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Karin Reddemann: Gottes kalte Gabe

Karin Reddemann
Gottes kalte Gabe
Dr. Ronald Henss Verlag
ISBN 978-3-9809336-3-6

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Die blaue Tulpe

© Greta Schnall

Seit einem Jahr war sie wieder Single. Und seit einem Jahr hatte sie an sich gearbeitet. An ihrer inneren Einstellung und an ihrem äußeren Erscheinungsbild.

Nachdem sie ihr Freund wegen einer jüngeren, attraktiveren, ja regelrechten Sexbombe verlassen hatte; machte es in ihrem Kopf und zugleich in ihrem Bauch "klick".

Sie wollte es den Männern zeigen!

Nach zwei Wochen Trübsinn begleitet von diversen Pralinenmischungen und Prosecco satt besorgte sie sich ein Fahrrad.

In ihrer Nähe gab es genug ruhige, leicht hügelige Waldwege. Auf diesen trainierte sie sich im Laufe der Zeit eine bessere Kondition und stramme Beinmuskeln an.

Währenddessen stellte sie ihre Ernährung nach und nach auf "gesünder" um; was ihr einige Kilos weniger und mehr Elan einbrachte. Außerdem versagte sie sich jeglichen Alkohol und reduzierte ihren Zigarettenkonsum auf ein Minimum; was ihr reine Haut und glänzendes Haar bescherte.

Als ihr Körper nun innerlich und äußerlich bestmöglich gestählt war, ging sie daran, ihren Körperschmuck zu optimieren.

Sie kaufte sich einige neue "coole" und zugleich sexy Kleidungsstücke, ausgefallenen Silberschmuck und edle Schminksachen.

Genau eine Woche vor der Jährung ihres Beziehungs-Ende-Tages ging sie zum besten Friseur der Stadt.

Zum guten Schluss besuchte sie, mit feuchten Handflächen und leicht zitternden Knien, ein Tatoostudio.

In ein paar Tagen begann ihr Urlaub.

Für diese Zeit hatte sie sich vorgenommen, das Leben in vollen Zügen zu genießen. Mit allem "Drum und Dran".

Wer hätte geahnt, dass bereits der erste Urlaubstag außerordentlich prickelnd verlaufen würde ...

Nach einem ausgedehnten Frühstück bestieg sie ihre extragroße Duschkabine. Genussvoll seifte sie ihren, jetzt beinahe perfekten Körper, ein. Der Moschusduft ihres Duschgels und das stetige Prasseln des heißen Wassers ließ ihren Körper immer wieder wohlig erschauern.

Anschließend überkam sie die Lust auf einen ausgedehnten Stadtbummel.

Sie kleidete, schmückte und schminkte sich sorgfältig vor dem großen Spiegel. In ihrem engen schwarzen Jeansrock, dem rubinroten Hemd und der schwarzen Wildlederjacke konnte sie sich sehen lassen. Mit schnellen Strichen bürstete sie ihr blondes, kurz geschnittenes Haar.

Harte, aufpeitschende Rockmusik begleitete sie in ihrem kleinen Lancia in Richtung Stadt. Sie war sehr gut gelaunt.

Eine ganze Schaufensterserie später beschloss sie, sich im nächsten Straßencafe einen Cappuccino zu gönnen.

Leicht ermüdet ließ sie sich in einen gemütlichen Korbstuhl sinken.

Da ihr etwas warm geworden war, öffnete sie kurzerhand die oberen zwei Knöpfe ihres Hemdes.

Der "original italienisch" aussehende Ober schaute ihr einen Moment zu lange in Augen und Ausschnitt. Doch heute gefiel ihr sogar das.

Genüsslich hielt sie ihr Gesicht der Frühlingssonne entgegen.

Ab und zu nahm sie einen Schluck ihres Getränkesund schaute in die Runde. Plötzlich erstarrte sie. Auf der anderen Seite der Straße, an der das Cafe lag, stand eine ihr wohlbekannte Gestalt. Es war Manuel, ihre erste und bisher einzige große Liebe! Das konnte nicht sein! Denn sie hatte gehört, er wäre bereits vor zehn Jahren, in seine Heimat Spanien zurückgekehrt. Sie spürte, wie ihre Hände leicht zu zittern begannen, denn er war es tatsächlich. Sie konnte ihn jetzt genau erkennen, da er suchend über die Tische blickte. Und schon hatte er sie entdeckt!

Krampfhaft hielt sie, äußerlich bemüht, gelassen zu wirken, ihre Tasse umklammert. Es traf sie also immer noch wie ein Blitz, ihn zu sehen!

Lässig näherte er sich ihrem Tisch. Dann stützte er sich leicht auf die Tischplatte, senkte seinen Blick in ihre Augen und sagte "Hallo, darf ich mich zu dir setzen?"

Sie konnte nur ein halbwegs festes "Ja" hervorbringen und wies auf den Stuhl ihr gegenüber.

Er sah immer noch verdammt gut aus: Groß, leicht muskulös, jetzt mit etwas Grau durchzogene, schwarze Locken und diese hellgrünen Augen ... Seine Bewegungen waren geschmeidig, aber kraftvoll.

Doch nachdem sie höflich einige Floskeln ausgetauscht hatten, bemerkte sie etwas. Er hatte sie nicht erkannt! Natürlich, damals als ganz junge Frau, hatte sie etwas weniger "spektakulär" ausgesehen. Außerdem waren seitdem über zwanzig Jahre vergangen. Seitdem er, zwar fünf Jahre älter als sie, aber doch nur jungenhaft mit ihr gespielt hatte ...

Jetzt war sie an der Reihe zu spielen.

Selbstbewusst fing sie an, mit ihm zu flirten. Anscheinend gefiel sie ihm auch noch immer, oder wieder?

Nachdem sie die erste "Runde" zwei knisternde Stunden lang mit Worten "gespielt" hatten, schickte sie sich an, aufzubrechen. Hastig legte er seine Hand auf die ihre und bat sie, noch kurz zu bleiben.

Ob sie mit ihm zum See (unweit des Cafes) hinunter spazieren wolle? Entschieden schüttelte sie den Kopf. Doch er ließ nicht locker, überschüttete sie mit seinem Charme, den sie so gut kannte.

Letztendlich willigte sie doch ein und hakte sich, nach einigem theatralischen Zögern, bei ihm unter. Langsam schlenderten sie den Hang zum See hinab.

Von ein paar Büschen geschützt, setzten sie sich am Seeufer ins Gras.

Plötzlich, wie selbstverständlich, legte er seine Hand auf ihre Schulter. Dann begann er, ihren Nacken zu massieren. Sie spürte kleine prickelnde Wellen über ihre Haut huschen. Die Atmosphäre zwischen ihnen begann sich wieder aufzuladen. Stärker als im Cafe. Viel stärker.

Seine Hand fuhr über ihren Rücken nach unten, hielt kurz über der Pofalte. Ihre empfindlichste Stelle! Ob er doch ...?

Mit kreisenden Bewegungen glitten seine Finger über ihre Haut und schon bald spürte sie kleine glühende Blitze durch ihren Leib zucken.

Mit aufgewühltem Blick schaute sie in seine jetzt dunkelgrünen Augenseen. Und dann küsste er sie. Er drängte seine harte, fordernde Zunge an ihre, weitete mit kleinen Stößen ihren Mund noch mehr.

Schließlich eröffnete er den altbekannten, aber schönsten Reigen der Welt. Und sie tanzten ihn beide nun fast unbeherrscht, aber doch taktvoll und mit absoluter Hingabe.

Ermattet lag sie danach noch eine Weile in seinem Arm. Zärtlich strichen seine Finger wieder über die kleine blaue Tulpe.

Zufrieden an seine glatte Brust geschmiegt und sogar ein wenig glücklich dachte sie: "Das ist mein Spiel und ich danke dir für diese süße Revanche."

Wortlos stand sie auf und kleidete sich mit gelassenen Bewegungen an. Dann beugte sie sich über ihn, küsste ihn kurz und schickte sich an, den Hang hinaufzugehen.

Nach einigen Schritten hörte sie einen erstaunten, klagenden Laut aus seinem Mund. Sie drehte sich um, hob die Hand, lächelte ihn an, setzte dann aber ihren Weg fort.

Einige Tage später entdeckte sie folgende kleine Anzeige in der Zeitung:

"Suche die Dame mit der blauen Tulpe.
Muss Dich wiedersehen!
Bitte melde Dich unter Chiffre ..."

Mit einem kleinen, feinen Lächeln faltete sie die Zeitung zusammen und warf sie in den Papierkorb.

Eingereicht am
01. Januar 2008

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