auch? Was ist schon dabei? Ich schaue auf den Laminatfußboden im Frisör und sehe die vielen grauen Haare, normal ist das nicht!
Betrachten wir diesen Umstand einmal von der positiven Seite. Tatsächlich sind es noch ein paar Monate bis zu meinem Geburtstag. Ausreichend Zeit um sich seelisch und moralisch darauf vorzubereiten. Immerhin habe ich noch 10 Jahre, bis zum 50 Geburtstag und ganze 60 Jahre bis mir der Bundespräsident seine Glückwünsche per Post überbringen lässt. Kann sein, dass die Bundesrepublik Deutschland dann- aus finanzieller Sicht- nicht mehr in der Lage sein wird, jedem eine Karte zu übersenden, doch das lasse ich auf mich zukommen. Man sollte sowieso das Geld nicht zum Fenster hinauswerfen. Vielleicht zahlt man mir später eine Prämie, wenn ich etwas eher ... sozusagen freiwillig gehe. 40 Jahre ... hört sich eigentlich gut an. So nach Erfahrung. Es soll Menschen geben, die haben 127 Bewerbungen an 127 Firmen geschickt. 61 mal hat man ihnen mitgeteilt, dass sie zu alt für den Job, 59 mal dass sie überqualifiziert sind und sieben mal hat man ihnen gar nicht geantwortet. Und mindestens 100 sehr schöne Bewerbungsmappen haben sie dabei eingebüßt. Das muss doch nicht sein. Die haben einfach nur die falschen Firmen angeschrieben. Man braucht ihre Erfahrung... wirklich! Und weil unsere Politiker das wissen, räumt man uns die Möglichkeit ein, unsere Arbeitskraft bis ins hohe Alter auszuschöpfen. Doch möchte ich kein Öl ins Feuer gießen, wer kann sich das schon noch leisten? Schnipp, Schnapp ... die überflüssigen Haare sind runter.
Sowieso sind wir Deutschen viel zu pessimistisch. Früher hat man sich in die Hände gespuckt um das Bruttosozialprodukt zu steigern. Heute darf es ausreichen, wenn wir den Gürtel etwas enger schnallen. Und sollte der Gürtel kein Loch mehr haben, bohren wir ein neues. Daher rührt übrigens auch der Begriff Haushaltslöcher. Und behaupten sie nicht, andere sind für die Löcher in ihrem Gürtel verantwortlich.
Außerdem geht das Gerücht, dass Politiker bei ihrer nächsten Diätenerhöhung zusammenlegen und jedem Deutschen einen neuen Gürtel schenken, welcher der EU-Norm entspricht. Toll!
Haben sie es bemerkt? Ich bin vom Thema abgekommen. Wir sollten uns auf's Wesentliche konzentrieren! Ohje, jetzt hab ich unser Thema ganz vergessen! Nun gut, dann wird es wohl nichts Wichtiges gewesen sein.
Letztens habe ich beim Chinesen einen Glückskeks gegessen. Ich durfte zwischen deutscher und englischer Version wählen. Als ich den Keks öffnete war die Botschaft in Chinesisch. "Ein großes Schicksal ist Ihnen geweiht, warten Sie geduldig." hat mir der Kellner übersetzt. Genau das werde ich tun!!! Und dabei werde ich mir viel Zeit lassen. In der Zwischenzeit überlege ich mir, warum Indochina eigentlich nicht in China liegt?



Eingereicht am 08. Juli 2006.
Herzlichen Dank an die Autorin / den Autor.
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