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Eine Mondscheinsonate

© Annelie Jagenholz


Ein eisiger Wind pfeift gegen die Fensterscheibe, hinterlässt zarte Gebilde von Sternen, … geschaffen, wie in Zeitraffer.
Das Fenster ist offen, doch dort entsteht keine Welt.
Die Tapete ist fleckig, der Fußboden gekachelt, ein Raum mit beinahe hinter Dunst verschwindendem Flügel. Stille, ruhende Notenblätter. Irgendwo tut sich eine Wand auf.
Man verschiebt einen Schrank, sucht zwischen staubigen Büchern - warum nur… liest keiner mehr?
Dahinter ein Geheimgang.
Wie oft träumt man nicht als Kind in einem alten Schloss zu wandeln und auf diese alten Geheimnisse zu stoßen, aber bitte ohne Geister. Und wenn, dann sollen sie zu berichten wissen. Mauern, dahinter vergraben … der Schrecken eines Autodafés. Eine Geschichte in der Geschichte.
Ein knarrendes Geräusch. Der Maestro nimmt Platz, richtet seinen Frack, zerrt an der Besonnenheit, verschwindet hinter Eitelkeit, kehrt zurück, räuspert sich und erhebt die Hände.
Die Musik ad libitum.
Hinter dem Fenster herrscht Dunkelheit. Kein Publikum, weder im Jetzt noch in der Vernunft. Kein Chaos und keine Notwendigkeit und nicht der Wirbel von Sternen.
Doch da strecken sich Arme, knacken entsetzlich, fallen auf die Tastatur, verkrampfen... beginnen von Vorne.
Man glaubt an Unsterblichkeit. Dieser Strom an Energie. Als würde alles lauschen… Unter diesen Gliedern fassoniert ein Netz an Schwarzweißseherei. Und schließlich ein so seltsames Vergessen. Wie leicht ist man verloren im Nebel, wenn alles gleich aussieht. Wenn Himmel und Hölle nicht mehr existieren, glauben die wenigsten an sich selbst… Und endlich, dort vorne, noch schwach, aber doch deutlich, der erste Ton.
Aufatmen… Der Beginn einer Melodie. Der Pianist ist gebeugt über seinem Spiel und keucht so herrlich inbrünstig.
Man muss an der Musik zerbrechen, um sie spielen zu können.
Man muss niedersinken, verschmelzen, vielleicht ein paar Tränen vergießen, weil Taubheit so viel Empfinden birgt.
Jetzt herrscht Benommenheit. Ekstase. Und, wenn die Musik verklingt, irisiert, schwebt, steigt mitten im Raum eine strahlende Kugel hinauf. Hinter diesem Licht verschwinden ganze Zweifel.
Für andere sind es nur Töne.
Und im Fenster spiegelt sich das grobe Gitternetz einer Auflösung von Halbtönen in helle und sogar farbige Punkte eines Mondscheins.
Wenn Unfassbarkeit fassbar wäre, dann hier ...



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Eingereicht am 19. Februar 2007.
Herzlichen Dank an die Autorin / den Autor.
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