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Himmel und Hölle

© Michael Rother


Im Himmel
Sie hatten zusammen den Abend verbracht, zuerst gemeinsam italienisch gekocht und gegessen und dazu Rotwein getrunken. Dann waren sie beide ins Bett gegangen, waren mit vollster Hingabe zärtlich zueinander gewesen. Nun lagen sie da, ihr Kopf auf seiner Brust. Erstreichelte sie.
Nachdem sie so längere Zeit schweigend den Augenblick, die Nähe des anderen genießend dalagen, begann er zu sprechen:
"Wenn ich morgen sterben müsste, würde es mir nichts ausmachen. Diese Nacht ist so toll, der Höhepunkt meines Lebens, nicht mehr steigerungsfähig. Dies wäre das ideale Ende meines Lebens!"
"Aber das ist doch erst der Anfang von uns beiden. Unsere gemeinsame Zukunft beginnt doch erst gerade! Du machst mir Angst. Du darfst so etwas nicht sagen! Ich will Dich nicht verlieren und noch lange mit Dir zusammenbleiben", entgegnete sie heftig.
"Du brauchst keine Angst zu haben. Ich möchte ja gar nicht sterben, sondern noch lange mit Dir zusammen bleiben. Aber jeder muss einmal sterben, vielleicht schon morgen. Und morgen wäre für mich ein guter Tag, wenn ich sowieso irgendwann mal sterben muss. Und wenn ich dann tot wäre, wäre ich noch immer bei Dir, zwar ohne Körper, aber ich wäre nicht weg. Ich wäre sozusagen in einem anderen Aggregatszustand, aber immer noch bei Dir", erklärte er.
"Das hört sich aber jetzt sehr nach Chemie an. Wenn... Nein, ich habe keine Lust, über den Tod und solche Dinge zu reden. Bleib einfach bei mir, genieße den Augenblick. Ich genieße Dich, Deine Nähe, Deine Wärme. Komm küss mich, streichel mich, schlaf mit mir", flüsterte sie ihm schwer atmend zu.
Er schlief mit ihr, langsam, zärtlich, hingebungsvoll. Ihre Getrenntheit löste sich dabei endgültig auf, sie wurden eins.
In der Hölle
Sie war am Abend zuvor auf einer Party gewesen. Allein, ohne ihm. Sie hatte das so gewollt, bestand regelrecht darauf. Er hatte zwar ein ungutes Gefühl dabei gehabt, aber hatte es dann doch ok gefunden, da er ihr ihren Freiraum nicht beschneiden wollte.
Nun hatte sie sich aber den ganzen Tag nicht gemeldet, was sehr ungewöhnlich war. Normalerweise hätte sie ihn schon längst angerufen, um ihm vom letzten Abend zu erzählen und um sich mit ihm zu verabreden. Es war jetzt schon gegen Abend, da entschloss er sich endlich, bei ihr anzurufen:
"Hi, wie geht's Dir? Wie war die Party gestern? Hat sie Dir gefallen? Ich hab Dich schon vermisst!"
Sie antwortete zögernd mit leiser Stimme: "Hi,....Was soll ich sagen? Ich hatte was mit einem anderen! Ich..."
"Was?" rief er aus, " Wieso denn das? Mit wem denn?"
"Mit M.. Du kennst ihn, glaube ich, auch. Ich hatte etwas viel getrunken, dann haben wir zusammen getanzt und uns dann geküsst."
"Naja, das ist zwar nicht gerade toll, aber so schlimm hört sich das jetzt auch nicht an.", antwortete er schon etwas erleichtert.
"Ja aber es ist doch etwas komplizierter", entgegnete sie, "ich habe mich, glaube ich, in ihn verliebt. Ich bin gerade ziemlich verwirrt. Ich weiß nicht, ob ich Dich noch liebe!"
"Aber das wird sich doch wieder geben", fragte er verunsichert.
"Ich weiß es nicht, wirklich nicht", gab sie zur Antwort.
"Ok, dann komm ich jetzt noch zu Dir, und wir reden in Ruhe darüber".
Also fuhr er mit seinem Auto noch zu ihr hin. Es war schon dunkel, ein Oktoberabend. Ein sehr beklemmendes Gefühl stieg in ihm auf und machte sich breit. "Sie war also nicht nur fremdgegangen, sondern sie hat sich in ihn verliebt. So eine Scheiße, ich will sie nicht verlieren, ich liebe sie so, ich werde ihr alles verzeihen", dachte er verzweifelt.
Er kam ganz zerknirscht bei ihr an. Sie gingen sie in ihr Zimmer rauf. Sie setzten sich gemeinsam auf ihr Bett. Er sah sie erwartungsvoll an. Sie wich seinem Blick aus, schaute zum Boden und begann ganz offen zu sprechen: "Ich hab mich in M. verliebt, und ich liebe Dich nicht mehr. Ich kann mit Dir nicht mehr zusammen sein. Meine Gefühle für Dich sind wie weggeblasen. Es tut mir leid. Es geht nicht mehr."
"Aber das kann doch nicht sein. Wegen solch einer kurzen Affäre gleich alles zu beenden. Wir lieben uns doch. Du bist alles für mich", sagte er verzweifelt, den Tränen nahe. Er spürte, wie der Boden unter seinen Füßen nachgab. "Das gibt's doch nicht", sprach er weiter. "Zwischen uns war doch alles in Ordnung! Verlass mich nicht. Ich lieb Dich so. Das kannst Du doch nicht machen. Bitte, denk noch mal darüber nach", flehte er sie an:
"Es tut mir leid", entgegnete sie. "Aber momentan geht es nicht anders. Vielleicht ändern sich meine Gefühle für Dich wieder."
Es änderte sich aber nichts mehr. Ihre Beziehung war zu Ende. Die Liebe seines Lebens hatte ihn an diesem Abend endgültig verlassen.
Sie begann sofort ihre neue Beziehung, die zu seiner Genugtuung aber nicht lange hielt. Es war aber nur ein schwacher Trost, aber er fand es gerecht. Es tröstete ihn aber nicht. Er wollte sterben, aus Verzweiflung. Seine Welt war aus den Fugen geraten. Die ersten Wochen nach der Trennung dachte er die ersten Stunden des Tages immer nur daran, dass sie ihn verlassen hatte, dass er allein war. Zu dieser Zeit hatte er jeden Morgen nach dem Aufwachen als ersten Gedanken, dass es aus war, dass sie ihn verlassen hatte.
Erst nach und nach ließ der Kummer nach. Aber noch zwei Jahre später dachte er fast jeden Tag an sie. Etwa ein Jahr nach der Trennung lernte er ein neues Mädchen kennen und verliebte sich in sie. Damit war dann sein Liebeskummer wieder weg. Aber sein Leben hatte sich verändert. Er fühlte sich einsamer, trauriger, die Freude des damaligen Lebens mit ihr, die romantischen Gefühle, die Vertrautheit, die Nähe waren auf lange Zeit, vielleicht für immer, dahin.



Eingereicht am 08. November 2006 2006.
Herzlichen Dank an die Autorin / den Autor.
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