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Damals

© Simonko


Mit Tränen in den Augen spazierte Esther von der Schule der Freiheitsstraße entlang nach Hause. Ihr Vater war auch schon zu Hause. Man hatte ihm vor einiger Zeit den Führerschein entzogen, weil er, nachdem er zwei Bier getrunken hatte, mit dem Auto nach Hause fahren wollte. Der Ordnungshüter, der ihn dabei erwischt hat, war eigentlich sein ehemaliger Schulfreund gewesen. Da er aber nun so besessen war die Gerechtigkeit zu vertreten, entschloss er dennoch rechtliche Maßnahmen einzuleiten. Diese bestanden nicht nur aus dem Entzug des Führerscheins, sondern auch aus der Strafe in Höhe eines Monatsgehalts. Im Fernsehen lief gerade eine Sendung, in der verschiedene Gegenstände verkauft wurden. Zur Auswahl stand auch eine Tasse aus Porzellan. Esther betrachtete die dafür verlangte Summe und fragte sich, ob ihr Vater jemals diese Summe aufbringen könnte, schließlich konnte er nicht mehr arbeiten, als er schon täte. Er ging morgens aus dem Haus und kam spät am Abend wieder zurück. Ferngesehen hatte sie schon längst nicht mehr, egal welchen Sender sie auswählte, die dahinterliegenden Botschaften waren alle dieselben. Esther grüßte ihren Vater und machte sich auf den Weg in ihr Zimmer. Dabei ging sie am Zimmer ihrer Mutter, die zurzeit krank im Bett lag, vorbei. Ihre Krankheit galt einst tödlich, bevor jemand eine Medizin dafür erfunden hatte. Dann fiel ihr wieder die Schule ein. Gestern hatte sie den ganzen Nachmittag damit verbracht, sich für die Prüfung vorzubereiten. Trotzdem wurde ihre Leistung heute als nicht genügend bewertet. Nach kurzem Überlegen fiel ihr auf, dass seit sie zur Schule ging, jemand andauernd ihre Leistung bewertet hatte. Ihr Blick fiel auf eine Musik-CD. Sie hatte dafür einen Monat lang gespart, konnte sie jetzt aber nicht mehr abspielen. Die Technologie galt inzwischen als veraltet. Genauso so veraltet wie das Auto ihres Vaters. Er hatte es sich vor zwei Jahren gekauft, konnte jetzt aber nicht mehr damit herumfahren, da die dafür verlangten Steuern einfach zu hoch waren. Sie saß nun da, blickte aus ihren Zimmerfenster und fragte sich, wo dieser Mann auf der Straße hineilte. Es sah fast so aus, als wäre jemand hinter ihm her, wovon er weglaufen müsste. Esther hatte nun endgültig genug von dem Ganzen. Sie setzte sich vor ihren Schreibtisch hin und fing an, an einer Kurzgeschichte zu schreiben. Dabei spürte sie ein Hauch von Freiheit. Dieselbe Freiheit, die auch ihre Ahnin spürte, als sie der Freiheitsstraße entlang nach Hause ging, nachdem sie im Wald Himbeeren gepflückt hatte.



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Eingereicht am 19. Februar 2007.
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