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Ich komme wieder

© Sarah Jungnitz


Ich muss verrückt gewesen sein, dich hierzulassen. Und ich bin es immer noch.
"Jeden Tag habe ich mich nach dir gesehnt, weißt du. Aber vielleicht hat Gott es so gewollt." "Ohne dich ist alles so fremd", sie hatte schon Tränen in den Augen. Er streichelte ihr übers Gesicht und schaute sie wehleidig an. Dann stieg er in den Zug und sie war wieder allein. Die Tränen brannten in ihren Augen und waren jetzt nicht mehr zurückzuhalten. Doch kurz bevor der Zug losfuhr, kam er noch mal zu ihr und küsste sie stürmisch. "Du weißt, dass die Russen unser Land besetzen und es wäre eine Schande, nicht gegen sie zu kämpfen. Es ist meine Pflicht, als Soldat sich für mein Vaterland einzusetzen. Die Bedingungen sind schlecht. Ich bin erschöpft, müde und habe ständig Hunger. Du du darfst keine Angst haben. Ich werde wieder kommen. Denk immer daran, die Hoffnung stirbt zuletzt." Sie umarmten sich ein letztes Mal. Dann stieg er in den Zug und sie fing leise an zu weinen. Würde er wiederkommen? Sie war sich nicht sicher. Sie liebte ihn, das wusste sie.



Eingereicht am 21. April 2006.
Herzlichen Dank an die Autorin / den Autor.
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