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Eingereicht am
17. März 2007

Runde Geburtstage

© Angelina de Satura

Als ich hier in unsere Ecke eingezogen bin, war ich der Grund einer schlimmen Aufregung. Ich erfuhr es per Zufall.

Ich hatte vergessen Juniors ausgelatschte Schuhe mitzunehmen weil er seine neuen im Geschäft des Nachbarorts unbedingt anbehalten wollte.

Am nächsten Morgen fragte ich danach. Die Schuhverkäuferin meinte, sie wären längst entsorgt. Mein Geldbeutel war empört und argumentierte, das alte Paar wäre noch gut genug um draußen zu spielen. Sie solle sich bitte bemühen und sie retten.

"Ihren Namen? Welche Adresse? Ach, Sie sind es also!", stellte sie abwertend fest.

Diese Reaktion blieb mir ein Rätsel bis ich meinen runden Geburtstag auch mit der fremden Nachbarschaft feierte.

Eine wichtige Frage kam endlich ans Licht: Wer sind all diese Männer, welche, in meinem Haus ein- und ausgehen?

Mein Vater, mein Stiefvater, seine Geschwister, mein Bruder, Onkel Günter … Das Haus war innen dringend renovierungsbedürftig!

Mir wurde sofort das "Du" angeboten!

Sie sind mir seitdem richtig ans Herz gewachsen.

Meine Nachbarin "lass mich machen" Powerfrau, organisiert und vermittelt, oder "hast du Probleme?" Dame, hat immer ein Ohr übrig und Lebenserfahrung, sowie "würde dir auch stehen" Stilistin, gerne bereit aus mir was Ansehnliches zu machen … Nicht zu vergessen der "Meisterbastler", "Computerkenner" …

Und Herbert!

Fast ein paar Jahrzehnte älter als ich. Wohnt schräg gegenüber mit seiner demenzkranken Mutter. Überaus distanziert, außer es wird gefeiert.

Damals, als nüchterner Wirbelwind dabei war, meine angeheiterte Gäste zu versorgen, schnappte er mich beim Vorbeisausen und bestand darauf, einige Wörter mit mir auszutauschen. Ich habe ihn auf Anhieb gemocht.

Die ältere weibliche Generation am Nebentisch, fragte nach ob sie alle noch einen Schluck Sekt bekommen könnten.

Herbert lächelte und ließ mich frei.

Mein neuer Freundeskreis veranstalten auch solche Feiern.

Gelegenheiten um Herbert ein wenig näher zu kennen.

Er ist FKK Fan.

In so einem Ort war ich auch schon mal!

Ich erinnere mich wie ein junges Paar, er mit Strohhut, Hand in Hand, so wie Gott sie schuf, in das salzige Wasser schritten.

Sie liebkosten sich inmitten eines Lichtermeers von Spiegelungen.

Beide strandeten wieder. Die Kopfbedeckung, zweckentfremdet, hing selbständig am Körperteil des Jünglings fest.

Herbert lachte und versicherte mir, ich hätte die Ausnahme erlebt.

Irma feierte nun ihren Siebzigsten, Herbert und ich tanzten sogar Walzer!

Er hat innig geliebt. Jene Frau war bereit, ihr Leben mit ihm zu teilen, aber nicht in Begleitung der verwirrten Schwiegermutter.

Ich habe seine einzige Liebe nicht kennengelernt, aber ich weiß, sie ist etwas Besonderes.

Polizei und Notrufauto fuhren mit heulender Sirene zu seinem Haus.

Später parkte auch der Leichenwagen.

Schwarzgekleidete Männer zogen einen silbernen Sarg aus dem kleinen Kellerfenster, Herbert hat sich dort im Alter von 60 Jahren, erschossen.

Auch welchen die wussten er sei selbstmordgefährdet, waren schmerzlich entsetzt.

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