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Eingereicht am
14. März 2007

Elektromann

© Angelina de Satura

Ausgerechnet heute, als ich vom Waldspaziergang mit Bekannte und Vierbeiner, verschwitz und ungeschminkt, nach Hause kam, passierte es.

Im Hausflur wirbelten Männer am Stromkasten und da war … Er!

Ein großer Mann mit graumeliertem Haar … Seine Augen! … Ich blickte ins Meer, fühlte die Wärme der Sonne und die Ruhe des Strandes. Sein Po war auch nicht schlecht!

"Darf ich streicheln?"

Wen, mich? Diese Stimme! ...

Er kam auf mich zu, ging vorbei und begrüßte meine glückliche Hündin.

Er mag Tiere!

"Sie hat sonst immer Angst vor Männern!", rief ich erstaunt.

"Sie spürt, dass ich einen guten Charakter habe oder, auch einen Hund besitze!", meinte er.

"Oder beides!", hörte ich mich kichern.

"Wie lange dauert es noch bis ich Strom habe?", fragte ich ernsthaft.

"Bin bald fertig, komme danach zu ihnen hoch, sie müssen noch unterschreiben."

Panik!

Ich sitze seit Tage vor dem Computer, meine "Muse" lässt mich nie ruhen, sie führt mich in eine Berg-und-Tal-Bahn von Hochgefühl und Verzweiflung.

Wann bitteschön sollte ich meine Wohnung in Ordnung halten?

Ich schaffe es zwischendurch Berge von Wäsche zu verkleinern und warmes Essen auf den Tisch zu zaubern, das ist momentan meine Höchstleistung in Sache Haushalt!

Mama, hilf mir!

Sie wohnt unten, klar darf ich mein Autogramm in ihrer Wohnung geben.

Ob es mir aufgefallen wäre wie toll der Handwerker aussieht, schrie sie begeistert in ihrer Muttersprache. Sie ist fest überzeugt, dass Deutsche kein Französisch können. Ich habe es schon längst aufgegeben, sie vom Gegenteil zu überzeugen. Sie machte weiter: "Ich bin glücklich verheiratet, aber du …"

Ich weiß, aber sie glaubt ich wüsste es nicht.

"Der wäre doch was für dich! So einer würde im Haus alles richten können…"

Moment mal, soll er zu mir passen oder zu ihr?

Er klopft: "Darf ich eintreten?"

Wo? In meinem leben? Führe mich nicht in Versuchung!

"Wie viele Menschen leben in ihrem Haushalt, ich will nicht neugierig wirken aber ich muss es im Formular angeben."

Wirklich?

"Ach ja, ihre Telefonnummer, sie wissen, Papierkram!"

Tatsächlich?

"Ich habe einen Schwager, der spricht auch Französisch."

Ups!

"Aber ich verstehe kaum ein Wort."

Gut!

Nach dem Unterschreiben, will ich wissen:

"Brauchen Sie mich noch, sonst …"

Er unterbricht: "Ja, noch ganz kurz!"

Er reicht mir das Duplikat. Keine Ahnung, ob nun alles erledigt ist, also, noch einmal:

"Brauchen Sie mich noch? Sonst würde ich nach oben gehen, mein Computer … ich muss schreiben!"

"Kein Problem, ich sage dem Kollege Bescheid, er wird Ihnen wieder Strom einschalten", sagte er verständnisvoll.

Ich flüchtete nach oben, nahm frische Kleider aus dem Schrank, ging ins Bad, blickte im Spiegel und sah mich, ungeduscht, ungestylt …

Ich hatte nie eine Chance!

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