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Kurzgeschichte Alltag Kurzprosa Geschichte Erzählung short story

Irren ist mütterlich

© Christina Marion


"Freundliches Mädchen für alles gesucht. Wenn Sie sich nicht zu schade sind, in unserem expandierenden Im- und Exportgeschäft auch mal eine Tasse Kaffee für den Chef und die Kollegen zu kochen und wenn Sie Ihren eigenen Kaffee dann auch noch mit den Kollegen zusammen trinken, dann sind Sie bei uns genau richtig." Dahinter stand eine Telefonnummer und weiter nichts.
Hm, von dem Mädchen bin ich zwar schon ein paar Tage entfernt, aber zu schade, jedwede Arbeit zu machen bin ich mir nicht.
Ich legte die Zeitung beiseite, in der ich unter der Rubrik Stellenmarkt auf den Text gestoßen war, der sich mir fast gewaltsam aufgedrängt hatte, weil ich im Grunde genommen gar keinen Job suchte.
Wieso ist mein Blick eigentlich ausgerechnet an dieser Anzeige klebengeblieben, obwohl sie sich doch in keiner Weise von all den anderen Annoncen davor und dahinter unterschied.
Seufzend blickte ich über das allsamstägliche Chaos, welches meine holde Familie wieder einmal auf dem Frühstückstisch hinterlassen hatte und erhob mich, um aus der Unordnung wieder so etwas ähnliches wie Ordnung herzustellen.
Freundliches Mädchen gesucht", der Text wollte einfach nicht aus meinem Kopf verschwinden und spukte immer wieder durch meine Gehirnwindungen.
Am frühen Nachmittag ging jeder meiner Lieben seinen eigenen Interessen nach und ich hatte endlich wieder etwas Zeit, mich noch einmal meiner Zeitung zu widmen. Der politische Teil gab nicht viel Neues mehr her, denn nichts ist mittags älter, als die Zeitungsnachrichten vom Morgen, all das, was im Lokalteil stand, wurde mir gestern bereits alles mündlich im Supermarkt vermittelt und Fußball hat mich noch nie sonderlich interessiert.
Okay, ich muss es zugeben, an dem Tag hätte mich sowieso mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit überhaupt nichts recht interessieren können, denn mich zog nur der sonst immer so furchtbar langweilige Anzeigenteil wie magisch an.
Wie von selbst entfalteten sich die Blätter und da war sie wieder, die fettgedruckte Zeile: "Freundliches Mädchen für alles gesucht." Wie in Trance murmelte ich die Worte liebevoll vor mich hin und wurde mir in genau diesem Augenblick klar, dass ich mich albern, wie ein dummer Teenager, benahm.
Ich versuchte, die faszinierende Anzeige mit nüchternen Augen zu betrachten. Ein bisschen merkwürdig war sie schon.
Ich studierte einige der anderen Stellenangebote und plötzlich zündete eine mir unbekannte Hand eine dicke Kerze an. Mit anderen Worten, mir ging das berühmte Licht auf.
Die anderen Anzeigen hatten fast alle etwas gemeinsam. Sie nämlich nannten die Art der Tätigkeit, die zu vergeben war und lockten auch noch mit guter oder sogar überdurchschnittlicher Bezahlung, wofür allerdings immer gewisse Voraussetzungen als selbstverständlich angesehen wurden.
Nicht so in meiner Anzeige, es sei denn, man kann die Fähigkeit des Kaffeekochens und den Mut, selbigen dann auch noch zu trinken, als eine besondere Voraussetzung betrachten. Nun, in der von mir bevorzugten Anzeige wurde locker flockig lediglich ein Mädchen für alles gesucht. "Für alles", das konnte doch eigentlich alles mögliche sein. Nun gut, Kaffee muss das Mädchen kochen können. Na, wenn das das größte Hindernis sein sollte, kann im Prinzip doch nicht viel dahinter stecken. Es sei denn, man gehört zu der Spezies Mensch, die sogar einfaches Wasser anbrennen lässt, ansonsten müsste das mit dem Job doch hinzukriegen sein.
Ich schloss träumerisch die Augen und riss sie sofort wieder auf, weil mir ganz grauenhafte Bilder durch meine, leider auch für mich nicht immer völlig durchschaubaren Gehirnwindungen schossen.
Was wäre, wenn sich hinter dieser Im- und Exportfirma etwas total Unseriöses verbarg? Im- und Export von Pornovideos womöglich?
"Und mit Dir als Hauptdarstellerin? Altes Mädchen, sei doch nicht blöde!", schimpfte ich so lautstark mit mir selber, dass ich meinen Blick erschrocken auf die Türe richtete, um festzustellen, ob ich eines meiner reizenden Familienmitglieder mit meinem Ausruf angelockt hätte. Da sich aber nichts bewegte, ließ ich meine Augen wohl schon zum dreißigsten Mal über das unschuldige Papier mit den schwarzen Buchstaben gleiten und ertappte mich erneut bei dem Gedanken an unseriöse Sexfilmchen.
Ich suchte förmlich nach dem von mir übersehenen Hinweis darauf, dass die Bewerberin jung und knackig, grade mal achtzehn und mit Idealmaßen ausgestattet sein sollte, aber nichts, rein gar nichts stand in der Anzeige, was meinen Verdacht auch nur annähernd zu bestätigen vermochte. Ja es stand ja nicht mal etwas hinsichtlich der Arbeitszeiten, des Lohns oder Gehalts in den wenigen Sätzen und von Sozialleistungen war natürlich erst recht nicht die Rede.
"Mama!", durchdringend schallte die Stimme meiner möchtegernhalbwüchsigen Tochter durchs Haus.
Seufzend faltete ich die Zeitung zusammen und trug sie durch die Diele, um sie in den Papierkorb fürs Altpapier zu werfen, der in einer Ecke des Vorratsraums beständig überfüllt darauf wartete, von einem der dafür zuständigen, wirklich nicht mit Aufgaben überforderten Personen, sprich meines Nachwuchses, in die blaue Papiertonne, die neben unserer Hauswand steht, gebracht zu werden.
Gerade wollte ich mich an dieser beliebten, scheinbar aber kaum lösbaren Tätigkeit vergreifen, da steckte Melaniechen ihren Kopf zur Türe herein. "Ach, hier bist Du!"
Im gleichen Moment, als ich des Kindes ansichtig wurde, vergaß ich mein Vorhaben und starrte die Kleine voller Entsetzen an. Den Anblick musste man aber scheinbar bei Tageslicht genießen, denn irgendwie wirkte sie in dem fahlen Dämmerlicht ziemlich fremd auf mich.
Ich steppte in die Diele und griff nach Melanies Arm. "Ja um Himmels Willen, wie siehst Du denn aus?" Ich musste wohl ziemlich rasch die Farbe gewechselt haben oder sonst irgendwie eine dekorative Teintschattierung angenommen haben, denn die unschuldigen Blauaugen starrten mich nun ihrerseits erschrocken an. "Wieso? Stimmt was nicht?"
Vergessen waren in diesem Augenblick alle Mädchen für alles, alle Zeitungsanzeigen und unerwähnten Sozialleistungen, aktuell war nur noch meine Neunjährige, die mehr einem Vamp denn meinem süßen, kleinen Mädchen ähnelte.
'Schimpfen bringt nichts!', ermahnte ich mich im Stillen und versuchte verzweifelt, eine gleichgültige Miene aufzusetzen, gleichwohl hörte ich es, meine Stimme klang schriller als gewöhnlich.
"Stand die Tür zum Kohlenkeller auf?", fragte ich um Freundlichkeit bemüht, doch die Verständnislosigkeit in dem Blick des Kindes, meines Kindes, sagte mir nur: 'Die Alte spinnt doch wohl total!', was dann in Worte formuliert lautete: "Aber Mama, wir heizen doch mit Öl. Nur die Uroma hat noch Kohlen im Keller."
Jetzt nur nicht aufregen!
Noch eine Spur freundlicher deutete ich auf ihre Augen: "Und von den Klütten aus Uromas Keller hast Du Dir beim letzten Besuch wohl gleich ein paar geklaut."
"Nö, wieso sollte ich?" Mein Herzblatt schüttelte genervt den Kopf und wollte wohl noch etwas hinzufügen, doch just in diesem Augenblick segelte mein Göttergatte durch die Diele. "Ist schon wieder Karneval? Ich hoffe, Du weißt, wofür Wasser und Seife gut sind, mein Fräulein!"
Mit Nachdruck schloss sich die Bürotür hinter unserem Herrn und Meister und ich versuchte vorsichtig: "Deine Kriegsbemalung sieht grässlich aus, Liebes. Die dicken schwarzen Balken um Deine Augen lassen dich krank aussehen, so als müsstest Du die nächsten Tage das Bett hüten."
Mel verzog ihr normalerweise sehr hübsches Gesichtchen: "Ach, das meinst Du. So'n Aufstand wegen so einem bisschen Schminke. Ihr seid echt ätzend."
Zornig machte das zierliche Wesen auf dem Absatz kehrt, murmelte noch etwas Unverständliches, aber unverkennbar Unfreundliches und wollte entfleuchen.
Ich bekam gerade noch ihr T-Shirt zu fassen und mit dem nächsten Zugriff ihre Schulter, dann zerrte ich sie vor den großen Dielenspiegel und deutete auf das entstellte Persönchen darin. "Findest Du das etwa schön?"
Trotzig wanderte die blutrote, ein wenig verschmierte Unterlippe vor. "Klar! Und ich begreife überhaupt nicht, wieso Du plötzlich so ein Problem daraus machst, denn erst neulich hast Du selbst gesagt, die Sängerin von dieser Gruppe, deren Namen ich leider vergessen habe, sähe echt irre aus."
Ich erinnerte mich meiner unbedachten Äußerung und war nahe dran, zu resignieren, da erwachte mein Kampfgeist erneut und ich schwor mir, aus dem Minivamp wieder meine süße kleine Tochter zu machen. Ich konnte mich zwar an den Namen der Band auch nicht mehr erinnern, aber das vampirähnliche Aussehen der Musiker mit ihren weißgeschminkten Gesichtern fiel mir sofort wieder ein.
In gespielter Hilflosigkeit verdrehte ich die Augen und knurrte: "Na von mir aus, finde Du Dich schön, aber geh besser so nicht unter Menschen, die erschrecken sich sonst nur unnötiger Weise und wundere Dich nicht, wenn kleinere Kinder schreiend davonlaufen." Ich wusste genau, dass ich sie damit gepackt hatte, denn Melanie will zwar auffallen, aber sicher nicht in unangenehmer Weise. Mein kleines Äffchen will nur bewundert werden, aber nicht schlecht beredet.
Dennoch folgte noch ein verschnupftes: "Du bist gemein!", was mich aber nicht weiter tangierte, denn wenn mein Nachwuchs nicht weiterweiß, dann kommt oftmals nur noch die Feststellung dass Eltern grundsätzlich und wir speziell gemein seien, aber ich weiß, dass ich im Regelfall die Schlacht gegen meine kleine Brut damit gewonnen habe.
Mein hoffnungsvolles Töchterlein jedenfalls warf beleidigt den Kopf in den Nacken und brummelte: "Na gut, dann wasche ich es eben wieder ab. Aber wenn ich erst berühmt bin, dann kannst Du mir glauben, dann laufe ich jeden Tag so rum!"
Mit dieser Bemerkung schob sie ab und verschwand mit einem
letzten unwilligen Blick auf die ignorante Mutter hoheitsvoll die Treppe hinauf.
Kopfschüttelnd blickte ich dem Mädchen hinterher: Möge der Himmel die Welt vor einer berühmten Melli bewahren.
Der Rest des Tages war geprägt von unleidlichen Familienmitgliedern. Meine Tochter war noch immer eingeschnappt, mein Mann ärgerte sich darüber, dass eine Neunjährige überhaupt schon Makeup besaß und unser Filius hatte sowieso schon seit gestern Mittag übelste Laune, wollte sich aber zu irgendwelchen Gründen beim besten Willen nicht äußern.
Am Abend im Bett ließ ich meinen Tag Revue passieren und fühlte mich so unzufrieden, wie schon lange nicht mehr. Ich war es gründlich leid, mir ständig die muffigen Gesichter meiner Lieben anzusehen und hoffte, dass mir eine Erleuchtung käme, wie daran etwas zu ändern sei.
Plötzlich fiel mir das freundliche Mädchen für alles wieder ein und ich fragte mich auf einmal, ob es nicht einfacher wäre, etwas für mich zu tun, als das ziemlich hoffnungslose Unterfangen zu starten, meine Familie noch zu ändern. Irgendwie hatte ich schon länger den Eindruck, als fühlten die sich in ihren Launen viel zu wohl, als dass sie sie aufgeben wollten.
Ja und genau in diesem Augenblick stand mein Entschluss felsenfest: Am Montag würde ich die in der Annonce angegebene Telefonnummer anrufen und mich genauer nach dem Job erkundigen.
Der Montag kam und er begann direkt mit einem Knall. Mein reizender Sohn präsentierte mir, schon in Jacke und mit Fahrradhelm auf dem Kopf, schnell noch etwas zum Unterschreiben, aber da ich grundsätzlich nichts abzeichne, was ich nicht mindestens zwei Mal gelesen und auf Herz und Nieren und mögliche Rechtschreibfehler hin überprüft habe, kam der Bengel mit seiner Überrumpelungstaktik nicht durch und mit seiner verhauenen Lateinarbeit natürlich schon gar nicht.
"Was fällt Dir ein, mir den Wisch zu präsentieren, wenn Du längst aus dem Haus sein müsstest?"
Lapidares Schulterzucken beantwortete mein Brüllen, dann krönte der Satz: "Wenn Du mich mit Deiner blöden Abfragerei nicht dauernd so nerven und durcheinanderbringen würdest, wäre ich mit Sicherheit in der Schule besser!", die Unterhaltung. "Und jetzt unterschreib' schon, ich bin eh spät dran und wenn Du wieder einen Schrieb kriegst, weil ich zu spät gekommen bin, rastest Du nur noch mal aus."
Ich war so perplex, mir stand der Mund noch auf, als meine Sprösslinge beide schon längst das Haus verlassen hatten. In meiner Hand zuckte es gewaltig und das Ausdenken der drakonischsten Strafen quälte sich durch meine Gehirnwindungen.
Ich ließ mich auf einen Küchenstuhl fallen und überdachte die letzte Szene. Na herrlich, jetzt war ich angeblich auch noch an der schlechten Note schuld. Ich konnte, ich wollte nicht begreifen, was ich da gehört hatte.
Höhnisch grinste mich das Chaos auf dem Frühstückstisch an und mit einem Schlag wurde mir klar, was meiner kleinen, verwöhnten Brut fehlte: Verantwortungsbewusstsein und vor allen Dingen Aufgaben, die Ihnen zeigten, was Ihnen Ihre Mutter wert sein sollte. Aufgaben, die ihren Geist forderten: Sie mussten einfach endlich mal lernen, ihren Mist zur Abwechslung selber wegzuräumen oder erst gar nicht solch eine Unordnung zu produzieren. Und wie könnte man ihnen dies am einfachsten klar machen?
Ganz logisch, indem Mama nicht mehr ständige Präsenz inmitten der wuselnden Bande zeigte, sondern einer aushäusigen Tätigkeit
nachging.
Die Idee war sicherlich bereits seit Samstag in mir gereift, doch der Mut zur Umsetzung war ganz plötzlich in mir aufgetaucht und da ich meine Unentschlossenheit in solchen Vorhaben kannte, ging es nur im Hauruckverfahren oder gar nicht.
So schnell war ich schon lange nicht mehr an unserer Altpapiertonne. Mit dem ganzen Oberkörper hing ich im Blau und musste daran denken, was den Nachbarn wohl bei meinem Anblick durch den Sinn gehen würde. Sie würden sicher denken, ich hätte Hundertmarkscheine ins Altpapier geworfen, so eifrig durchwühlte ich die Papierstöße.
Zielsicher hatte ich aber schon nach wenigen Sekunden die Samstagszeitung gegriffen und so, als sei der Anzeigenteil klebrig, hatte ich auch sofort das richtige Blatt in der Hand.
Bevor irgendeine freundliche Nachbarin auftauchen und mich nach dem Sinn meines merkwürdigen Tuns befragen konnte, sauste ich ins Haus zurück, schloss hastig die Haustür hinter mir und atmete tief durch. Dann ging ich in die Küche, setzte mich auf meinen Platz, legte die Zeitungsseite vor mich auf den Tisch und glättete fast zärtlich die verknitterte Seite.
Sicherlich zum hundertsten Mal las ich den schönsten Satz seit Erfindung der Druckerkunst: "Freundliches Mädchen für alles gesucht."
Die zaudernde Ehefrau, liebende Mutter und sorgende Hausfrau versuchte sich zaghaft in mir zu Wort zu melden. Würde meine Familie mit der zweifelsohne auf sie zukommenden Belastung durch Übernahme kleinerer Tätigkeiten im Haushalt zurecht kommen? War es nicht äußerst selbstsüchtig von mir, einfach einer Laune nachzugeben und mir ohne Absprache mit meinen Lieben einen Job zu suchen, der unser aller Leben bestimmt durcheinanderbringen würde?
'Unsinn!', meldete sich sofort die selbstbewusste, emanzipierte Frau in mir. 'Die werden sich alle ziemlich schnell daran gewöhnen, dass wir in Zukunft ein kleines Bisschen mehr Geld für Dinge außer der Reihe übrig haben werden.'
Ehe ich es mich versah, stand ich also in der Diele und hielt auch schon den Telefonhörer in der Hand. Selbstbewusst tippte ich die angegebene Nummer ein, die ich längst auswendig kannte.
Aber, was war denn das? Herzklopfen?
Und wie, es bummerte so sehr, dass ich kaum das Klingeln am anderen Ende der Leitung hören konnte und erst wieder ein wenig zu mir kam, als die noch sehr jung klingende Stimme bereits zum zweiten Male fragte: "Was kann ich für Sie tun?"
Tapfer gab ich mich weltmännisch und sagte nach Nennung meines Namens und der Tageszeit: "Ich habe Ihren Namen leider nicht verstanden."
"Maier-Müllerson, gnädige Frau, mit A-I und ohne H. Wie kann ich Ihnen helfen?"
Heimlich musste ich grinsen. Ob die schon mal darüber nachgedacht hatte, wie blöd das A-I ohne H sich anhörte? Wahrscheinlich nicht, sonst würde sie sich und anderen den Zusatz nach Nennung Ihres ohnehin reichlich bescheuerten Doppelnamens sicherlich ersparen. Ich holte tief Luft und fühlte mich schon ein klein wenig besser, doch haspelte ich mein Anliegen so schnell ich konnte herunter, um keinen Rückzieher meinerseits zu riskieren.
Nachdem sie mir geduldig zugehört hatte, flötete die Stimme von Frau Maier-Müllerson: "Es freut uns, dass unsere kleine Anzeige Sie angesprochen hat, gnädige Frau. Hätten Sie denn gleich heute Zeit, sich bei uns vorzustellen?" Sie säuselte eine Uhrzeit und ich sagte ohne zu überlegen zu, notierte rasch die Adresse und verabschiedete mich.
Den Hörer noch in der Hand, hätte ich mich mit selbigem gleich ohrfeigen können: Einen Nachmittagstermin auszumachen, war gleichbedeutend mit kostenloser Belustigung meiner Neunjährigen, die für eine derartige Abwechslung alles würde stehen und liegenlassen, insbesondere, da der heutige Ballettunterricht, der normalerweise ein Muss ist, wegen Erkrankung der Trainerin eh abgesagt worden war.
Schulterzuckend fügte ich mich den Unausweichlichkeiten und studierte die notierte Adresse, als fände ich darin die Antworten auf meine immer noch ungeklärten Fragen und obwohl ich den Stadtteil recht gut kannte, zog ich doch vorsichtshalber einen Stadtplan nebst des Linienverzeichnisses der Verkehrsbetriebe zu Rate. Erst Bus, dann Bundesbahn und schließlich mit der Straßenbahn bis fast zum Ziel.
Unter Zuhilfenahme meiner Finger und um sicherzugehen, dass ich auch keines der Verkehrsmittel vergessen könnte, überlegte ich, wie lange ich wohl brauchen würde, um der Erfüllung meiner Sehnsüchte nahe zu kommen und letztendlich kam ich zu dem Schluss, dass ich mindestens 2 Stunden Fahrzeit einkalkulieren müsste.
Während des Mittagessens erklärte ich meinem Fräulein Tochter so beiläufig, wie nur irgend möglich, dass ich an diesem Nachmittag in die Stadt zu fahren gedächte und es trat alles genau so ein, wie ich es befürchtet hatte. Melli war mit keinem noch so raffinierten Trick dazu zu bewegen, daheim zu bleiben, im Gegenteil, sie platzte fast vor Neugier, weil ich ihr partout nicht verraten wollte, wohin mein Ausflug uns führen und aus welchem Grunde sich ihr diese unverhoffte, vielversprechende Abwechslung bieten würde.
Nach der hastig eingenommenen Mahlzeit blieb mir nicht mehr viel Zeit, mich dem Haushalt zu widmen, weil wir sonst den Bus nicht mehr erwischen würden.
Endlich saßen wir in dem altersschwachen, von vielen unnützen Schülerpfoten übermäßig stark demolierten Bus der Verkehrsbetriebe und dienten der Allgemeinunterhaltung der anderen Fahrgäste, denn sehr zum Vergnügen und der Belustigung aller Umsitzenden quengelte und bohrte mein Töchterlein die gesamte Busfahrt bis zum Bahnhof und stellte lautstark die tollsten und wagemutigsten Vermutungen an und da die Busfahrt immerhin fast ein halbe Stunde dauerte, wurden diese Spekulationen natürlich immer gewagter, denn schließlich hatten ihre scharfen Ohren durchaus vernommen, dass ich als Zielort Köln-Nippes angegeben hatte.
Ich blieb zugeknöpft und bewahrte sogar die Ruhe, als die Kleine plötzlich blaß um die Nase wurde, die Stimme senkte und leider immer noch ziemlich gut hörbar flüsterte: "Sag bloß nicht, Du willst Dich von Papa scheiden lassen."
Die unausweichliche Folge ihres Flüsterns war natürlich, dass unsere aufmerksamen Zuhörer sich Hälse und Ohren verrenkten, um nur ja alles mitzukriegen und vor allen Dingen Mutters Reaktion auf diese provokante Feststellung nicht zu versäumen.
Gelassen gab ich also zu Antwort: "Unsinn, Liebes, wie kommst Du denn auf so 'nen Unsinn?"
Melli zog ein Schnütchen und knurrte: "Marias Eltern haben es auch immer abgestritten und jetzt sitzt sie in der Scheiße, weil sie nicht weiß, zu wem sie gehen soll. Sie hat ihren Papa genau so lieb, wie ihre Mama."
Ich seufzte leise und versicherte meinem ängstlichen Küken: "Du hast natürlich recht, das ist echt eine schlimme Lage, in der Deine Freundin sich befindet, aber Du brauchst Dich nicht zu sorgen, ich will mich ganz sicher nicht von Deinem Vater trennen."
Gottlob, die letzte Kurve und wir durften endlich aussteigen. Doch was war das? Ich glaubte, meinen Augen nicht zu trauen, Melanies Fangemeinde blieb uns doch glatt erhalten. Auf dem Bahnsteig und sogar noch in dem von Schülern hoffnungslos überfüllten Zug nach Köln erkannte ich immer wieder die gleichen Gesichter. Ja sogar noch in der Straßenbahn nach Nippes blieben uns ein dicker, schwitzender Kerl mittleren Alters, gut erkennbar an seiner einen ausgesucht schlechten Geschmack beweisenden Krawatte und eine penetrant Rothaarige, mit einem zum Erschrecken zickigen Gesicht, dicht auf den Fersen, ohne allerdings auch nur noch die geringste Kleinigkeit aus unserem heimischen Nähkästchen zu erfahren, denn mein intelligenter Nachwuchs war mittlerweile auf das für ihr Alter absolut unverfängliche Thema Schule ausgewichen und erzählte in epischer Breite, wie sie einem Drittklässler in der Pause gezeigt hatte, wozu eine emanzipierte Viertklässlerin so alles in der Lage ist. Na ja, und da das Thema Schule für einen Grundschüler meistens unerschöpflich ist, ließ ich meine Süße gewähren.
Endlich stieg das schwitzende Mittelalter aus und ich brauchte die wirklich unglaublich geschmacklose Krawatte meinen armen, geplagten Augen nicht länger zuzumuten.
Zwei Stationen weiter verließen mein Töchterlein und deren Wenigkeit Mutter ebenfalls die Straßenbahn, wobei wir das Zickengesicht mit den wirklich scheußlich roten Haaren zurücklassen durften.
ie Bahn fuhr ab und ich kreiselte einmal um meine Achse.
"Verflixte Kiste, Stadt, wat haste dir verändert!" Es war unglaublich, aber ich erkannte kaum noch etwas wieder, setzte mich dann aber kurz entschlossen in Trab, weil meine Tochter maulend meinte: "Ich dachte, Du wüsstest, wo Du hin musst. Du hast doch lange genug den Stadtplan studiert."
Sie zuckte die Schultern und zottelte hinter mir her, wobei meine Ohren gerade noch von dem Satz: "Papa hat recht, Kartenlesen ist Deine schwächste Seite!", gestreift wurden.
Ich wusste, dass weder Vater noch Tochter da so ganz unrecht hatten, dachte aber für einen Moment ernsthaft daran, vielleicht doch lieber einen Scheidungsanwalt aufzusuchen, denn was kann schließlich ich dafür, dass mir beim Autofahren immer schlecht wird, wenn ich versuche, etwas zu entziffern? Das ging mir schon so, als ich noch ein Kind war und hat sich leider bis heute nicht gebessert.
Nervös studierte ich abwechselnd die Straßenschilder und meine Armbanduhr und atmete erleichtert auf, als ich endlich den ersehnten Namen erkannte. Auch die Nummer 35 war rasch gefunden, doch mich überfiel fast die Panik, als ich erkannte, dass das Haus über mindestens fünf Eingänge verfügte.
Ich kratzte mich ziemlich undamenhaft am Kopf und Melli feixte: "Latein am Ende, Mutter weiß nicht mehr weiter."
"Denkst Du!" Ich gab mich kampfeslustig und tippte auf eine Tafel: "Da, Im- und Export, da bin ich richtig."
Eine aufgetakelte Frau von etwa Ende Dreißig zwängte sich an mir vorbei, wobei sie mir einen ungnädig abschätzenden Blick zuwarf und ein etwas widerstrebendes Etwas hinter sich her zerrte, welches sich bei näherer Betrachtung als Mädchen in Melanies Alter entpuppte. Es gab da nur einen kleinen Unterschied: Mel sah wie ein Mädchen aus, das arme Kind hingegen eher wie eine aufgedonnerte Engelsfigur. Bestimmt war die gerade einem irren Stylisten in die Hände gefallen, der sich so richtig ausgetobt hat.
Ich rümpfte die Nase, denn die Parfümwolke, die die beiden bei mir zurückließen, schien in der ersten Zehntelsekunde von einem teuren Designerparfum zu stammen, doch meine höchst sensiblen Nerven in der Nase signalisierten schon in der zweiten Sekunde: 'Nachgemachtes Billigparfüm vom Wochenmarkt, die große Flasche für unter 10 Märkerchen, vom Original nicht zu unterscheiden!' Ha, was für ein Witz! Möglich, dass sich die Durchschnittsnase eines Kettenrauchers täuschen lässt, aber nicht mein empfindliches Riechorgan, welches leider umgehend eine Meldung an mein Hirn weitergegeben hatte, welches sich seinerseits nunmehr veranlasst sah, die in meinem Kopf mit Hämmern und Spitzhacken wohnenden Zwerge zu wecken und sie um Arbeitsaufnahme bat. Mit anderen Worten, ich bekam mit Knallbumm eine heftige Migräne.
Auch meine sonst kaum zimperliche Tochter wedelte sich mit der Hand vor dem Gesicht herum und verdrehte die Augen: "Jetzt weiß ich es ganz sicher, wo Eau de Toilette draufsteht, ist eindeutig Klowasser drin. Puh!" Sie schüttelte sich und deutete auf die nächste Tür. "Können wir nicht da reingehen? Den Hausflur hier kannste die nächste Stunde vergessen. Der ist so verpestet, da brauchste noch 3 Tage 'ne Gasmaske."
"Quatsch, stell Dich nicht so an," knurrte ich, tippte noch mal auf das Schild und brummte: "Da will ich hin, also ist diese Tür richtig."
Mel zuckte die Achseln. "Wenn Du meinst. Ich dachte, Dir wird es schlecht von so 'nem Gestank."
Sie hatte zwar recht, doch ich bemühte mich um Tapferkeit vor dem Feind oder besser darum, nicht vor meiner Nase zu kapitulieren, stellte mich vor die unglaublich vielen Klingelknöpfe und wurde wieder nervös. Himmel, wie viele Parteien tummelten sich da bloß in dem Gebäude und wer sollte sich da bloß zurechtfinden.
"Dürften wir wohl vorbei?" Keine Bitte, nur hochmütig hochgezogene Augenbrauen und der säuerlich zusammengekniffene Mund einer Frau in deren Begleitung sich ein scheinbar furchtbar wichtiger Herr und eine kleine, dressierte, aufgeputzte Pudeldame befanden. Ich runzelte die Stirn. Nein, das war ja gar kein Hündchen, wieder ein etwa 8 oder 9 Jahre altes Mädchen. Komisch, ein Psychiater für bekloppte Eltern verdrehter Kinder ist mir unter den vielen Namen bei den Klingeln gar nicht aufgefallen.
Endlich hatte ich die Firma Exotika Im- und Export gefunden und drückte beherzt auf den goldenen Knopf, woraufhin sofort der Summer ertönte, obwohl die Türe längst offen stand. Blöd, ich hatte mir gewünscht, dass mir eine freundlich Stimme aus der Gegensprechanlage den Weg beschreiben würde, doch so war ich auf mein leider nicht vorhandenes pfadfinderisches Können angewiesen.
Wir stiegen eine Treppe herauf, ich las etwas von Exotik und folgte einem Pfeil, bog um eine Ecke und um noch eine und stellte fest, dass wir uns hoffnungslos verlaufen zu haben schienen. Mittlerweile wusste ich kaum noch, in welchem Stockwerk wir uns befanden. Melli empfand die Sache als das tollste Erlebnis seit Jahren, schöner als Phantasialand, Kirmes, Zirkus und Kino zusammen. Sie amüsierte sich königlich.
Endlich kam uns eine schlanke, in legere Kleidung gehüllte, engelsgleiche Erscheinung entgegen. "Sie wollen sicher zu uns, folgen Sie mir doch bitte. - Wie heißt Du denn?" Sie wandte sich an meine Tochter, die höflich zurückhaltend Auskunft gab.
Bei näherer Betrachtung entpuppte sich mein Engel als ganz normale junge Frau und ich gelangte zu der Überzeugung, dass mir in dem grauenvollen Labyrinth der Flure jedes menschliche Wesen wie ein Engel vorgekommen wäre. Sie öffnete eine Tür, schob uns in den Raum und meinte: "Es wird eine Weile dauern, es sind noch einige vor Ihnen dran. Setzen Sie sich. Was darf ich Ihnen anbieten? Sekt, Orangensaft oder lieber einen Kaffee? Kekse stehen auf dem Tisch, bedienen Sie sich einfach."
Melanie zögerte natürlich nicht, verlangte O-Saft und griff nach einem Keks. Mir selber war beim Anblick der vielen Wartenden der Appetit und auch alles andere vergangen. Erstaunlich, auf wie viele Menschen die Anzeige ansprechend gewirkt hatte. Sehen heute so die Mädchen für alles aus? Meine Hoffnung auf den Job sank erheblich.
Ich ließ meinen Blick schweifen und begegnete vornehmlich abweisenden Gesichtern. Ich nahm in einem Korbstuhl Platz und versuchte einen gelangweilten Gesichtsausdruck, mit dem ich die Umsitzenden musterte. Dann erstarrte ich, denn ich erkannte das Ehepaar mit ihrem dressierten Pudeltöchterchen und auch die Stinkwolke mit Fräulein Hochgestylt. Es wurde getuschelt und ich bekam den Eindruck, als würden sich die meisten der Anwesenden kennen. "Wir waren vorige Woche in Wuppertal, haben aber bisher noch keinen Bescheid bekommen," meinte eine Frau zu einem offenbar recht genervten Vater, der leise brummte: "Wir haben gestern aus Dortmund eine Absage bekommen. Josepha war am Boden zerstört. Ich hoffe, dass das hier heute klappt, immerhin kommen wir extra aus Münster. Na ja, morgen haben wir noch einen Termin in Düsseldorf."
Ich stutzte: Was ging hier vor? Extra aus Münster anreisen, für einen Job als 'Mädchen für alles'? Und wieso überhaupt? Selbst einem Blinden kann der Kerl nicht weismachen, dass er ein Mädchen ist.
Langsam fühlte ich Unruhe in mir aufkeimen. Ich war in eine höchst merkwürdige Gesellschaft hineingeraten. 'Ich gehöre hier nicht hin', dachte ich gerade, da erschien die freundliche junge Dame wieder, sah sich kurz suchend um, trat zu Herrn Mädchen, murmelte etwas und lächelte auch der Mutter, die noch vergangene Woche in Wuppertal gewesen war, zu, nickte einmal in die Runde und entführte daraufhin Miss Püdelchen und Miss Hochgestylt, was mich erstarren ließ.
Ich wollte gerade aus dieser Starre erwachen, da kehrte sie mit 2 Mädchen zurück, die so affektiert wirkten, dass es sogar meinem Töchterlein ein abfälliges Mundwinkelherabziehen entlockte. Gegen die beiden Prinzessinnen wirkte Melanie wie eine Dienstmagd. Sie war wie ein Stück Schiefer gegen zwei Diamanten. Die Frau brachte die beiden des kindlichen Beraubten zu "Frau Wuppertal" und "Herrn Mädchen", drehte sich zu Melanie um und forderte sie auf, ihr zu folgen.
Neugierig wie sie ist, sprang meine Kleine auf, warf mir einen unschuldigen Blick zu und entschwand noch ehe ich klar denken konnte.
Panik raste durch meinen Körper, ich begriff überhaupt nichts mehr. Nur am Rande bekam ich mit, dass "Herr Mädchen murmelte: "Dann war das wohl wieder nichts. Ich frage mich wirklich, was wir falsch machen." Die beiden Mädchen sahen sich giftig an, dann brach die, die offenbar zu der Frau gehörte, in Tränen aus. Unter Schluchzen jammerte sie, dass sie mitbekommen hatte, wie ein Mann böse gesagt habe, dass er keine Porzellanpuppe im Designerkleid suche, sondern ein Mädchen, so natürlich, wie eine Blume auf einer ungemähten Wiese.
Ich musste grinsen, obwohl ich nicht so recht wusste wieso, da flog irgendwo eine Tür auf und die junge Dame, die mein Schieferstückchen entführt hatte, eilte auf mich zu. "Melanie hat uns gerade gesagt, dass sie gar nicht zu unserem Casting eingeladen worden sind."
Mein Gesichtsausdruck war bestimmt nicht sonderlich intelligent, denn ich verstand überhaupt nichts mehr.
Casting? Was für ein Casting?
Die Frau lachte auf. "Ihre Tochter sagte, dass sie einen Termin bei einer Firma hier im Haus hätten. Na zum Glück habe ich Sie entdeckt und hierher gelockt. Melanie ist offenbar genau das Mädchen, welches wir suchen. Natürlich müssen wir noch einen Probedreh machen und ich will Ihnen ganz offen sagen, dass wir noch einige andere Mädchen eingeladen haben, denn die Filmeltern müssen vom Aussehen her natürlich auch passen, aber ich habe das Gefühl, von ihrer Ausstrahlung, von ihrer herzerfrischenden Natürlichkeit und auch den so selbstverständlich anmutigen Bewegungen her, ist sie genau die Richtige für die Rolle."
Den Eltern der anderen Mädchen war bei der nicht geflüsterten Rede die Kinnlade herabgeklappert und meine kippte jetzt hinterher. Ich hatte doch wohl nichts an meinen Ohren, Rolle? "Was für eine Rolle?", konnte ich nur noch hauchen und versuchte zu begreifen, was geschehen war.
Die junge Frau strahlte. "Herrlich, welch ein Glück, dass sie genau zur richtigen Zeit im für Sie falschen Gang gewesen sind. Stellen sie sich bloß vor, wir wären aneinander vorbeigelaufen. Schrecklich, wir hätten uns mit der Besetzung noch lange schwer getan. Es geht um eine Hauptrolle in einem Fernsehspiel und wie es aussieht wird Melanie sie bekommen." Sie stutzte. "Das heißt natürlich nur, wenn Sie einverstanden sind und ähm, wenn wir die Modalitäten geklärt haben. Einverständniserklärung der Schule und so, Sie wissen schon. Wie sieht es mit den schulischen Leistungen ihrer Tochter aus?"
"Sie gehört zu den Besten," konnte ich nur brummen, denn irgendwie war mir meine Stimme abhanden gekommen.
"Na, das klingt doch prima. Wir bemühen uns auch die Dreharbeiten so zu legen, dass möglichst wenig Unterricht versäumt wird, was sich allerdings leider nicht immer vermeiden lässt. - Übrigens, ich heiße Schmitz." Sie lächelte dünn. "Ich weiß, dass kann hier in Köln jeder sagen."
In diesem Augenblick stürmte Melanie, mit vor Aufregung hochroten Wangen auf uns zu, ihre Augen strahlten, wie am Weihnachtsabend und sie rief: "Toll, Mama, echt toll. Und die Leute sind alle irre nett."
Frau Schmitz schmunzelte. "Da sehen Sie es, die Sympathien beruhen auf Gegenseitigkeit. Wenn Sie mir bitte folgen wollen, ich muss Ihnen sicherlich noch einige Fragen beantworten."
Sie drehte sich zu Melanie um: "Wie gut, dass ich mich so geirrt habe und Dich für eine unserer angeforderten Akteurinnen gehalten habe."
"Nö," grinste mein hoffnungsvolles Nachwuchstalent, "viel besser war es, dass sich meine Mutter in der Tür geirrt hat, sonst wären wir gar nicht hier reingekommen, denn Herr Klein hat gesagt, dass die Firma Im- und Export ohne Umwege zu erreichen ist, wenn man die nächste Eingangstür benutzt, die ich meiner Mam sogar vorgeschlagen habe."
Tja und was soll ich nun sagen, zwischenzeitlich hat meine Süße ein paar kleine Rollen gespielt und wir sehen der Ausstrahlung des Fernsehspiels mit Spannung entgegen. Eine richtige Agentur hat sie unter ihre Fittiche genommen und sie hat sogar schon ein paar Autogramme geben dürfen.
Und die Sache mit meinem Job hat sich gottlob auch erledigt,
denn die Firma suchte nichts anderes, als eine schlecht bezahlte Putze mit unmöglichen Arbeitszeiten und einer hundsmiserablen Bezahlung.
So aber wurde der Irrtum einer frustrierten Hausfrau und Mutter zum Karriereschubser für eine recht talentierte kleine Tochter.


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Eingereicht am 02. November 2006.
Herzlichen Dank an die Autorin / den Autor.
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