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Sind wir nicht alle ein bisschen bluna - oder - sei mal wieder bambucha

© Annina Dessauer


Manchmal frage ich mich ob ich in meinem Job als Reiseleiterin, Unternehmerin, mobile Wickelstation, Moderatorin, Psychologin, Krankenschwester, Animateurin, Märchentante, Designerin und Taxi überhaupt noch dazu komme, mich über Neuerungen in den ganzen Branchen zu informieren... Welche neue Windel hält bei uns vielleicht sogar mal eine ganze Nacht 3 Flaschen Dau (Kakao) aus? Wie war das mit der FSME-Impfung? Wo bekomme ich das Lied "Hör gut zu hier kommt das singende und springende Känguru"? Und wie kann ich Kleiderschränke noch besser und sinnvoll ent- und beräumen?
Manchmal frage ich mich, ob ich nicht einfach überinformiert bin und es einfach zu gut meine. Haben meine Eltern früher meine Schuhe auch mit einer Schuhplus-Schablone nachgemessen und wurden meine Füße auch früher schon gescannt? Hatte ich eine FSME-Impfung als ich in Niederbayern meinen Urlaub verbracht habe? Und wie in aller Welt haben meine Eltern die Zeit ohne I-Pod, Palm und Organizer überstanden .
Irgendwie habe ich das Gefühl ich kann zu jedem Thema rund ums Elternsein etwas beitragen. Erziehungsbücher, Elternführerscheine, Spielkreise und Selbstfindungsgruppen für gestresste Eltern tun ihr übriges. Aber es ist leider nur ein Halbwissen. "Nein der Römer-King-Quickfix schnitt im ADAC-Test beim Seitenaufprallschutz ein klein wenig besser ab als der Maxi Cosi Trallali", hörte ich mich unlängst ins Telefon flöten um im nächsten Telefonat bei müden Füßen ein Lavendelbad zu empfehlen und im weiteren Telefonat einer schwangeren Freundin ein Heublumenbad in der Toilette. Im Kindergarten hatte ich gute Ratschläge für unseren Kindergartenausflug, im Spielkreis wusste ich einiges über Mutter-Kind-Kuren zu berichten und beim Einkaufen konnte ich einer Mutter sogar den Rat geben, ihrer übelgelaunten Tochter vorher eine Brezel in die Hand zu drücken und den Einkauf generalstabsmäßig im voraus zu planen, sowohl von der Einkaufsliste als auch vom Zeitplan.
Leider fehlen mir aber tolle Ratschläge, so wie jetzt, wenn ich mich ausgelaugt fühle und verärgert, weil mein Mann mit mir seit Tagen nicht über meine Jobaussichten spricht. Ich mache kein Lavendelbad, ich habe ja noch nicht mal Zeit mir getönte Tagescreme unter meine Augenringe zu schmieren oder genügend Tempos einzupacken, so dass auch für mich eins übrig ist, wenn meine Nase mal anfängt zu laufen. Zwar füllen meine Taschen Windeln, Arnika-Kügelchen, feuchte Tücher und Ersatzwäsche, aber keinen Kaffee im Vorratsbechern bei akuten Müdigkeitsanfällen und auch keine Brille mehr, die den Namen verdient.
Meine Schuhe sind seit der Schwangerschaft zu klein, weil sie seit dem eine Nummer größer ausfallen, aber niemand scannt meine Füße, kauft mir alle 3 Monate neue Hausschuhe, ersetzt meine Zahnbürste oder kauft Anti-Ziep-Shampoo. Ich bekomme keine Traumlotion nach dem Baden damit ich gut durchschlafe und im Gegensatz zu den schönen Kinderzimmern, sieht mein Schlafzimmer so aus, als hätte ich eine heimliche Bügelstation errichtet.
Ich glaube manchmal machen wir uns einfach zu verrückt und wollen zu perfekt sein, statt mal an uns zu denken. Mal wieder laut Musik zu hören und dabei "Geile Zeit" zu grölen tut manchmal richtig gut, auch wenn die tolle Zeit gerade unendlich lange her zu sein scheint. Oder ein gut deckendes Make-up zu kaufen, Schuhe in der passenden Größe die bequem und stylisch sind und eine neue Handtasche, klitzeklein und nur für mich. Das kann manchmal Wunder wirken und eins sag ich euch, morgen bin ich mit all meinem Halbwissen beim Frisör, werde dort nicht über Windpockenimpfungen und Impfschäden sprechen, 3 Stunden keine Windel wechseln, mir keine Gedanken über die Vogelgrippe oder Religionsstreitigkeiten machen, sondern mich einfach verwöhnen lassen und dabei ganz entspannt und neugierig die Bunte lesen. Die Seiten mit Frau Pooth oder Frau Klum samt Kindern überblättere ich dabei ganz gewissenhaft.



Eingereicht am 12. April 2006.
Herzlichen Dank an die Autorin / den Autor.
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