Unser Buchtipp
Karin Reddemann: Gottes kalte Gabe Dr. Ronald Henss Verlag ISBN 3-9809336-3-6
kleine mysteriöse Welten, in denen es sowohl gruselig und unheimlich zugeht als auch ironischwitzig und ein wenig erotisch. Und fast immer raffiniert überraschend.
Westdeutsche Zeitung

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Eingereicht am
12. Juni 2007

Alles was durchsichtig ist, ist auch verdeckt

© Udo Quentmeier

In meinen Gedanken spielte sich immer mehr der Wunsch nach etwas Unentdecktem ab. Schon in der pubertären Phase entwickelte sich aus den Träumen auch der Wunsch, die verdeckten Tatsachen durchsichtig erscheinen zu lassen. Ich war vielleicht 15 Jahre alt und ein Sportsnarr. Der Körper veränderte sich schlagartig mit dem einsetzenden Stimmbruch. Die Haare wuchsen unter den Achseln, im Gesicht und den an Genitalien. Die Träume wurden intensiver. Anstelle von Supermann spielte immer mehr irgendein Girlie die Rolle. Die Deutungen und das Interesse auf das andere Geschlecht nahmen zu. Allzu gerne freute ich mich auf die bevorstehenden Nächte mit den zu erwartenden Träumen. Das Erlebnis wurde zur Sucht und die Lust auf die ersten realistischen Begegnungen sollte dabei niemals enden. Obwohl ich als Jugendlicher sehr dem Sport gewidmet war, nahm ich meine körperliche Entwicklung sehr gerne wahr.

Man spürte auch das zunehmende Interesse des anderen Geschlechts.

Plötzlich waren sehr viele Mädels auf unseren Wochenendspielen als Zuschauer zu finden. Mit Beginn der B-Jugend Fußballzeit interessierten sich zunehmend auch die Mädchen im Alter ab 14 Jahren für einen.

Unbewusst nahm ich deren Bewunderung hin und freute mich umso mehr, über ihren offenen Schwarm.

Unvergesslich der Augenblick, als unsere Klassenschönste von heute auf Morgen die ersten Ausbuchtungen durch ihr T-Shirt blitzen ließ. Wie gerne haben wir Jungs schlagartig neben diesem 15-jährigen, aufreizenden Mädel sitzen wollen. Ihr bei den schwierigen Matheaufgaben zur Seite zu stehen, war von uns Jungs das Größte. Mit ihr Fankus (der Rede: Fangen) spielen zu wollen, um das Kribbeln zu spüren und sie zu berühren, wurde immer mehr zu einem Verlangen. Schon früher war ich sehr aufgeschlossen zu dem anderen Geschlecht. Meine Art zu reden, vielleicht auch mein damaliger Witz schien den Mädels zu imponieren. Dabei fühlte ich mich nicht als besonders schön oder kräftig. Es gab in meinen Augen einige gleichtaltrige Jungens, die sicherlich muskulöser und kräftiger erschienen, jedoch hatten meistens diese Burschen nicht die Gabe, sich durch Worte interessant zu verkaufen. Vielleicht hatten sie sogar große Hemmungen, weil sie zum Teil unter starker Akne litten. Der Herrgott hatte dabei ein Erbarmen mit mir, denn ich hatte keine Pickel im Gesicht. Ja, diese Pickelzeit und der Biologieunterricht wurden ab der 8. Klasse richtig interessant.

Wir hatten damals eine sehr hübsche, junge Biologielehrerin. Sie war vielleicht gerade 26 Jahre alt. Die unruhige Klasse war besonders bei ihrem Thema der "Sexualiltät" sehr angetan. Wie hatten die Mädels und wir Boys doch verschmitzt darauf gewartet, mehr voneinander zu erfahren. Die Lehrerin überzeugte nicht nur durch ihr Äußeres, sondern sie verfügte über die Gabe, dieses sensible Thema ernsthaft an uns heranzutragen. Ich weiß noch genau, als das "Thema Nr. 1" oder die "schönste Nebensache der Welt" von ihr im Sommer 1980 angerissen wurde. Zum Unterricht erschien sie in einer echt knackig engen Jeans, mit Sandalen und einer weißen Bluse, worunter man sehr wohl den BH erkennen konnte. Schon allein diese Vorstellung ließ uns Pubertären die Hosen "beulen". Sie hatte blondes, mittellanges Haar und blaue, strahlend blaue Augen. Ihre Stimme klang sexy und dennoch bestimmt. Ihre Lippen waren wulstend, stark von Leidenschaft geprägt.

Schlichtweg, ich war von ihr total begeistert. Während sie mit dem Thema begann, vertiefte ich mich so sehr in den Gedanken, sie unbedingt näher kennenzulernen. Ich schwebte mit offenen Augen im Klassenzimmer über die Köpfe meiner Mitschüler und -schülerinnen. Ich war wach und dennoch nicht mehr da. Meine Seele gaukelte mir meine tiefsten Wünsche vor. Der Wunsch, diese äußerst attraktive Lehrerin zu erleben. Es gab noch kein Internet oder sonstige Zeitschriften, die mit Bildern ausführlich ausgestattet waren. Die BRAVO war zwar bestens bekannt, gab aber für mich nicht das her, was mich noch mehr interessierte. Aber meine Vorstellungen gingen mit jedem Unterricht über das Weite des Unerlaubten hinaus. Nach Ende der Schulstunde sprangen wir begeistert durch das Klassenzimmer und wir Jungs schwärmten untereinander von dieser geilen Lehrerin. Unsere Sprüche waren schon derb und wir ärgerten unsere zum Teil noch nicht so gereiften Mitschülerinnen, dass sie eh Luschen wären und sich ein Beispiel an unsere Biolehrerin nehmen sollten. Die wäre genau das Richtige. Von unseren Augen konnten die Mitschülerinnen erahnen, was so die Boys untereinander dachten, es sich aber nicht auszusprechen trauten. Die Badesaison hatte derweil Hochkonjunktur. Wir trafen uns mit unserer Schulklasse im Freibad. Damals war noch Badekappenpflicht. Die Bademeister waren daran getan, besonders auf das Tragen der Badekappen zu achten. Die Girlies hatten dabei sichtlich Probleme mit ihren langen Haaren. Auch unsere Klassenschönste kam natürlich mit ihren Freundinnen. Diese waren zwar nicht ganz so attraktiv, dennoch war auch deren Anwesenheit eine echte Gaudi.

Wir Burschen rannten wie die Geistesgestörten hinter den Mädchen her, um sie zu fangen und ins kalte Nass zu verfrachten. Mmmmh, das war echt ein Genuss! Ich rannte schnell hinter die Schönste, sie ließ sich fallen und ich durfte sie hochlupfen und ins Schwimmbecken verfrachten. Dabei schrie sie vor Begeisterung und ich vor Freude, sie so zu berühren, wie mir dies im Sinn kam. Ja, das Kribbeln spüre ich heute noch. Im Wasser gelandet zogen wir uns gegenseitig unter das Wasser. Ich sah ihr Lachen, ich berührte ihre Taille, ich griff ihr an den Po. Unwahrscheinlich diese Gefühlswallungen. Auch in mir regte es sich. Ich konnte das Wasser gar nicht so schnell verlassen, wie ich dort hineingesprungen bin. Ich umklammerte sie. Sie sollte ruhig spüren, welche Gefühle sich sichtbar an meinem Körper abspielten. Ich sehe sie gerade vor mir. Die Klassenschönste und ich im Freibad. Ein unwahrscheinlich tolles Gefühl überkommt mich. Irgendwann beruhigte ich mich wieder und wir gingen erschöpft zu unserem Liegeplatz. Die anderen schmunzelten nicht schlecht. Wir saßen nebeneinander, aßen und tranken. Wir hörten dabei Musik aus einem transportablen Kassettenteil. Zwischendrin ertönten die Lautsprecheransagen des Bademeisters, nicht vom Beckenrand zu springen.

Irgendwelche alten Leute regten sich auf, dass wir neben ihrem Platz Fußball spielten. Dann ging es wieder zur Abkühlung ins Wasser und irgendwelche Tauchspiele wurden gespielt. Die Klassenschönste hatte eine klasse Bikinifigur. Sie war eine komplett perfekt entwickelte Frau. Sie hatte mit 15 Jahren einfach alles, was uns Kerle verrückt machte. Nach der Badezeit gingen wir Boys und die Mädels für sich nach Hause. Unter uns Jungs wurden sofort heiße Gespräche geführt. Jeder hatte sich gerecht auf eines der Mädels verteilt. Es gab dabei netterweise keinen eigenen Konkurrenzkampf. Irgendwie waren wir ohne große Abmachung auf die Klassenschönste und ihre Freundinnen verteilt.

Gegenseitig stachelten wir uns an und nahmen uns vor, bei der nächstmöglichen Gelegenheit die Mädels auf ein weiteres Treffen im Bad einzuladen. Am nächsten Tag trafen wir uns wieder in der Schule. Wir lachten uns an und schwärmten jeder für sich. In der Nacht zuvor stellten sich wieder die Träume ein. Ich träumte von der Lehrerin und von der Klassenschönste. Jede von beiden wollte ich so haben und mit ihnen meine Erfahrungen sammeln. Meine Favoritinnen waren die Lehrerin und die Klassenschönste. Obwohl ich zu der Zeit noch völlig ahnungslos über die schönste Nebensache der Welt war, hatte ich sehr wohl gefühlsechte Vorstellungen darüber. Sehr gerne wachte ich in der Nacht nach dem Bad auf, um die körperlichen Auswirkungen zu spüren. Bei meinem ersten Ausstoß des Ejakulats wusste ich noch nicht so recht, was das für mich bedeutete, aber mit den zunehmenden Träumen stellte sich mein Wunsch nach dem ersten realen Erlebnis ein. Es begann unter uns Boys ein Wettlauf mit der Zeit. Wer würde wohl der Erste mit diesem Erlebnis sein? Und würden wir uns dann auch wirklich alles erzählen?

Karin Reddemann: Gottes kalte Gabe Dr. Ronald Henss Verlag ISBN 3-9809336-3-6 Karin Reddemann
Gottes kalte Gabe

Dr. Ronald Henss Verlag
ISBN 978-3-9809336-3-6

kleine mysteriöse Welten, in denen es sowohl gruselig und unheimlich zugeht als auch ironischwitzig und ein wenig erotisch. Und fast immer raffiniert überraschend.
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