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Dez
01
Happy-End
© Manfred Schröder

Es war einmal ein junger Mann und eine junge und hübsche Frau, die hatten einander so unendlich lieb. Er hieß Klaus und sie Gerda. Sie gab ihm alles, was ein Mann brauchte, und auch er beglückte sie mit allem.

Doch Klaus hatte ein Geheimnis, über das er bisher mit niemandem gesprochen hatte. Schon seit früher Kindheit verspürte er den Wunsch in sich, eine Frau zu sein.

Oft hatte er sich vorgenommen, mit Gerda darüber zu sprechen. Aber immer wieder schob er es hinaus. Vielleicht ahnte sie etwas, oder wusste es sogar. Wenn sie vielleicht merkte, dass ihre Kleider nicht am selben Platz im Schrank lagen. Denn jedes Mal, wenn Gerda nicht zu Hause war, nahm er eines ihrer Kleider aus dem Schrank und zog es sich über. Schminkte seine Lippen und setze sich eine ihrer Perücken auf. Dann stellte er sich vor den Spiegel und wünschte sich, ein Mann käme zur Türe herein und würde ihn nehmen, wie ein Mann eine Frau nimmt.

Eines Tages sagte Gerda zu ihm, dass sie übers Wochenende zu einer Freundin fahre. Sie tat es öfters. Und heute war er besonders froh darüber. Er wollte sich zum ersten Male öffentlich zeigen. Am Samstagabend rasierte er sich auf das Sorgfältigste, zog Gerdas schönste Unterwäsche an und den schwarzen Lederminirock. Denn er hatte gerade und wohlgeformte Beine. Auch die helle Lederjacke passte ihm, da er von schlanker Figur war. Als er mit geschminkten Lippen und der dunklen Perücke in den Spiegel schaute, blickte ihn ein schönes Frauengesicht an.

Der Abend war warm und mild. Zunächst wollte er in eine der einschlägigen Bars gehen, wo seinesgleichen verkehrte. Doch dann entschloss er sich, erst in den nahegelegenen Park zu gehen, um sich ein wenig bewundern zu lassen. Er wanderte ziellos umher. Blickte diesem und jenem jungen Manne nach und setzte sich dann auf eine freie Bank. Seinen Minirock zog er noch ein wenig höher, sodass seine Beine nicht zu übersehen waren. Aus einem silbernen Etui entnahm er eine Zigarette, doch zündete er sie nicht an.

Zwar gingen einige Männer an ihm vorüber und blickten zu ihm hin, doch er machte keine Anstalten, sie zu animieren. Doch dann schlug plötzlich sein Herz höher. Ein junger, schlanker Mann blieb vor ihm stehen, blickte ihn lächelnd an und zog aus seinem hellen Sommermantel ein Feuerzeug.

"Gestatten Sie?", fragte er galant.

Klaus errötete leicht, stand auf und an der hellen Flamme entzündete er seine Zigarette. Sie blickten sich an und lächelten. Ohne ein Wort zu sagen, schlenderten sie zu einer Gruppe von Bäumen und blieben dort stehen. Klaus atmete schwer. Seine Hand ging nach unten zwischen den Beinen des anderen. Doch er griff ins Leere. Zugleich umfassten zarte Finger das, was gewaltig bei ihm jetzt stand. Er blickte in die Augen des Mannes, die groß und ungläubig auf ihn gerichtet waren.

"Klaus"!, stieß dieser hervor.

Es dauerte einen Moment bis auch er begriff.

"Gerda!"

Eine Augenblick standen sie da, ohne ein Wort zu sagen. Dann begannen beide zu lachen, dass es durch den ganzen Park schallte.

Zwar dauerte es noch eine geraume Zeit, doch dann standen beide erneut vor dem Traualtar. Die Klaudia und der Gerd.

Und wenn sie nicht gestorben sind, so leben sie noch heute in seliger Harmonie zusammen.

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