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Dez
01
Larry und Moritz im Urlaub
© Elke Link

Tja - die meisten Menschen haben einen Freund.

Moritz hat auch einen - nämlich Larry.

Larry ist ein braun-weiß gescheckter, kleiner Münsterländer.

"Kleiner Münsterländer" bedeutet jetzt nicht, dass er klein wäre. Nein - zumindest ist Larry bedeutend größer als Moritz. Moritz muss sich immer auf die Hinterbeine stellen, will er Larry in die Augen schauen. In diese schönen, großen, treuen Augen.

Na ja, Larry und Moritz kennen sich schon von Jugend an.

Larry war schon drei Jahre alt, als Moritz als ganz kleines weißes Cäsar-Baby in unsere Familie kam. Und da hat wohl dieser gutmütige, braunäugige Larry Muttergefühle bekommen. Muttergefühle ist gut gesagt - es waren wohl eher Vatergefühle.

Zumindest war es Liebe auf den ersten Blick.

Ganz aufgeregt standen unsere Hunde im Garten und beobachteten unser emsiges Autobeladen. Koffer und Taschen, Proviant, ein paar Flaschen Wein, Zwiebeln und Kartoffeln, Hundefutter und und und.wurden in den beiden Autos verstaut.

Während wir die Autos bepackten, stiegen Moritz und Larry bereits ein, viel zu früh, denn es sollte doch erst in ein paar Stunden losgehen. Sie nahmen schon mal auf dem Beifahrersitz Platz, nichts ahnend oder besser gesagt, ziemlich kess, erhoben sie Anspruch auf diesen Platz, der natürlich nicht für sie vorgesehen war.

Sie wären um kein Geld in der Welt wieder ausgestiegen, denn sie wussten, dass es ab in die Ferien ging.

Ob sie schon wussten, wo es hingeht, weiß ich nicht. Vielleicht!

"Bist Du auch so aufgeregt wie ich", wollte Moritz von Larry wissen.

"Ja, ein bisschen! Hab vor ein paar Tagen den Reiseprospekt auf dem Tisch liegen sehen, ich glaube, es geht mal wieder ans Wasser. Ach, Moritz, ich kann es kaum abwarten. Endlich wieder mal so richtig schwimmen können, nicht nur wie hier bei Euch, in der niedrigen Ach rumplätschern."

"Nun hör ja auf über unsere Ach zu meckern. Zuhause hast Du noch nicht mal eine Pfütze, in der Du baden kannst. Bei Euch in Wolken ist weit und breit noch nicht mal ein Tümpel. Und der Rhein, der ist so weit von Euch weg, da müsst Ihr ja erst mal hinfahren".

"Moritz, soll ich noch mal schnell aussteigen, mich noch mal schnell in der Ach abkühlen?"

"Aha, schau an - besser die Ach, als gar nichts", grinste Moritz vor sich hin.

"Nee, noch mal mich nass machen, kommt gar nicht infrage", schien Moritz zu denken. Er schloss lieber seine Augen und träumte ein wenig vom Urlaub.

Wie sich wenig später herausstellte, sollte es nach Korsika gehen.

"Gott sei Dank, Korsika", raunte Larry Moritz zu.

"Da gibt es doch die vielen kleinen Wildschweine, die süßen, kleinen, schwarzen, verfressenen Möpse, die wie kleine Entchen hinter ihrer Mutter herlaufen."

"Ach Larry, was interessieren uns die kleinen Wildschweine, dann werden wir doch immer im Auto eingesperrt, weil alle Angst haben, dass wir die Wildschweinfamillie mit unserem Gebell erschrecken. Ich denke gerade an die Strandhunde. Weißt Du noch, die Strandhunde vom vergangenen Jahr?"

"Erinnere mich ja nicht daran! Wegen diesem blöden braunen Köter, hat mich Claudius zur Sau gemacht. In den Hintern hat er mich getreten, am Halsband gezerrt, oben auf der Galerie eingesperrt. Und.warum das alles? Weil ich Euch vor diesem braunen Franzosen beschützen wollte. Aber wie immer - ich war mal wieder der Dumme."

"Du hättest aber auch nicht so auf ihn zustürzen brauchen. Du warst wie von der Rolle, hattest die Zähne gefletscht, als wolltest Du ihn zerreißen", warf Moritz ganz vorsichtig ein.

"Denkst Du noch an die süße Blonde, an ihren grazilen Ganz, ihre koketten Augen, entsinnst Du Dich, was sie noch gemacht hat?" Larrys Augen nahmen einen träumerischen Ausdruck an.

"Klar. Kann man so schnell nicht vergessen. Aber für mich war sie zu groß, obwohl."

"Nee, nach Dir hat sie nicht geguckt, Kleiner! Dann schon eher nach mir!

Weißt Du noch, wie erschrocken unsere Menschen geguckt haben, als sie die Blonde in ihrem Bett liegen sahen?" entsann sich Larry.

"Ja, sicher, das war was. Ich lach mich heut noch kaputt. Ich sehe immer noch die entsetzten Augen von Elke, als sie ins Schlafzimmer kam und die Blonde in dem frisch überzogenen Bett liegen sah. Och - die kleine Süße tat mir richtig leid. Sie wollte doch gar nichts Böses. Aber damit hatte Elke nicht gerechnet, dass die Blonde doch nur in ihr eigenes Bett wollte. Es war doch IHR Bett in IHREM Haus, was ihr Herrchen an uns vermietet hatte. Also kam sie abends heim, marschierte durch die offene Terrassentür und legte sich schlafen", ergänzte Moritz die alten Geschichten.

"Aber, dass sie gerade ihre Tage hatte und die ganze Bettwäsche verschmierte, das hast Du vergessen, zu erzählen. Du denkst nur noch an ihren guten Duft, der Dir wohl heute noch in der Nase steckt."

"Dir etwa nicht?" war Larrys kurze Antwort.

Also es sollte nach Korsika gehen. Korsika - soo weit weg. Und diese weite Strecke war nicht nur mit dem Auto zu bewältigen, sondern wir mussten noch mit dem Schiff übersetzen. Aber - wir hatten ja Schlafkabinen gebucht. Auch für die Hunde.

Nach einer langen, wegen der Hitze und der Staus kräfteraubenden Autofahrt, erreichten wir am Abend Nizza, wo wir schon von weitem "unser Schiff" sahen.

Ein weißer Gigant - Korsika-Ferries - lag da majestätisch im Hafen.

Wahrscheinlich waren unsere Hunde genauso gespannt wie wir, denn für sie war es die erste Schiffsfahrt in ihrem Leben. Ob sie wohl seekrank werden würden?

Moritz hatte seine kurzen weißen Beinchen aus dem offenen Fenster gelegt und zwinkerte Larry im Nebenauto vielversprechend zu.

"Na, Larry, schon Reisefieber?" raunte er ihm zu.

Vor dem Schiff bildete sich eine lange Autoschlange, in der man uns verdammt lange "braten" ließ.

Aber endlich gings los. Wir holperten über die Eisen-Zugbrücke in den großen tief gelagerten Rumpf des Schiffes. Auto an Auto, kein Zentimeter Platz dazwischen, standen wir da, konnten noch - alles im Eiltempo - mit unseren Hunden das Auto verlassen, um dann über die vielen Treppen nach oben in die Schlafkabinen bzw. die verschiedenen Decks zu gelangen.

"Langsam, langsam", hechelte Larry Lisa zu, die ihn durch die Menschenmenge zog.

Moritz saß ein wenig höher auf Elkes Arm und freute sich, mal auf Larry hinabschauen zu dürfen.

"Pass auf da unten, dass Du nicht totgetreten wirst", spottete er ein wenig.

"Mensch Maier", waren die Hunde aufgeregt. Es waren ziemlich viele Hunde hier, denn es ist ja bekannt, dass die Franzosen Hundefreunde sind. Und so hatte eigentlich fast jeder, der einen solch individuellen, erlebnisreichen, unkonventionellen Korsika-Urlaub machen wollte, seine Kinder und seinen Hund dabei.

Ja wirklich, so ein Korsika-Urlauber unterscheidet sich doch ziemlich von den piekfeinen Hotelurlaubern, die die Nobelhotels mit Tennisplatz und Golfanlage belagern.

Oben angekommen, schnupperten wir alle, hautfarbene und schwarze, feuchte Nasen, die Seeluft, die uns oben auf der Reling entgegen wirbelte.

Es war ein prachtvoller Anblick - Nizza mit seinem herrlichen Panorama - vor uns, unter uns die starken Wellen, die mit ungeheuerlicher Wucht gegen die über 20 Meter hohe Bordwand, schlugen. Wir hörten den Lautsprecher, der uns in französischer Sprache begrüßte: "Mes dames, monsieurs, je vous."

"Hast Du das gehört, man versteht überhaupt nix". Moritz machte ein beleidigtes Gesicht. "Will doch auch wissen, was die sagen."

"Ach Mann, ist doch egal, die erzählen nur irgendwas von Korsika, von Frauchens Trauminsel, wart`s ab, morgen sehen wir ja die Insel.

Moritz hätte zu gerne auch über die Reling geschaut. Aber das war ihm, ob seiner Größe, nicht gegönnt. Er musste einfach den "Ah"- und "Oh"-Rufen der Menschen vertrauen.

Das Schiff stieß einen lauten Hupton aus, was bedeutete, dass die Reise losging. Es rumpelte furchtbar, die Motoren wurden angeschmissen und es ging in Richtung Ferien.

Am Abend wurde es draußen ziemlich dunkel, aber unsere Hunde brauchten keine Angst zu haben, sie durften brav unter dem Tisch liegen. So lange Herrchen und Frauchen dabei waren, war alles o.k. Die Nacht in der entsetzlich engen Kabine ging schnell vorüber, und schon wieder teilte uns der französische Kabinenlautsprecher mit, dass wir in wenigen Minuten Ajaccio erreichen würden.

Sofort sprangen wir aus den Betten, was durch ein erschrockenes Bellen unserer Hunde kommentiert wurde. Moritz hatte, wie allmorgendlich, eine bis zum Platzen gefüllte Blase und träumte wohl schon von einem französischen Baum.

Es galt noch etwas abzuwarten. Frauen musste erst unter die Dusche, dann anziehen, um dann im Schnellschritt mit dem ganzen Tross aller Mitreisenden die Treppen hoch zu laufen, jeder hatte wohl Angst, nicht aussteigen zu dürfen und wieder in Richtung Heimat geschifft zu werden.

Schon wieder standen wir oben an der Reling, brachten vor aufkommender Begeisterung über den Anblick der geliebten Insel kaum ein Wort raus, wir waren einfach sprachlos.

"Hi, Alter", durch die vielen Beine der Umherstehenden sah Moritz Larry, der wie wild an seiner Leine zerrte. Larry und Moritz begrüßten sich schwanzwedelnd. "Hi, Urlauber, schon einen Baum gefunden?", mag wohl Larry Moritz gefragt haben.

Moritz, unten im Unterschenkelbereich der Umherstehenden, schaute mal nach rechts, mal nach links, hob in einem unbedachten Moment sein rechtes Beinchen. und pinkelte einem neben ihm stehenden Touristen ans Bein.

Gott sei Dank, war dieser so von dem Anblick der Insel abgelenkt, dass er den warmen nassen Schwall an seinem Bein nicht sofort bemerkte.

"Gut gemacht, Moritz", flüsterte Larry wohl Moritz im Vorbeigehen zu, denn Moritz hatte irgendwie einen sehr stolzen Gesichtsausdruck, als er, ohne wie Larry, auf einem Bein hüpfend, das Auto bestieg.

Wir ratterten von Bord und nun ging die Fahrt, bei offenem Fenster und lauter Musik, in Richtung Ferienhaus, welches wir gemeinsam mit Larrys Herrchen und Frauchen, gemietet hatten. Es wurden wundervolle Ferien, wir kochten irrsinnig gut schmeckende französische Gerichte, mit viel Knoblauch, Creme fraiche, Rosmarin. Ich bekam endlich wieder mein vielgeliebtes Entre-cote zu essen, Camembert, Baquettes und gaaaanz viel guten trockenen Rotwein.

Und die Hunde bekamen ihr Trockenfutter.

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