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Dez
01
Zauber einer Liebe
© Christina Svatekova

"Lia ...!", Stavjan eilte durch den Wald. Die Äste schlugen ihm ins Gesicht, ohne dass er dies wahrnahm. Immer wieder rief er nach Liandra. Es wurde schon Abend und sie war immer noch nicht zurückgekehrt. Den Bach hatte er schon vor einer Stunde abgesucht. Wohin war sie nur verschwunden?

Hatte man sie aufgespürt? Obwohl Stavjan davor die meiste Angst hatte, konnte er nicht anders, als immer wieder laut nach Lia zu rufen. Auch wenn er dadurch die Aufmerksamkeit der grünen Garde auf sich lenken sollte, oder derjenigen Kreaturen, die es auf Liandra abgesehen hatten.

Stavjan stürzte plötzlich aus dem grünen Dickicht auf eine von der untergehenden Sonne erhellte Lichtung. Außer Atem hielt er an und sah sich um. Voller Erleichterung sah er Liandra unter einem Baum liegen. Aus der Entfernung sah es aus, als wäre sie eingeschlafen. Erleichtert seufzte er auf und holte tief Luft, um seinen Herzschlag wieder einigermaßen in den richtigen Takt zu bekommen. Dann ging er langsam zu Ihr hinüber.

Irgendetwas stimmte hier nicht. Stavjan runzelte leicht die Stirn. Er spürte es doch. Misstrauisch schaute Stavjan sich um. Dennoch konnte er nichts Verdächtiges entdecken. Für einen kurzen Moment hielt er inne und bewegte sich nicht. Für ein paar Sekunden hielt er die Luft an. Doch die Geräusche die aus dem Wald herausdrangen, waren die, welche man gegen Abend in dieser Gegend erwartete.

Seine Sinne waren sensibilisiert und vorsichtig bewegte sich Stavjan über die Lichtung zu Liandra.

Was hatte sie nur hier zu suchen? Es war doch auch viel zu weit von ihrem Unterschlupf entfernt. Stavjan hatte in diesem Moment keinen Sinn für die wundervolle Umgebung in der er sich befand.

Er war schon fast bei Liandra angelangt, als er bestürzt feststellte, was nicht stimmte. Lias langes Haar, normalerweise ordentlich zurückgebunden, hatte sich gelöst und verdeckte Ihr Gesicht, welches, wie Stavjan feststellte, als er das Haar zurückstrich, völlig verschmiert war. Erst bei näherem hinsehen wurde Ihm bewusst, dass es kein Schmutz war, sonder es sich um getrocknetes Blut handelte. Ihn überlief es eiskalt. Panik machte sich breit. "Lia, ..sag was!", Stavjan brüllte Liandra an und schüttelte sie so heftig, dass sie anfing zu stöhnen. Erleichtert das sie doch noch lebte, lies er sich ganz neben sie fallen und bettete Ihren Kopf auf seinen Schoss. Er lehnte sich an den Baum unter dem er saß und schloss für einen Augenblick seine Augen. Nicht die Stundenlange suche nach Lia hatte ihn so furchtbar müde werden lassen. Es war die Angst gewesen. Die Angst, die Stavjan durchströmt hatte, das Lia ihren letzten Atemzug getan haben könnte. Aber zum Schlafen war dies weder der richtige Zeitpunkt noch der richtige Platz. Er musste sich überlegen, wie sie beide wieder zu Ihrem Unterschlupf kamen. Zärtlich strich er Lias Haare zurück und untersuchte die Wunde, welche sich direkt am Haaransatz befand. Den Göttern sei Dank, dass diese wohl schlimmer aussah als sie es in der Wirklichkeit war. Er hatte keine Zeit sich nun darum zu kümmern. Das getrocknete Blut verschloss die Wunde. Die Sonne versank immer weiter hinter den Bäumen und er musste sich beeilen zurückzufinden. Sie waren weit entfernt von der Hölle und wenn sie nicht sofort aufbrachen, konnte es sein, dass er diese, heute Nacht, nicht mehr fand.

Stavjan erhob sich langsam um Lia nicht noch mehr zu verletzten und hob sie hoch. Überrascht stellte er fest, wie leicht sie war. Seit einigen Wochen flüchteten sie nun schon durch die 3 Länder. Dies war wohl auch etwas zuviel für Liandra gewesen. Trotz allem gab es keine Alternative für sie und auch nicht für Ihn. Es gab keine Wahl für sie beide nicht. Lia hatte Ihm erzählt, dass Ihr Onkel sie versuchte zu töten um an Ihr Erbe zu kommen. Er hatte Ihr erzählt das man Ihn zwingen wollte in den Krieg zu ziehen oder er würde sein leben verlieren. Bei beiden eine nicht vollständige Wahrheit.

Er versuchte Ihren Kopf an seine Schulter zu lehnen. Sanft schaute er auf sie hinunter und streifte wie zufällig mit seinen Lippen ihre Stirn.

"Es tut mir so leid, Lia", flüsterte er. Dann machte er sich auf den Weg zurück.

Immer wieder musste er auf dem Rückweg kurze Pausen einlegen. Nach der dritten Pause stellte er überrascht fest, dass sie schon fast die Höhle erreicht hatten. Mit neuer Energie beeilte sich Stavjan die Sicherheit Ihres Unterschlupfes zu erreichen. Der Wald barg viele Gefahren in sich, insbesondere nach Sonnenuntergang. Gegenwehr konnte er so nicht rechtzeitig ergreifen.

Sie hatten es geschafft. Erleichtert legte er Lia auf ihr Lager und deckte sie gut zu. Dann machte Stavjan sich daran, das Feuer, in den letzten verblassenden Strahlen der Sonne, neu zu entfachen. Kaum das es lodernd brannte, hörte er ein Geräusch. Er wendete sich Lia zu und ging zu Ihr hinüber.

"Stavjan?!", leise und schwach hörte sich Lias Stimme an.

"Pssst ... Nicht reden, Lia ... Du bist in Sicherheit. Hier, trink erst mal einmal etwas Wasser", zärtlich drückte Stavjan Lias Hand. Dann griff er nach der Wasserflasche und stütze Lias Kopf. Vorsichtig setzte er Ihr das Gefäß an die Lippen und lies sie nur in kleinen Schlückchen trinken. Dann betete er Ihren Kopf wieder vorsichtig auf das Lager. "Lia, ich muss Deine Wunde säubern und verbinden."

Stavjan ging zu seinem Lager und zog seine Decke herunter. Dann riss er einen Streifen davon ab und wendete sich wieder Lia zu, die bereits wieder zu schlafen schien. Er teilte den Streifen und durchtränkte einen der beiden Streifen mit Wasser. Langsam und vorsichtig fing er an Lias Gesicht zu reinigen. Immer wieder zuckte Sie unter seinen Berührungen, kam er zu nah an die Wunde, zusammen. Jedes Mal zuckte auch Stavjan zurück und murmelte: " Es wird alles gut, ich bin gleich fertig"

Er legte einige der kleinen Blätter, von denen er inzwischen wusste, dass sie bei der Wundheilung äußerst hilfreich sein konnten und die er auf dem Rückweg gefunden hatte auf die Wunde. Notdürftig schlang er Lia den zweiten Streifen Stoff um den Kopf.

Als er fertig war, beugte er sich hinüber zu dem Feuer und legte noch etwas Holz nach. Er musste aufpassen, dass es heute Nacht nicht ausging. Liandra brauchte die Wärme.

Stavjos spürte inzwischen die Anstrengungen des heutigen Tages. Seufzend schaute er sich in der kleinen Höhle um. Sein Blick blieb auf Liandras Gesicht hängen. Im Schein des fröhlich tanzenden Feuers sah Lias Antlitz noch blasser aus, als es auf der Lichtung schon der Fall gewesen war. Früher hatte jeder Betrachter, der Liandra sah, den Eindruck einer jungen wunderschönen starken jungen Frau vor sich. Nun wurde Stavjan bewusst, dass sich einiges geändert hatte. Wie sie da lag, sah sie verletzlich und zart aus. Das Gesicht war schmal geworden. Die Blässe und die Ringe unter den Augen ließen ihn erkennen, dass sie nicht so stark war, wie sie immer tat. Stavjan schluckte schwer.

Dann wurde Liandra unruhig. Selbst wenn er einen Versuch unternommen hätte, sich für einen Moment auszuruhen, wäre dies in dieser Nacht unmöglich gewesen.

Er griff nach Ihrer Hand und stellte fest, dass sie inzwischen heiß und feucht war.

"Bitte nicht, ihr Götter, die Ihr über uns Menschen wacht, bitte lasst nicht zu, dass Ihr etwas zustößt.", flehentlich stieß er halblaut die Worte hervor. Er riss ein weiteres Stück aus seiner Decke. Gott sei Dank hatte er gestern Abend, bevor er sich auf die Suche nach Liandra gemacht hatte, alle Gefäße, die sie hatten mit Wasser gefüllt. Nun tauchte er denn Lappen in eines davon und wischte über Lias Gesicht und Arme. Immer wieder redete er beruhigend auf sie ein und erfrischte Ihr Gesicht. Zwischendurch benetzte er die Lippen und hoffte dass dies ausreichend war. Stavjan legte Holz nach und jeder Augenblick, den er mit Nichtstun verbrachte, kauerte er neben Lia, hielt Ihre Hand und redete beruhigend auf sie ein. Er hatte das Gefühl, dass die Nacht nie zu Ende gehen würde.

Langsam krochen die ersten grauen strahlen der Sonne durch die Öffnung der Hölle. Das noch zuvor knisternde Feuer schrumpfte zusammen und glimmte kurz darauf nur noch leicht. Stavjan war in einen unruhigen Halbschlaf gefallen. Zusammengekauert lag er neben Lia auf Ihrer Decke, er hielt immer noch Ihre Hand. Seine andere hatte er auf Ihrer Stirn liegen.

Stavjan hatte nicht mehr richtig mitbekommen, dass Liandras Fieber gesunken war.

Durch das Sinken des Fiebers konnte nun auch Lia endlich in einen erholsamen Schlaf finden.

Nur kurz hatte sie die Augen geöffnet und Stavjan angeschaut, aber ihr fehlte noch die Kraft, etwas zu sagen.

Die Sonne hatte schon fast den Zenit erreicht, da erwachte Stavjan. Sofort tastete er nach Lias Hand und fühlte Ihre Stirn. Erleichtert drehte er sich langsam auf den Rücken und schaute zur Decke. "Höret meinen Dank, Ihr Göttlichkeiten.", flüsterte er. Er lächelte leicht als er sich wieder Lia zuwandte. Er strich Ihr Haar zurück und küsste sie auf die Stirn.

Er zuckte zurück, was machte er hier denn? Leicht verstört setzte er sich auf. Stavjan schluckte. Was zum Teufel war nur in Ihn gefahren. Er starrte auf den Aschenhaufen am Eingang der Höhle.

Plötzlich bemerkte er wie etwas seinen Arm berührte. Erschrocken drehte er sich um. Lia hatte die Augen geöffnet und schaute Stavjan an. Bestürzung breitete sich auf seinem Gesicht aus. Er wich dem Blick Lias aus. "Du.. du ... bist wach....?!", brachte er stotternd heraus.

Liandra versuchte zu lächeln. "Schon eine ganze Weile, ich wollte dich nicht wecken. Warst Du die ganze Nacht wach?" Stavjan nickte nur. Er wusste nicht, was er sagen sollte. Stille breitete sich in der Höhle aus.

Liandra versuchte sich aufzusetzen. Jetzt erst erwachte Stavjan aus seiner Starre und drückte Lia wieder sanft zurück: "Das darfst Du noch nicht, bitte bleib liegen." Stavjan nahm die Trinkflasche und half Lia etwas zu trinken. Lia sank zurück und merkte, dass sie dass schon erschöpft hatte. "Du musst noch etwas essen. Wir haben noch etwas Brot." Stavjan brach ein Stück ab und reichte es Lia. Als sie langsam aufgegessen hatte, erhob er sich. "Ich muss dich für eine Weile allein lassen. Wir haben kein Wasser mehr und Feuerholz für die Nacht, brauchen wir auch wieder. Zudem werde ich versuchen, was Essbares zu finden.", leicht lächelte er, " ich werde versuchen in der Nähe zu bleiben, falls etwas sein sollte, brauchst Du nur zu rufen." Lia nickte verhalten. Schmerzhaft verzog sie das Gesicht und tastete nach Ihrem Kopf. Stavjos kniete sich neben sie und legte seine Hand auf Ihre Wange: "Ruhe dich noch etwas aus. Wir sprechen wenn ich zurück bin, einverstanden?"

Schnell zog er seine Hand zurück und griff nach den Wasserflaschen. Dann verließ er die Höhle. Es hatte sich etwas verändert. Während Stavjan seinen Gedanken nachhing, erledigte er die Aufgaben, welche er sich selbst gestellt hatte, mit großer Umsicht.

Liandra erging es in der Höhle ähnlich. Die Wange auf der seine Finger kurz lagen, prickelte. Tief in ihrem Bauch fühlte es sich an, als wäre ein Schwarm Schmetterlinge erwacht und würde nun versuchen durchzubrechen. Immer wieder wandte sie die Augen zum Eingang und hoffte auf die Rückkehr Stavjans. Ihm hatte sie zu verdanken, dass sie noch lebte. Das wusste sie. Aber wieso war er vorher so abweisend gewesen und nun hatte sie eine andere Seite in Ihm entdeckt. Je länger sie darüber nachdachte, umso verwirrter wurde sie. Nur eines stand im Moment für sie fest. Sie wusste das sie Ihr Herz verschenkt hatte, in der kurzen Zeitspanne Zwischen Wachen und Schlafen, in der sie seine Anwesenheit gespürt hatte und wusste, dass sie sich in Sicherheit befand. Sie lächelte leicht und schloss wieder die Augen. Der Schlaf nahm sie wieder auf und in Ihren Träumen sah sie Ihre Zukunft, sie in den Armen von Stavjan.

So selbstsicher Liandra ihre Gefühle kannte und nachgab, dies hatte sie schon als Kind gelernt und gezeigt bekommen, so sehr verwirrten Stavjan die seinen. Er konnte nicht einordnen, was ihn dazu trieb, Lias Hand zu drücken, ihr Gesicht zu streicheln oder so wie eben ihre Stirn zu küssen. Er wusste ja noch nicht mal zu sagen, warum sie immer noch zusammen waren. Und seit gestern Abend konnte er es erst recht nicht mehr zuordnen. Er musste nachdenken. Stavjan hasste sich für seine Schwäche. Er schaffte es bis zum Nachmittag sogar ein Kaninchen zu erlegen. Zusammen mit den Kräutern und Beeren, die er gefunden hatte, würde es das beste Mahl werden, was sie seit Tagen zu sich genommen hatten.

Kurz sah er Lia vor seinen Augen, wie sie freudig lächelte. Im Moment drehten sich seine Gedanken nur um Sie. Egal was er tat, er dachte nur daran, dass sie dies evtl. erfreuen könnte.

Was seiner Aufmerksamkeit entging, war die Tatsache, dass er beobachtet wurde.

Sein Verfolger, der sich nun schon geraume Zeit in seiner Nähe aufhielt, merkte auch, dass irgendetwas nicht stimmte. Der Junge, und für ihn war Stavjan mit seinen gerade 21 Jahren das, war äußerst unaufmerksam, was seine Umgebung betraf. Er hatte da vor geraumer Zeit ganz andere Erfahrung gemacht. Der einzige Grund, was in davon abhielt zuzuschlagen und Ihn zu töten war der, dass ihn das neugierig gemacht hat. Heute Morgen hatte er den Geruch der Prinzessin und des Jungen aufgenommen und sie aufgespürt. Gegen Mittag lief ihm Stavjan über den Weg und nun wartete und beobachtete er. Der Befehl lautete zu töten, aber das konnte er immer noch, sie würden ihm nicht noch mal entkommen.

Stavjan machte sich mit dem unbekannten Wesen im Rücken auf den Weg zur Höhle.

"Du bist wieder da." Erleichtert setzte sich Liandra vorsichtig auf. Ihr Blick suchte den seinen. Doch Stavjan schaffte es immer wieder diesem auszuweichen. Wieder verspürte er ein angenehmes krippeln auf der Haut, welches sich über seinen gesamten Körper ausbreitete.

"Lia, du solltest liegen bleiben. Es ist nicht gut, wenn du dich gleich wieder überanstrengen würdest." Seine Worte hörten sich etwas heiser an und belegt. "Es geht schon wieder, Stavjan, Mein Kopf schmerzt auch schon nicht mehr so stark.", Liandras Stimme hörte sich schon sehr viel kräftiger an. Die Worte wurden von einem Blick begleitet, der wenn er hingeschaut hätte, ihm alles hätte sagen können. Ihm seine eigenen Fragen hätten beantworten können ohne das auch nur einer von beiden Worte hierfür hätte gebrauchen müssen.

"Ich hoffe, du hast auch Appetit." Stavjan hielt das Kaninchen hoch und schaute kurz zu Liandra. "Ich werde es gerade fertig machen und das Feuer entzünden. Wasser, Beeren und einige Kräuter habe ich auch noch mitgebracht.", setzte Stavjan mit aufgesetzt, fröhlicher Miene hinzu. Dennoch bemerkte Lia sehr wohl, wie es in Ihm aussah, in seinem Blick lag Verzweiflung.

Ein wenig konnte sie ihn verstehen. Während er sich daranmachte das erlegte Kaninchen zu häuten und das Feuer zu entfachen, dachte sie über Ihre Lage nach.

Nachdem das Feuer die richtige Temperatur erreicht hatte, das Kaninchen anfing zu brutzeln und sich ein köstlicher Duft nach Fleisch in der Höhle zu verbreiten begann, lies sich Stavjan neben dem Feuer nieder. Liandra rutschte mit vorsichtigen Bewegungen neben ihn und sah ihn an.

Draußen vor der Höhle schlich das Wesen unbemerkt herum und suchte sich einen geeigneten Platz, um die Nacht abzuwarten. Dennoch wollte es wenn möglich genau mitbekommen, was drinnen geschah. Es legte sich nieder und belauschte mit gespitzten Ohren das beginnende Gespräch. Die Neugier wuchs stetig. Und nur diesem Umstand hatten Liandra und Stavjan es zu verdanken, dass sie noch am Leben waren. Auch wenn es von König Atrian beauftragt worden war, die erst 19 Sommer zählende Prinzessin zu finden und zu töten, war es dennoch ein Wesen aus Fleisch und Blut.

"Bitte, Stavjan ... Es, es tut mir leid." Liandra senkte den Kopf. "Wir sollten eigentlich schon fort sein von hier. Es war meine Dummheit, weswegen wir immer noch in dieser Höhle sitzen." Ihre Stimme war fast flehentlich. Stavjan schaute auf sie hinunter. "Das ist es nicht Lia.", antwortete er mit heiserer Stimme. Sie saß so nah neben ihm, dass er alle Kraft aufwenden musste, sie nicht in den Arm zu nehmen. Abrupt stand er auf. "Das Fleisch ist gleich fertig, ich hole das Brot und die Beeren.", schnell ging er nach draußen, ohne Lia nochmals anzuschauen. Sein Atem ging schneller. Der frische Abendwind kühlte sein heißes Gesicht. Mehrmals musste er tief einatmen, damit sich sein Herzschlag wieder beruhigte, der diesmal nicht aus Angst sein Takt verlor. Er griff nach den Beeren und wandte sich wieder dem Eingang zu.

Auch jetzt hörte er nicht die Atemzüge des Wesens, welches nur einen Meter von ihm Gestrüpp lauerte. Wenn es grinsen könnte, hätte es dies getan. Eine Ahnung hatte es beschlichen, von dem was in den unerfahrenen Geistern der zwei jungen Menschen vorging. Die Nacht wollte es noch abwarten und morgen früh wäre die Schonzeit vorbei.

"Lia ...", zum zweiten Mal seit sie ihr Lager hier aufgeschlagen hatten, stieß Stavjan diesen Schrei aus. Er lies die Beeren fallen.

Das Wesen im Gebüsch schreckte hoch und gab ein knurren von sich. Stavjan schaute sich entsetzt um, konnte aber nichts entdecken und stürzte zurück in die Höhle. In sich zusammengesunken lag Liandra direkt im Eingang zur Höhle. Sie hatte versucht aufzustehen und Stavjan zu folgen. Dann einen Schwächeanfall erlebt und gestürzt.

Er trug sie wieder zu ihrem Schlafplatz und legte zum Stützen seinen Mantel unter ihr Haupt.

"Verdammt Lia, du sollst noch nicht aufstehen. Mit einer Kopfverletzung ist nicht zu spaßen.", Unmut über Lias Verhalten schwang in seiner Stimme mit. "und zudem ist das essen fertig." Stavjan nahm das Kaninchen vom Feuer und teilte es mit seinem Dolch. Er nahm eines der großen Blätter, die überall im Wald wuchsen und legte noch das restliche Brot dazu. Dann reichte er es Lia. "Hier iss etwas. Morgen müssen wir weiter. Wenn wir noch länger hier verweilen, wird man uns finden. Entweder die grüne Garde oder dein Onkel. Es ist nicht sicher hier." Schweigend nahm Liandra das Essen und langsam fing sie an zu essen. Auch während des Essens herrschte schweigen. Dennoch lag eine merkwürdige Spannung in der Luft. "Stavjan, bitte rede mit mir.", Liandra griff nach seinem Arm. Sie unterbrach mit flehender Stimme die Stille. Unter Ihrer Berührung, erschauerte er unmerklich. Er drehte sich zu Ihr herum. Wiederum versuchte er verzweifelt ihrem Blick auszuweichen.

"Es tut mir leid, dass ich dir so viel Kummer bereite." Liandra versuchte Stavjans Blick zu erhaschen. "Ich bin Dir sehr dankbar für das was Du für mich tust.", fast flüsterte sie. Liandras Hand strich sanft über seinen Arm. Stavjans Blick fing ihren ein. "Erzähl mir, was geschehen ist. Warum hast Du Dich so weit vom Lager entfernt?", er wünschte er könnte einfach die Gespräche zwischen Ihnen auf ein Minimum beschränken. Aber dies war nicht ganz so leicht zu bewerkstelligen, wie er dachte. Wenn man allein war, war es schwierig, zu schweigen. Im Grunde genoss er jedoch das zusammen sein mit Ihr, auch wenn Stavjan es nicht zugeben wollte.

"Ich weiß nicht mehr so genau. Unten am Bach wollte ich gerade die Flaschen befüllen. Dann hörte ich ein leises Singen. Dem folgte ich, irgendwie hatte ich das Gefühl, ich müsse unbedingt herausfinden, wer das ist. Dann war vor mir plötzlich diese zauberhafte Lichtung und dann kann ich mich nicht mehr erinnern. Das nächste was ich weiß, das ich hier aufgewacht bin und Du lagst neben mir.", Liandra verstummte. Stavjan hörte sich die Geschichte an, ohne sie zu unterbrechen. "Dann gibt es den Zauber wirklich.", nachdenklich, schaute er sie an. "Wir sollten sofort im Morgengrauen aufbrechen. Meinst Du, du schaffst es?", Stavjan ergriff Lias Hand, mit eindringlichen Blick sprach er weiter: "Du weist was über den Wald gesagt wird, wenn Jungfrauen ihn betreten sollten? Er ist gefährlich für Dich." Lia nickte: "Ja, es wird schon gehen." Stavjan schloss kurz erleichtert die Augen. Fast unhörbar flüsterte er: "Ich könnte es nicht ertragen Dich zu verlieren." Lias Augen weiteten sich etwas. Sie erstrahlten wie zwei Diamanten in der Dunkelheit, welche verirrte Sonnenstrahlen sich zu nutze machten. Mit einem Augenzwinkern setzte Stavjan hinzu: "Unsere kleinen Streitereien vermisse ich jetzt schon." Lia lachte leise: "Du willst mir also nicht mehr widersprechen?", mit gespielter Verwunderung in der Stimme. "Ah ich bemerke, Ihr scheint Euch wieder zu erholen.", schmunzelte Stavjan und verbeugte sich leicht und sah ihr in die Augen. In diesem Moment hätte ein Unwetter über sie hereinbrechen oder die Erde erbeben können. Keiner der zwei hätte dies bemerkt. Es gab nur sie und sonst nichts. Dieser Kuss bedeutete den Anfang vom Ende.

Es gab in dieser Nacht nur einen, dem das klar war. Dieser Jemand, oder eher etwas, kauerte immer noch vor der Höhle und wartete auf den Sonnenaufgang. Wenn der König davon erfuhr, wäre er nicht sehr erfreut. Das Wesen bleckte seine Zähne. Geniest Eure entflammte Liebe diese Nacht. Denn Ihr habt nur diese eine.

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