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Leben in Zeitlupe

© Oliver Fahn


Ist es nicht ein irre tolles Gefühl, die Welt, das geschäftige Treiben, den Trubel von drinnen zu beobachten? Ich liege auf meinem flauschigen, himmelblauen Kopfkissen, die Wärme des Heizkörpers macht sich im ganzen Raum breit. Das hier ist übrigens der erste Stock, hier oben hat man noch mehr das Gefühl der Unabhängigkeit von aller Betriebsamkeit. Meine Gedanken drehen sich um Erfolg und Anerkennung, aber irgendwie erreicht mich diese Siegestrophäe auch, wenn die Leute in meiner Umgebung, die ich liebe, diesen glanzvollen Ruhm ausstrahlen. Ich fühle mich am Aufschwung beteiligt und spüre die gewinnbringenden Aussichten sanfter und gütiger, als stünde ich mitten im Getümmel. Die Umwege, die nötig sind um auf die Siegerstrecke zu kommen, die langen Distanzen zu solch prickelnden Erlebnissen, sind zermürbende, harte Arbeit, ich hingegen begnüge mich mit dem Endziel, dem bloßen Schein, der puren Illusion, die andere Menschen für mich erwirtschaften, das ist Glamour ohne Strapazen und Aufreibung. Ich lasse meine Umgebung schaffen, koste die Präsenz derer Triumphe in meiner eigenen Realität aus und fühle mich gut dabei. Um das Geld meiner Lieblinge und Familienmitglieder geht es mir nicht, es ist lediglich das Aufregende, dargelegt zu bekommen, was möglich wäre, wenn man keine Mühen scheute. Ich bin eben ein Idealist ohne die nötige Disziplin, um meine Ideale in der anderen Realität, der Welt der physischen Erscheinungen umzusetzen. Doch habe ich mich selbst besiegt, denn ist es nicht klug, seine Zielstrebigkeit dem Traumtanz zu opfern, ist sie doch die Kraft, die mein Herz schweben lässt. Kann nicht auch ein eingebildeter Reichtum ein wahrer Reichtum sein, wenn er uns gesund und bescheiden hält und uns vor Zerstreuung schützt? Ich genieße jedenfalls weiterhin die Aussicht aus dem ersten Stock und überlasse das Dampfen den Kaminen, die ihr Unwesen auf den unzähligen Häusern treiben. Ich erinnere mich an den treffenden Spruch meiner Mutter: "Junge, tu das, was du am besten kannst!", dem gehe ich gehorsam nach, so beschließe ich heute gleich in meinem Reich zu bleiben und das zu tun, was mir am meisten liegt und das ist eindeutig mir die Welt schön zu träumen, bis die Illusion zu meiner Wirklichkeit wird.


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Eingereicht am 24. November 2006.
Herzlichen Dank an die Autorin / den Autor.
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