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Warten

© Jennifer Meurer


Vor ihr liegt ein aufgeschlagenes Magazin. Nicht die Sorte, die man sich kauft, um sich neues Wissen anzueignen. Sie hat es eher gekauft, um irgendetwas zu lesen, um sich abzulenken. Nur nicht mehr nachdenken… Sie wendet sich ab von dem Magazin. Die Gedanken bahnen sich ihren Weg in ihr Bewusstsein. Sie kann nichts dagegen tun. Sie ist machtlos. Wenn sie doch nur aufhören könnte zu denken!
Warten.
Sie läuft auf ihrem weißen Flokati Teppich auf und ab. Feine Schweißperlen stehen ihr auf der Stirn. Ihre Bewegungen wirken hektisch, als sie versucht die Wassertropfen mit dem Pulloverärmel aufzufangen. Sie geht um den kleinen länglichen Wohnzimmertisch herum, beladen mit Rätselheften, der Fernbedienung, einer halb vollen Tasse kalter Tee. Sie bleibt vor dem Sekretär stehen. Überlegt, was sie hier zu finden hofft… Immer und immer wieder dieselben Gedanken. Unaufhörlich keisen wirre Wortfetzen in ihrem Kopf herum, ohne am Ende einen sinnvollen Satz zu ergeben. Herzpochen, kalte Hände. Der Nacken ist verkrampft. Dieser feine aber penetrante Schmerz verursacht ein Ziehen und Stechen in ihrem Körper. Sie ignoriert es. Sie ermahnt sich etwas Sinnvolles zu tun.
Sie gießt die Blumen, macht den Abwasch, setzt Teewasser auf. Ihre Hände zittern. Wenn sie doch nur wüsste, welche Worte man für so etwas benützt. Ohnmacht. Sie setzt sich auf den Stuhl in der Küche. Schlapp und ausgelaugt fühlt sie sich. Das alles kostet sie so viel Energie. Schleichend entstehen Gedanken des Aufgebens. Nein! Wütend steht sie wieder auf. Diesmal nicht! Das kann doch nicht so schwer sein! Noch eine Stunde… sie will es endlich schaffen!
Warten.
Sie wird nervöser. Das Herz pocht wahnsinnig schnell, der Mund ist trocken, die Zunge belegt… All das eben.
Schließlich sitzt sie auf der Couch. Sie legt sich stumm Sätze zurecht. Sie will es wirklich schaffen. Diese Mal! Einmal…
Der Schlüssel dreht sich im Schloss. Als sie aufsteht, geben beinahe die Knie unter ihr nach.
Dann stehen sie einander gegenüber. Augen sehen sie an, Hände berühren ihren Hals.
Eine Woge des Mutes, der Zuversicht… Sie brauchte die anderen missglückten Male, um das Wichtige nun flüstern zu können. Es tut mir leid.
Kuss auf ihrer Stirn.



Eingereicht am 02. November 2006 2006.
Herzlichen Dank an die Autorin.
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