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Dez
01
Das Vorspiel
© Annika Senger

Er ignoriert, was am späten Dienstagabend zwischen ihnen vorgefallen ist. Nun bedeckt er seine Blöße wieder mit einem von vielen weißen, bis zum letzten Knopf geschlossenen Hemden, die ihm seine Mutter regelmäßig schenkt. Mit ihren großzügigen Gaben hatte er sich vor dem Ereignis in Kassandras Bett noch gebrüstet, ebenso mit den langen Unterhosen, mit denen Mami versucht, ihren Marcus auch noch mit 36 vor einer Blasenentzündung zu schützen. Kassandra hat ihn am Dienstag das erste Mal ohne seinen brauen Anzug gesehen. Zuerst knöpfte sie ihm sein Hemd auf und entledigte sich dann innerhalb von Sekunden seines störenden langärmeligen Feinripp-Unterhemdes. Sie streichelte ihn zärtlich von den Schläfen bis zur Gürtellinie und liebkoste seinen gesamten Oberkörper mit behutsamen Küssen. Sie hatte jedes Mal Angst, zu viel körperliche Nähe von ihm zu fordern. Wie sollte sie auch mit einem Mann umgehen, der erst mit 34 Jahren auf unsanfte Weise seine Unschuld an seine Ex-Freundin Cindy verloren und seitdem nie wieder Sex gehabt hatte? Am liebsten hätte sie seine feingliedrigen Organistenhände tief in den See zwischen ihren Schenkeln getaucht, doch so oft sie sich das vornahm, so oft musste sie darauf verzichten und unberührt trocknen. Vertrocknen, dachte sie frustriert. Von selbst wagte er es ja nicht, die Initiative zu ergreifen. Inzwischen konnte er aber recht passabel küssen. Auch das hatte Kassandra ihm beibringen müssen. Wie angespannt sich seine Lippen bei den allerersten scheuen Küssen verfestigt hatten und er immer wieder ihrer forschen Zunge ausgewichen war! Wie zwei Teenager waren sie sich bei ihrem ersten Date auf nicht-musikalischer Basis mit ihren Mündern begegnet. In dem Moment fühlte es sich an, als wäre es Kassandras Kuss-Premiere gewesen. Sie musste sich dabei zu ihm hinabbeugen, denn wenn sie Stilettos trägt, überragt sie ihn um knapp einen Kopf.

Nun ist er wieder ihr geschäftlich kühler Musiker-Kollege an der Orgel. Und sie erinnert sich an den verregneten Tag im Sommer, als sie seine Hochzeit mit Cindy mit einem Hochzeitsmarsch in Moll und zwei Passionschorälen ruiniert hat. "Es war ein perfekt geplantes Verbrechen", denkt sie. "Ein Wunder, dass er mich danach nicht fallen lassen hat wie eine heiße Kartoffel."

Im Laufe der Zeit ist ihr bewusst geworden, dass Marcus es genießt, von ihr für seine Verfehlungen gepiesackt zu werden und dass es ihr einen Heidenspaß macht, ihn zu reizen und seine Vergehen mit Bestimmung zu bestrafen. Etwas mehr als zwei Wochen, nachdem seine Braut ihretwegen weinend aus der Kirche geflohen war, stand er mit einem Strauß roter Rosen vor Kassandras Tür. Das war am Dienstagabend. Da hat sie wieder die wilde Leidenschaft gepackt, so dass sie nicht anders konnte als ihn, an ihren Lippen hängend, mit sanftem Druck ins Schlafzimmer zu führen. Vor jedem Treffen mit ihm fragte sie sich, wann es endlich passieren würde. An den Tagen ihrer Zusammenkünfte legte sie besonders großen Wert auf verführerische Spitzen-Dessous - selbst, nachdem Cindy ihr von seiner eigenen Vorliebe für Altherren-Schlüpfer erzählt hatte. Sie nahm sich vor, ihn ganz schnell auszuziehen und mit Händen, Lippen und Zunge zu erkunden. Er hatte noch keine Übung darin, ihren BH zu öffnen. Also war sie wieder gezwungen, es selbst tun. Ein Schauer lief über ihren Rücken, als seine Fingerspitzen leicht von ihrem Nacken bis zum Ansatz ihres Höschens rutschten. Etwas musste nun geschehen. Sie hatte es noch nie gewagt, die Innenseiten seiner Schenkel zu streicheln, um dann in intimere Regionen vorzudringen. Sie fühlte sich wieder einmal nicht komplett und innerlich unausgefüllt. "Ob das jetzt richtig ist?" fragte sie sich in Gedanken, während ihre Hand sein von Feinripp bedecktes Geschlecht streifte. Sie spürte nichts. Nur ein schlaff herabhängendes Weichteil, das sich auch bei ihren zarten Berührungen nicht regte. "Ich kann verstehen, wenn du jetzt böse bist", sagte er mit einem schuldvollen Unterton. "Aber nein, wie könnte ich?" antwortete sie und zwang sich zu einem Lächeln. Sie wusste selbst nicht, warum sie immer noch in diesen Schwächling verliebt war. Ihr Verstand riet ihr schon lange, sich von ihm zu lösen, doch ihr Herz war immer noch taub.

Auch jetzt in der Kirche an der Orgel dehnt es sich wieder zu ihm aus und drängt darauf, sich mit seinem zu vereinen. "Wie kann ein Mensch nur so von Mauern umgeben sein?" wundert sie sich.

"Lass uns doch das Ave Maria noch mal von ganz vorne proben", sagt er kühl und distanziert.

"Nein", hört sie sich mit Härte erwidern.

Er schaut sie an, als habe sie ihm mit ihrer Antwort einen Stoß in die Rippen versetzt. "Willst du nun Musik machen oder nicht?"

"Das kommt ganz darauf an", zischt sie.

"Worauf?"

"Ob du brav bist und tust, was ich von dir verlange."

Unsicherheit nimmt Einzug in Marcus' Gesicht, aber er reagiert auf ihr Spiel mit Humor: "Aha, die gefährliche Kassandra. Jetzt spielst du wieder eine Rolle, damit ich Angst vor dir habe, du süße kleine Maus. Nicht wahr?"

"Wie hast du mich genannt? Für dich immer noch Herrin!", bricht es aus ihr hervor. Schon lange hat sie davon geträumt, Dominanz über ihn auszuüben. Manchmal führt sie ihn in ihren Phantasien an einer Hundeleine spazieren und lässt ihn ihre neuen schwarzen Stiefel lecken, bevor sie ihm erlaubt, mit seiner Zunge ihre Schenkel aufwärts zu gleiten und sie oral zu befriedigen.

"Du bist immer so unerhört aggressiv, Herrin", stammelt er zögerlich.

"Weil du auf ganzer Linie unerhört bist! Unerhört frech! Und das muss bestraft werden!"

"Nein, Süße, auf solche Spielchen steh' ich nicht", weicht er ihr aus und steigt offensichtlich nervös von der Orgelbank. Kassandra empfindet bereits ein lustvolles Ziehen zwischen ihren Beinen. Sie kann nicht aufhören, noch nicht und befiehlt ihm: "Hier geblieben! Zieh' deine Hose runter und leg' dich auf dem Bauch auf die Orgelbank!"

Für einige Sekunden starrt er sie entgeistert an. "Aber das geht doch nicht", widersetzt er sich scheu.

Kassandras Stimme fällt in strenge Tiefen herab: "Es geht alles, was deine Herrin dir befiehlt, Sklave! Also runter mit der Hose und rauf auf die Bank!"

"Diese Seite an dir kenne ich ja noch gar nicht", sagt er mit einer Mischung aus Angst und Zärtlichkeit.

"Dann wurde es allerhöchste Zeit, dass ich sie dir zeige! Los jetzt!"

Marcus bewegt seine Hände zaghaft zum Knopf seiner Hose. Noch bevor er dort angekommen ist, lässt er sie fallen und verschränkt seine Arme vor der Brust. "Ach, übrigens, meine Mama will, dass ich in einer Stunde zu Hause bin. Ich muss dann langsam mal los."

Kassandra kann sich kaum beherrschen vor Lachen: "Muttersöhnchen! Ein Befehl deiner Herrin ist ein Befehl!"

"Na schön", fügt er sich endlich, öffnet verschämt seine Hose und streift sie sich von den Lenden. In einem weißen Liebestöter steht er vor seiner Kollegin, die den Anblick belustigt kommentiert: "Lange Unterhosen, wie abtörnend! Sieht so ein großer Verführer aus?"

Marcus schaut schweigend zu Boden. "Nein", antwortet er kaum hörbar und legt sich auf die Orgelbank.

"Sag' mir, dass du ein Muttersöhnchen bist!", schießt es aus ihr heraus.

"Nein", stöhnt er. Ihre Hand senkt sich zu einem festen Klaps auf sein flaches Hinterteil. "Gib zu, dass du ein Mami-Bubi bist!" schreit sie.

"Ja, Herrin!", platzt schließlich die Lust aus ihm hervor.

"Und bist du ein Weichei? Sag' mir, dass du ein kleines, schwaches Weichei bist!"

"Niemals!", sträubt er sich.

"Das war keine Antwort auf meine Frage!", donnert Kassandras los. Diesmal schlägt sie noch ein wenig fester zu. Als sie die Hand wieder hebt, fühlt sie sich seltsam befreit.

"Ich bin ein Weichei! Ich bin klein und schwach und unerhört!" jappst er.

"Liebst du mich?", fragt sie ihn sanft. Diesmal überkommt sie ein Verlangen, ihn fest in ihre Arme zu schließen. Noch wehrt sie diesen Wunsch aber ab.

"Weiß nicht."

"Entweder ja oder nein!", brüllt sie, worauf sie ihm gleich drei Hiebe hintereinander versetzt.

"Ja! Ich liebe dich! Ich liebe dich, wie ich noch keine geliebt habe!"

Im Zuge seiner Worte beginnt ihr Herz Achterbahn zu fahren. "Wirklich?"

"Ja", bekräftigt er sein Geständnis.

"Ich dich auch!", entfährt es ihr. Die Sehnsucht, Marcus leidenschaftlich mit Zärtlichkeiten zu überschütten, hat erneut Oberhand über Kassandra gewonnen. Sie beugt sich zu ihm herab und streichelt seinen Rücken. "Du darfst jetzt aufstehen, mein Süßer", gestattet sie ihm. Einem Teil von ihr tut es bereits unendlich leid, so brutal Dominanz über ihn ausgeübt zu haben. Gleichzeitig spürt sie jedoch, wie viel Lust es ihr bereitet hat. Marcus richtet sich auf, sucht wie ein ausgehungertes Tier den Weg zu ihren Lippen. "Danke", flüstert er.

Dann verirren sich ihrer beider Hände. Und doch weiß Kassandra, wohin ihre Finger sie nun geleiten. Nachdem sie sein steifes Glied ertastet hat, schlüpft sie rasch aus ihrer Hose, um auf der Orgelbank mit ihm das zu tun, was ihr am Dienstagabend verwehrt geblieben ist.

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