Unser Buchtipp
Karin Reddemann: Gottes kalte Gabe Dr. Ronald Henss Verlag ISBN 3-9809336-3-6
kleine mysteriöse Welten, in denen es sowohl gruselig und unheimlich zugeht als auch ironischwitzig und ein wenig erotisch. Und fast immer raffiniert überraschend.
Westdeutsche Zeitung

Dieser Text ist urheberrechtlich geschützt.
Nachdruck und Vervielfältigungen, auch auszugsweise,
bedürfen der schriftlichen Zustimmung des Autors.

Eingereicht am
22. Juni 2007

Wer ist Paul?

© Angelina de Satura

Ein Mann meines Alters, geschieden und Vater zweier Kinder. Er wohnt eine mini Luftlinie von mir entfernt und antwortete überraschend spät auf meine Single-Anzeige.

Sein Brief war besonders, er schrieb mit Füllfederhalter. Ich war ihm diese Mühe wert.

Die romantische Note, er trug Datum plus Uhrzeit ein. Ich wusste genau wann er an mich gedacht hatte.

Mit galantem Vorschlag, meine Telefonnummer durch SMS mitteilen. Ein Kavalier der selbstverständlich die Rechnung übernimmt.

Er rief zurück, ich mochte seine Stimme mit orttypischem Dialekt. Wir trafen uns spontan, nachdem sein Auto endlich aus der Werkstatt kam, zwei Tage nach unserem geplatzten ersten Date.

Unser Erkennungszeichen: Werde wohl in der Dorfkneipe als einziges Weib am Tisch sitzen.

Ich ging früher hin, und bestellte, so seine Bitte, auch einen Kaffee für ihn.

Ein Fremder trat in der fast leere Gaststätte ein. Groß, dunkles Haar, starke Ausstrahlung. Nachdem er seine Jacke anziehend auszog, erkannte ich eine Statur ganz nach meinem Geschmack.

Wir lächelten verlegen und begrüßten uns mit feuchtem Händedruck. Wir waren zweifellos keine Profis für diese Art des Kennenlernens.

Er nahm gegenüber Platz. Also kein aufdringlicher Typ.

Unser Getränk auf den kleinen runden Tisch gab uns die Möglichkeit uns näher zu kommen, Ellenbogen nah. Während unseres Gesprächs lehnte sich keiner von uns zurück, um auf Distanz zu gehen.

Er erwähnte seine Exfrau als Mutter seiner Kinder, sonst nicht. Kein Opfer enttäuschter Liebe und in Selbstmitleid wälzend, der jedem die Schuld gab, nur sich nicht.

Hat coole Ansichten über Elter sein. Würde auch seine Meinung teilen, wäre ich nicht die Alleinerziehende.

Ist Nichtraucher, toleriert aber eine Tabaksüchtige Partnerin. Unmöglich, wer küsst schon freiwillig einen Aschenbecher wenn der Alltag das Verliebt sein verformt.

Fährt jeden Sonntag lange Strecken mit dem Fahrrad. Mein Drahtesel ist platt und rostet vor sich hin.

Wohnt bei seinen Eltern. Alarm Stufe 4: Mann sucht neues Zuhause?

Dort hat er den Keller als Fitnessraum umgestaltet. Handwerklich begabt!

Er trainiert dort jeden Abend und wünscht sich eine Partnerin mit dem gleichen Ehrgeiz fit und schlank zu bleiben. Ich kenne erotischere Körperübungen zu zweit, auch kalorienvernichtend.

Mein Handy vibriert. Habe meine Tochter gebeten sich nach einer halbe Stunde zu melden, sollte ich zu höflich sein das Weite zu suchen.

"Hallo Mama! Und, wie ist mein neuer Papa?"

"Was hat der Kleine angestellt?", fragte ich empört.

"Aha … zu hässlich", stellte sie fest.

"Auf keinen Fall!," antwortete ich rigoros.

"Darf ich mit meine Freundinnen vorbeischauen?", bettelte sie.

"Kommt nicht in Frage! Bin gleich da!" und legte auf.

Er rief: "Zahlen!" Half mir in den Mantel, eine günstige Gelegenheit den typischen Männer Röntgenblick im Schnelldurchlauf zu starten und hielt mir, frech grinsend, die Tür auf.

Draußen war es schon dunkel. Der Himmel ließ mit große, dicke, weiße Flocken die Häuser der Umgebung verschwinden. Zahlreiche Autos bildeten eine Lichterkette und zischten laut mit Spritzgefahr durch die Schneematschige Hauptstraße. Wir standen auf einem spärlich gestreuten Bürgersteig. Ich nahm die Chance wahr uns auf französische Art zu verabschieden, obwohl ich seit Jahrzehnten in Deutschland wohne. Dabei staunte ich, wie weit meine Arme um seine breite Schulter auseinander blieben. Als ich seine Wange küssen wollte, musste ich auf Zehenspitze stehen. Er unterstützte mich instinktiv mit festem Griff um meine Hüfte. Er roch nach eine verführerische Mischung aus dezentem Aftershave und einen Hauch betörendem Eigenduft.

Tja ... das war Paul!

Karin Reddemann: Gottes kalte Gabe Dr. Ronald Henss Verlag ISBN 3-9809336-3-6 Karin Reddemann
Gottes kalte Gabe

Dr. Ronald Henss Verlag
ISBN 978-3-9809336-3-6

kleine mysteriöse Welten, in denen es sowohl gruselig und unheimlich zugeht als auch ironischwitzig und ein wenig erotisch. Und fast immer raffiniert überraschend.
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