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Irrtum

© Oliver Fahn


Olaf hatte so ein beklemmendes Gefühl in seiner Brustgegend, es lag daran, dass er sehr abergläubisch war und heute war Freitag, der 13. und er hatte bereits am Frühstückstisch eine Tasse fallen gelassen. Er wollte nicht aus dem Haus gehen, doch er musste seiner beruflichen Tätigkeit als Hausmeister im städtischen Freibad nachgehen. Sabine hatte ihn vor dem finanziellen Ruin gewarnt, der höchstwahrscheinlich eintreten würde, wenn er seine Stellung verlöre und dann würde Freitag der 13. erst seine wahre Wirkung entfalten. Also beschloss er doch den Schritt aus der Wohnungstür zu wagen, wenn auch vorsichtiger und bedächtiger als an anderen, weniger verhängnisvollen Tagen.
Als Olaf im Schwimmbad eintraf, musste ihn eine seltsame Aura umgeben. "Olaf, erinnerst du dich, als du dir damals beim Sprung ins Becken deinen rechten Fuß verstaucht hast, da musstest du vier Wochen pausieren, es war Freitag der 13., was haben wir heute für ein Datum?" Günther, sein Begleiter in der Hochsaison, scherzte über dieses gefährliche Datum, denn er wusste nicht, was es für Olaf für einen Schrecken besaß. Olaf wartete, bis ein Unglück demaskiert vor ihm stehen sollte, doch nichts Furchtbares passierte. Seine innere Stimme simulierte eine Panikattacke, damit zumindest im geringen Maße das eintrat, worauf er sich eingestellt hatte. "Heute ist aber ein sehr ruhiger Nachmittag, kaum Menschen hier, woran das wohl liegen mag, dabei ist heute herrliches Badewetter, viel zu sonnig, um zuhause zu bleiben", hörte er einen älteren Stammgast der Badeanstalt zu seinem Kollegen Günther sagen. "Sagenhaft, bin ich froh, dass ich einen Job habe, bei dem ich zwangsläufig aus dem Haus getrieben werde, sonst würde ich auch so versauern, wie die Leute, die dem Schwimmbad fernbleiben", antwortete Günter nebenbei und Olaf, der am Gespräch passiv beteiligt war, bekam eine rötliche Gesichtsfarbe, weil er nicht begriff, wie sie so naiv sein konnten, so dermaßen fahrlässig an diesem denkwürdigen Datum vorbeizureden.
Als Olaf am Spätnachmittag seinen Platz auf der heimischen Couch einnahm, berichtete er seiner Sabine davon, dass heute seltsamerweise alles glatt lief und das an einem solchen Tag. Sabine konnte Olafs Meinung nicht teilen, sie ärgerte sich darüber, dass er seinem Glück so kritisch gegenüberstand. Olaf fiel müde ins Bett, er war angesäuert, weil Sabine seinem Anliegen ebenfalls mit zuwenig Ernsthaftigkeit begegnete. Er wälzte sich auf der Matratze hin und her und musste schwitzen, obwohl es eine angenehme Temperatur im Schlafzimmer hatte. Nach langer Schlaflosigkeit setzte er sich auf die Toilette, seine Gedanken sprangen von einer Katastrophe zur nächsten, immer in der stillen Hoffnung, etwas Schlimmes würde eintreffen, damit seine Suche nach dem Grauen endlich ein Ende hätte. Sein Herz fing an zu pochen, sein Puls stieg an, er schrie nach Sabine, die sprang aufgeregt aus dem Bett, rief den Krankenwagen und der kam nach wenigen Minuten in die Schmidgasse 2 gebraust und nahm Olaf zu seiner Erleichterung mit, er hatte kurze Zeit sein Bewusstsein verloren. Er erwachte in der Klinik und sah nur weiße Kittel um sich herum und es roch sehr steril, Sabine war auch da. Olaf hörte die Ärzte mit ihr reden, die gerade dabei waren, den Aufnahmebericht zu vervollständigen. Olaf bekam einige Wortfetzen mit, obwohl alle Anwesenden sehr leise sprachen. "… es war um 0.30." Olaf war geschockt, für ihn brach die Illusion der Zahl 13 zusammen, denn 0.30, das wusste auch er, musste bereits am Samstag, den 14. gewesen sein. "Wirst du jetzt Samstag, den 14. zu deinem Unglückstag erheben?" Er fand es angenehm Sabines ruhige Stimme zu hören, aber Olaf waren die Nachwirkungen dieses Freitags sehr peinlich, er versuchte seine Blicke von Sabine fernzuhalten, denn er bildete sich ein, einen vorwurfsvollen Unterton in ihren Worten zu hören.


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Eingereicht am 01. Dezember 2006.
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