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Eingereicht am
27. Februar 2007

Schlagzeugsolo

© Lisa Fuchs

Kaum war die Tür zugefallen, steckten die Kopfhörer schon in den Ohren.

Sie lehnte sich zurück und ließ den Beat durch ihren Körper fließen. Zufrieden seufzte sie.

Die Augen fielen halb zu, die Erschütterungen ließen sie kalt. Kalt, wie der graublaue Himmel, den man vom Fenster aus sah. Und kalt und graublau, wie ihre halbgeschlossenen Augen.

Die E-Gitarre setzte aus, nur das Schlagzeug spielte weiter. Für einen Augenblick spannte sie den ganzen Körper an und lockerte sich wieder, als der Sänger neu ansetzte. Na ja, Sänger war übertrieben. Eigentlich eher der Schreihals.

Sie setzte sich auf, um die Musik lauter zu drehen, als ihre Lieblingsstelle kam. Träumerisch blickte sie vor sich hin. Stundelang saß sie so, nur auf die Musik achtend.

Stundenlang.

Der kleine Bruder konnte sie durch sein Schreien nicht erreichen. Sie bemerkte nicht, wie die Mutter nach ihr rief, um den Tisch zu decken. Sie kriegte nicht mit, dass ihr Vater nach Hause kam und an ihre Tür klopfte. Erst, als er vor ihr stand, schreckte sie auf, drückte schnell auf "Pause" und zog die Stöpsel aus den Ohren.

"Was hörst du da?"

Keine Antwort. Nur ein verbissenes, hartes Gesicht.

"Was hörst du da?"

Schweigen.

"Sag mal, was fällt dir ein? Gib mir gefälligst eine Antwort! Außerdem ist es egal, was du hörst, du sollst nicht mit Ohrstöpseln hören!"

Es zuckte spöttisch über ihr Gesicht.

Der Blick des Vaters fiel auf die unausgepackte Schultasche in der Ecke.

"Was hast du heute eigentlich getan?"

Immer noch keine Antwort.

"Meinst du, du könntest mich einfach ignorieren?"

Verengte Augen, zusammengezogener Mund.

"Du Scheißkuh, du wirst noch merken, was das für Konsequenzen haben wird!"

Der Vater konnte nicht mehr ruhig bleiben.

"Du gibst jetzt sofort deinen Discman ab!"

Keine Regung.

"Wird's gefälligst was?"

Er sah aus, als würde er gleich zuschlagen.

"So kannst du nicht mit mir umspringen!"

Bei diesen Worten griff der Vater nach dem Discman.

Starrer Blick des Mädchens.

Die Kabel waren verheddert. Der Vater riss daran.

Ein schadenfrohes Lächeln umspielte ihre Lippen.

Der Vater verließ den Raum und knallte dir Tür.

Sie saß da.

In Gedanken setzte die E-Gitarre aus. Schlagzeugsolo.

Eine Träne verließ ihr Auge.

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