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Frauengespräche

© Krystina Pallentin


» Lesetipp
Schlüsselerlebnisse Er hat Angst ... Angst vor dem Älterwerden. Bei mir eitert ja auch schon die Gebärmutter. Aber bei ihm ist es schlimmer. Auf Parties steigt er jeder hinterher. Und die Frauen... sie lieben ihn auch alle. Von jung bis alt. Von schön bis hässlich. Und die Hässlichen erst recht.
Da gibt es eine, die ist sogar unglaublich hässlich, und er denkt sich: Bei der versuche ich es erst recht, die kriegt ja sonst keinen. Er! Der Großzügige und so. Der Retter! Eben diese Art von Schauspiel. Oder, er gibt ihr die Chance mal einen Mann wie ihn haben zu dürfen. Das denkt er wirklich, glaub mir. Vielleicht weiß er aber auch ganz genau, dass er bei ihr keinen Korb bekommt.
Charmant kann er ja nun wirklich sein. Das bringt mich auf die Palme. Er baggert und baggert und lässt mich links liegen. Meine Schwester ist richtig wütend auf ihn geworden, das kann ich dir sagen! Du kennst doch meine Schwester. Der ist eigentlich so gut wie alles egal. Sie mischt sich einfach nicht ein. Sie hat ihre eigenen Sorgen. Aber da hat sie gehandelt, die Kleine. Als ich mit ihm telefoniert habe, hat sie darauf bestanden, mit ihm sprechen zu wollen. Ich habe ihr den Hörer gegeben und sie hat ihn zurechtgestoßen. Und wie! Er hat dann noch gemeint, das alles würde sie nichts angehen. Aber sie hat entgegnet, dass es sie schon etwas angehen würde, wenn ihre arme Schwester an einem gebrochenen Herzen stirbt! Ich war ehrlich schockiert! Siehst du, mein Puls rast. Ich hätte ihr niemals den Hörer gegeben, wenn ich geahnt hätte, dass sie ihn beschimpfen würde. Aber eigentlich hat sie ja Recht. Ich fühle mich betrogen. Mein Arzt hat am nächsten Tag eine Gesichtsverkrampfung festgestellt, weil ich so viel gelächelt habe ... so in der Art, Gute Miene zum bösen Spiel ... aber eigentlich wollte ich nur weinen. Ich kann dir sagen, meine Muskeln haben richtig gezuckt, völlig außer Kontrolle.
Vom dem vielen Verstellen ...
Weil ich die Wangen anzog, während meine Mundwinkel doch lieber nach unten rutschen wollten.
Ach ... es war einfach so schmerzhaft. Alles. Diese ganze Party, die Leute ... diese besoffene Stimmung ... und ... ER! Er macht mich verrückt. Manchmal verstehe ich nicht, was dahinter steckt. Vielleicht sollte ich seine Tochter fragen. Sie kennt ihn besser, als ich. Sie hat die gleichen Gene. Ich weiß nicht immer, wie er sich fühlt oder warum er so reagiert. Ich bin nur auf die Idee gekommen, ihn spüren zu lassen, wie es ist, den Partner flirten zu sehen. Na gut. Eigentlich sind die Männer ja auf mich zu gekommen. Ich musste gar nicht großartig suchen. Sie sind gekommen und haben ihre haarigen, verschwitzten Arme um mich gelegt und mir ins Ohr gesäuselt ... und mir am Ohr herum geleckt ... Sie haben schon an den Innenseiten meiner Oberschenkel herum gegrabbelt. Und ich wollte gar nicht ... Ich habe ja eher abgewehrt ...
Außerdem hat es ihn nicht im Geringsten gestört. Er hat es bemerkt, aber es hat ihn nicht interessiert. Wahrscheinlich hat er für sich gedacht, endlich fängt sie an, damit es bei ihm nicht so auffällt. Von wegen Eifersucht und so. Wenn einer mir am Hals hängt, ist es für ihn die Erlaubnis für einen Betrug. Ich habe schon so oft überlegt, es ihm heimzuzahlen. Einfach Beine breit machen und gucken was passiert. Und ich könnte schon ein paar schmucke Burschen haben ... glaub mir. So alt bin ich nun auch wieder nicht. Auf der Arbeit sind sie alle hinter mir her und tätscheln mir den Hintern. Augenkontakte brennen bei uns immer. Sie bringen mir Kaffee, verwöhnen mich, flüstern, wenn ich Ruhe brauche. Ich könnte, wenn ich wollte, das wäre gar kein Problem. Aber ich will gar nicht ... Ich bin doch glücklich ...! Ich meine, ... WIR sind doch glücklich! Warum ist er so? Er muss es sich immer und immer wieder beweisen. Dass er noch Begeisterung erwecken kann, ... dass er noch Chancen hat... dass er noch geliebt wird ... von allen. Liebe ist ihm sehr wichtig! Dabei spielt das Geschlecht keine Rolle. Wenn ihn jemand nicht mag, dann ist er beleidigt und versteht nicht, dass einer unter tausend nun einmal nicht sein Freund sein will. Er kapiert das einfach nicht. Dann guckt er böse und versucht Aufmerksamkeit zu erzwingen. Dann hilft nur noch der Wein, um ihn auf andere Gedanken zu bringen. Und dann wird er ausfällig, oder poltert herum, fällt über Stühle und zitiert dabei Nietzsche. Verrückter Kerl! Er ist so belesen und hasst die Dummen. Doch selbst, wenn das Pack ihn nicht mag, das ihm doch eigentlich egal sein müsste, ... dieses Pack an den Wühltischen ... wie er zu sagen pflegt, das unter seiner Würde ist, wie er gerne behauptet, bei dem es sich nicht lohnt zu einem Gespräch, wie er betont, ... kann er richtig wütend werden und verfolgt es mit funkelnden Augenschlitzen, weil er von ihnen den Respekt erwartet, der ihm, nach seinem Ermessen, zu steht. Ihm ... dem Intellektuellen, dem Hedonisten ... dem Gelassenen ... Jung Gebliebenen ... Ach ... was soll ich nur machen. Eiskalt sind meine Hände, fühlst du das? Einerseits ist es so hoffnungslos. Andererseits liebe ich ihn so abgöttisch. Das Leben ist hart zu mir, findest du nicht?



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Eingereicht am 21. Februar 2007.
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