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Glimmstängel in Not

© Oliver Fahn


Schon oft wurde über mich diskutiert, dabei sehe ich so harmlos aus, gestehe meiner Umgebung all ihre Rechte ein und bekomme dafür manche Feuchte Lippe angepresst. Ich fühle mich wohl in geselliger Runde, ich liebe die Atmosphäre an den langen Abenden in der Gaststätte bei hitziger Diskussion um Politik, Fußball und alles was die Welt nicht bewegt und doch eifrig debattiert wird. Ich betätige mich als gebannter Zuhörer. Ist es nicht herrlich so passiv in sich zu glühen und trotzdem an all den Höhepunkten eines zauberhaften Abends teilzuhaben? Die Zuhörerschaft schenkt mir keine besondere Beachtung, zumindest nicht die, die sich um diesen Stammtisch versammelt hat und trotzdem bin ich auch hier als Gesprächsthema kaum mehr wegzudenken. Ich habe Kultstatus erreicht, aber während man über mich spricht, finde ich keine Akzeptanz als Einzelobjekt sondern nur im Kollektiv. Meine Leidensgenossen unterscheiden sich auch nicht von mir. Ich fühle mich schön und doch dem Tod so nahe. Während die Runde kräftig kichert, der Wirt das nächste Bier anzapft, bin ich nur noch Schall und Rauch. Hier zwischen Schweinebraten und Sulz, kernigen Damen und bauchigen Herren wäre mein Ort zum glücklich sein. Doch Gott sei Dank bleibt nur mein übler Geruch zurück, denn den Leuten außerhalb, denen stinkt es gewaltig, dass ich ihre Luft verpeste Ich bin ein echter Kneipenstar, doch andern Orts werde ich militant bekämpft. Doch meine Fangemeinde kann nicht ohne mich, ich werde kontrovers diskutiert, wie ein Politiker in unseren Breitengraden. Doch ich tröste mich damit, dass ich niemals persönlich gemeint sein kann, sondern immer nur im Kollektiv, denn ich bin eine Eintagsfliege und schon morgen werde ich einer anderen weichen, aber letztlich wird mich auch diese adäquat vertreten. Ich liege längst auf dem Aschenfriedhof und warte in der Stille, bis es heißt: "Ihr müsst leider alle draußen bleiben." Ich lache mir ins Fäustchen, weil ich noch zum Zuge gekommen bin und dem Druck noch standhalten konnte. Meine Nachfolger haben es da schon deutlich schwerer.


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Eingereicht am 24. November 2006.
Herzlichen Dank an die Autorin / den Autor.
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