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Die Fahrt zum Flughafen

© Alexander Backmund


Er saß im Bus und dachte nach. Obwohl neben ihm ein guter Freund schnarchte, als wollte er einen Wettbewerb darin gewinnen und sich der Busfahrer wie ein apokalyptischer Reiter benahm, konnte ihn nichts aus seinen Gedanken reißen.
Da war es also, das Ende einer kleinen Italien - Abschlussreise, auf die er sich schon sehr gefreut hatte. Doch der letzte Tag hatte ihn so sehr geschafft, dass er sich schließlich seinen Gedanken hingab und sich langsam ein Film vor seinem inneren Auge abzuspielen begann.
In einer Gruppe von 3 Freunden kämpfte er sich durch die vollbesetzte U-Bahn, um an der nächsten Haltestelle aussteigen zu können. Sie schafften es gerade rechtzeitig, denn kurz nachdem sie den Wagen verließen, knallten hinter ihnen die Türen zu und die Bahn nahm rasant fahrt auf. Jedoch konnte man sich hier keine Verschnaufpause gönnen, da man von den Menschenmassen durch die teilweise heruntergekommene U-Bahnhalle gedrängt wurde und man musste aufpassen, dass sich keine Taschendiebe an einem vergriffen. Über eine steile Rolltreppe gelangten sie schließlich zum Tunnelausgang und er sah ein helles Licht und lief ihm entgegen. Es war warm und leuchtete hell, aber auf eine natürliche Art und Weise.
Doch kaum hatte er den Ausgang erreicht, da wachte er wieder aus seinen Träumen auf denn Lärm riss ihn aus seinem inneren Film. Der Busfahrer war an einer Ampel eingenickt, was nun mit einem verärgerten Hupkonzert quittiert wurde. Die Reise zum Flughafen ging weiter und er sank wieder in Gedanken ab.
Neue Bilder formten sich vor seinem Inneren Auge: Der Besuch des Vatikans und des Petersdoms. Er erinnerte sich noch genau an den riesigen Petersplatz, den prunkvoll gebauten Eingang und die kostbar verzierten Wände innerhalb des Gebäudes. Überall große Figuren Heiliger, Engelwesen, Abbilder verstorbener Päpste und in der Mitte des Doms ein über 10 Meter großer Altar aus kostbarem Marmor, der sich bis kurz unter die Decke schraubte.
Wieder glitt er mehr und mehr in einen Traum ab, was durch das monotone Brummen des Motors und Geschaukel des Busses unterstützt wurde. Er ging langsam auf den Opfertisch zu, um sich die zierlich verarbeiteten Details anzusehen, als plötzlich unter diesem Gestalten auftauchten, die direkt auf ihn zuliefen. Lange Mäntel verbargen ihre Körper und tief hängende Kutten warfen einen Schatten auf die Gesichter, der es unmöglich machte, sie zu erkennen. Er drehte sich um und rannte los, rempelte dabei Leute an, doch keiner schien sich darum zu kümmern. Es sah so aus, als würde keiner sehen, was gerade passierte! Kurz bevor er die große Eingangstür erreichte, fing das Gestein vor ihm an zu knacken und bekam Risse. Er kam schlitternd zum stehen, während seine Verfolger ihn in beängstigender Geschwindigkeit einholten.
Mit einem Ruck brach vor ihm der Boden ein. Hinter ihm versperrten ihm die verhüllten Gestalten den Weg und vor ihm öffnete sich ein tiefer, rot leuchtender Abgrund, der sich immer mehr in seine Richtung ausweitete.
Plötzlich verspürte er einen Stoß im Rücken, stolperte vorwärts und brach ein, bekam aber gerade noch den Rand des Abgrunds zu fassen. Hilflos hing er über der brodelnden Grube und in dem Moment, als einer der verhüllten Gestalten auf ihn zuging und seine Kutte abnehmen wollte, ließ sein Griff nach und er stürzte dem glühenden Flammenmeer entgegen. Doch was er unter sich sah, war grässlicher als es auf den ersten Blick schien. Inmitten des Feuers schwebte eine riesige Fratze, die langsam ihren Mund öffnete und zu einem Schrei ansetzte. Doch was er hörte, war keine donnernde Stimme, sondern … es erinnerte ihn an …
Er wachte auf und hörte abermals Autos auf der Straße hupen. Schweißgebadet blickte er nach draußen, während die strahlende Sonne unerbittlich auf ihn schien. Die Reise zum Flughafen ging weiter.



Eingereicht am 05. September 2006.
Herzlichen Dank an die Autorin / den Autor.
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