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Die erste Sitzung

© Thomas S.


Ich fühle mich schwerelos. Eine mir völlig unbekannte Kraft drängt mich langsam aber stetig nach vorn. Alles ist dunkel, ich kann mich nicht wehren, fühle mich eingeengt, bin eingeengt! Ich höre Stimmen, unbekannte Stimmen, weiß nicht was sie sagen, wem sie gehören. Es wird immer enger; ich fühle mich unwohl, und immer wieder Stimmen! Was sie sagen weiß ich nicht, auch nicht was sie bedeuten sollen.
Ich höre Schreie, bekannte Schreie, markdurchdringende Schreie, weiß nicht woher, weiß nicht von wem;
Es wird immer enger, die unbekannte Kraft drängt mich weiter, ich will nicht, ich muss aber! - Panik! - Stress! - Alles ist dunkel, Stimmen, immer noch diese Stimmen, Enge, Druck;
Doch da, ein grelles Licht - ein Licht am Ende des Tunnels; Es wird hell, die Enge ist immer noch, ebenso das Drängen, doch es wird hell, blendend hell!
Die erschütternden Schreie sind auch noch zu hören, und werden ständig lauter; Stimmengewirr, unbekannte Stimmen und dieses laute Schreien.
Etwas umfasst meinen Kopf, meinen Hals, ich kann nichts sehen! Das Licht ist zu grell, zu hell. Weiß nicht wo ich bin, das zerren an meinem Kopf, meinem Hals wird stärker, es drückt, es würgt.
Die Enge ist weg, das drängen auch, aber es ist kalt, sehr kalt. Langsam kann ich was erkennen, das Licht ist immer noch hell, aber ich sehe verschwommen, schaue mich um. Ich erkenne Blut, ich liege im Blut, überall ist Blut. Ich habe keine Schmerzen, aber ich bin voller Blut! Mir ist kalt, ich friere, höre Stimmen, laute fremde Stimmen, viel lauter als vorhin. Wo
bin ich? Was bin ich? Wer bin ich? - viele Fragen, keine Antwort.
Ich schreie, jetzt schreie ich, ich hab noch nie geschrieen, aber jetzt schreie ich. Ich schreie, was meine Stimme hergibt! - weiß nicht warum, aber ich schreie!
Irgendwas umklammert mich, drückt mich fest, ich fliege. Es kommt mir vor, als wenn ich fliege - aber nur kurz! Jetzt liege ich wieder und schreie nur noch.
Ich höre eine bekannte Stimme, laut, aber bekannt! Ich erkenne diese Stimme aus allen anderen lauten Stimmen heraus. Es ist die schönste und sanfteste Stimme von allen! Ich liege jetzt weich, sehr weich, es ist wieder warm und ich schreie nicht mehr. Mir ist jetzt sehr wohl! Es ist mir egal, wo ich jetzt bin, was ich jetzt bin, wer ich jetzt bin - es ist mir völlig egal!
Ich fühle mich sehr geborgen und sauge nur noch.
Jetzt höre ich diese Männerstimme, die sagt: "Edgar, Du kommst jetzt langsam wieder zu dir, ich zähle bis fünf, dann bist Du wieder vollkommen wach!" Ich will nicht, aber ich kann mich nicht wehren! Ich muss auf diese Stimme hören, sie befiehlt es mir!
... vier, fünf; Ich erwache und sehe in die Augen dieses Mannes. Er sagt zu mir "alles Gute zum Geburtstag". Es ist genug für heute.
Wir machen einen neuen Termin, für die zweite Sitzung.



Eingereicht am 20. April 2006.
Herzlichen Dank an die Autorin / den Autor.
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